Full text: Hessenland (11.1897)

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Jakob Aobberinann.^ 
(Nachdruck verboten.) 
Bon Do. C h r i st i a n S ch e r e r, 
Herzog!. Museumsiuspettor in Braunschweig. 
» ie künstlerische Bedeutung D ob b ermann's 
ist eine vorwiegend lokale insofern, als 
- seine Thätigkeit säst ausschließlich mit 
Kassel und dem hessischen Fürstenhose verknüpft 
gewesen ist. Er gehört daher vor allem der 
hessischen Künstlergeschichte an; doch weist die 
Hohe seiner künstlerischen Leistungen, ihre Zahl 
und ihre Vielseitigkeit ihm zugleich auch einen 
ehrenvollen Platz in der Geschichte der deutschen 
Kleinkunst, insbesondere der Elfenbeinplastik, 
des 18. Jahrhunderts zu, den er, wollte man 
allein die Literatur zu Rathe ziehen, bis jetzt 
freilich noch nicht eingenommen hat. Die be 
kannten Künstlerlexika nennen ihn kauur, und 
man muß schon die Spezialliteratur durchforschen, 
wenn man seinem Namen begegnen und Näheres 
über ihn erfahren will. Die verhältnißmäßig 
ausführlichsten Mittheilungen über Dobbermann 
giebt I. Hoffmeister in seinen „Nachrichten 
über Künstler und Kunsthandwerker in Hessen" 
(1885), denen ich, dank der freundlichen Hilfe 
der Herren Professoren Lenz in Kassel und 
von Drach in Marburg, die mir verschiedene 
Aktenanszüge bereitwilligst zur Verfügung stellten, 
noch einiges Weitere hinzuzufügen in der Lage 
bin. 
Jakob Dobber mann (Dobermann, Dobbr- 
mann) wurde 1682 geboren und am 14. Mai 1745 
zu Kassel begraben. Seit dem 26. April 1716 
war er, laut einer Bemerkung in der „Cabinets- 
rechnung über Einnahme und Ausgabe des 
rc. Fürsten und Herrn Herrn Carl k 
de Anno 1717" vom 6. Februar a. S. 126, 
im Dienste des prachtliebenden und kunstsinnigen 
Landgrafen Karl angestellt und zwar, wie wir 
aus derselben Akte a. S. 128 unter 231 er 
fahren, mit einem jährlichen Gehalt von 
*) Ans einem Buche des Verfassers, das unter dem 
Titel „Studien zur Elfenbeinplastik des 18. Iahr- 
hnnderts" demnächst bei I. H. Ed. Heiß (Heiß n. Mündel) 
in Straßburg erscheinen wird. Der vorliegende Aufsaß 
ist in etwas veränderter Fassung wiedergegeben. 
300 Thalern st, den er noch im Jahre 1729, 
aus dem uns die letzten derartigen Rechnungen 
erhalten sind, in derselben Höhe bezog. Während 
der Dauer seiner Thätigkeit für den Landgrafen 
scheint Dobbermann vorwiegend in Bernstein 
gearbeitet zu haben. Dentt überall, wo uns sein 
Name in den Nechnungen dieses Zeitraums be 
gegnet, wird er der „Bernsteinschneider" D. 
genannt, sodaß die Annahme wohl berechtigt ist, 
er habe von Haus ans und mit besonderer 
Vorliebe in diesem Material seine Kunst aus 
geübt. Dieser Umstand gestattet aber vielleicht 
auch einen Rückschluß ans seine Heimath und 
Herkunft, die wir am wahrscheinlichsten im 
Lande des Bernsteins, am Strande der Ostsee 
zwischen Memel und Danzig, zu suchen haben 
werden, in jener Gegend, aus der, wie wir wissen, 
fast alle berühmten Bernsteinarbeiter des 17. 
und 18. Jahrhunderts stammten, so u. A. auch 
W. Krüger und seine beiden Söhne, von deren 
Hand das Grüne Gewölbe zu Dresden und das 
Knnsthistorische Hofmnsenm in Wien verschiedene 
Werke besitzen. 
Freilich war der Bernstein in dieser ersten 
Periode seiner Thätigkeit nicht das einzige 
Material des Künstlers. So verstand er z. B. 
auch Straußeneier mit Schnitzereien zu verzieren, 
und wiederholte Aufträge, die ihm nach Ausweis 
der Akten auf solche Arbeiten zu Theil wurden, 
bezeugen, daß er auch in dieser Kunst den 
Wünschen seines Fürsten zu entsprechen wußte. 
Unter diesen Umständen dürste es sehr wahr 
scheinlich sein, daß sich nicht nur unter den im 
Unterstock der Kasseler Gemüldegallerie befind 
lichen Kunstgegenständen in Bernstein noch weit 
mehr Werke von Dobbermann's Hand befinden, 
als ihm bis jetzt dort zugeschrieben werden, 
sondern daß auch die beiden ebendort im Zim 
mer V, Schrank IX aufbewahrten Straußeneier 
3 Bergl. auch von Rommel, Geschichte von Hessen, 
X, S. 145, und eine Akte unter den: Titel, „Ausgabe an 
Besoldungen und Zulagen" vom 7. November 1728 auf 
I Seite 159 unter 203.
	        

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