Full text: Hessenland (11.1897)

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XI. Iahrgaug. Kassel, 16. Illtti 1897. 
Der See bei 3ba 
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S m Hessenlande liegt ein See, 
Ein tiefer See mit dunkler Auch. 
Es glänzt der Wasserlilie Schnee — 
Im Schilfe träumt die Vögelbrut. 
Die Stille lastet rings so schwer, 
Die Erle regt sich nicht in: Wind, 
Die Weide neigt ihr langes Haar — 
Ein schlummertrunk'nes Königskind. 
Ein Märchen geht von altem Weh, 
Das drunten schläft in stummer Hut. 
Da plötzlich rauscht und schwillt der See 
Und brandet aus so roth wie Blut. 
Was vor Jahrhunderten gescheh'n, 
Wird plötzlich wach und steigt empor. 
Ein Antlitz voll von v.mgem Aehn 
Taucht weiß, geheimnißvoll hervor — 
Ein Nebel legt sich über's Land — 
Der Schleier hängt an Busch und Dorn — 
Die Muhme winkt mit welker Hand 
Hoch aus dem gelben, reisen Korn. 
Die Sage sitzt am Hügelrand —- 
Am Waldsaum zieht des Quinten Heer — 
Frau Holle treibt im Sonnenbrand 
Die faulen Mägde vor sich her. — 
Im Hessenlande liegt ein See, 
Ein tiefer See mit dunkler Auth. 
Es glänzt der Wasserlilie Schnee — 
Im Schilfe träumt die Vögelbrut. 
*£. Keiter-Kelkner.
	        

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