Full text: Hessenland (11.1897)

(richtiger ,Kroten bürg vem Kroke, d. h. einem 
Berg, auf dem das Vieh geweidet wird), die 
— der einzige Fall der Art im deutschen Vater 
lande — um ein älteres, bereits im Jahre 1126 
erbautes Gotteshaus angelegt wurde, das nach der 
Ueberlieferung eine getreue Nachbildung des 
Gotteshauses darstellt, welches zu Jerusalem sich 
über dem Grabe des Heilands erhob. Die Burg 
selbst wurde erst um das Jahr 1220 uud zwar 
von Erzbischof Engelbert von Köln, dem be 
rühmten Zeitgenossen Kaiser Friedrich's II., 
zum Schutz der Kirche angelegt, während diese 
ans Bischof Heinrich von Paderborn zurück 
zuführen ist, der im Jahre 1017 die seiner 
Diözese . ungehörige Abtei, die Gründung eines 
Grasen Eckhardt, in seinen Besitz brachte. Nach 
einer Begrüßungsrede des Vorsitzenden, Biblio 
thekars an der Landesbibliothek Dr. Brunner, 
hielt Dr. med. Karl Schwarztopf seinen an 
gekündigten Vortrag, in welchem er die Geschichte 
der Burg in seiner fesselnden, geistvollen und 
formvollendeten Art den Hörern darlegte, nicht 
ohne zugleich in besonders geschickter Weise die 
Schicksale des Klosters und der Stadt Helmars 
hansen mit einznflechten. Rauschender Beifall 
lohnte den Redner. Nach Schluß des Vortrages 
schied man von der malerischen Ruine, um sich 
nach dein reizend gelegenen Karlshasen zu begeben, 
wo der so überaus genußreiche Ausflug seinen 
Abschluß fand. 
Philippsdenkmal zu Kassel. DerBürger- 
a u s s ch it ß der Residenzstadt K a s s e l bewilligte 
am 14. Mai zu den Kosten des Unterbaues des 
an der südlichen Längsseite der St. Martinskirche 
auszustellenden Standbildes Landgraf Philipp's 
des Großmüthigen einen weiteren Beitrag 
in der Höhe von 4000 Mark, nachdem in der 
Sitzung des Ausschusses vom 21. April 1896 für 
das Denkmal bereits die Summe von 2000 Mark 
zur Verfügung gestellt war. Bekanntlich hat sich 
auch der Bezirksverband für den Regierungs 
bezirk Kassel zu einem Beitrag von 4000 Mark 
bereit erklärt, dessen Gewährung aber von der 
Bedingung abhängig gemacht, daß die Ausführung 
des Denkmals spätestens bis zum Jahre 1899 erfolgt 
sein müsse. Die zur Herstellung eines würdigen 
Denkmals noch fehlenden 5000 Mark werden 
nunmehr noch durch freiwillige Beiträge privater 
Kreise auszubringen sein, da weitere Bewilligungen 
aus öffentlichen Mitteln ausgeschlossen sind. 
Die Generalversammlung des Gleiberg- 
Vereins fand am 19. Mai aus der Burg 
Gleiberg statt. In Abwesenheit des ersten Bor 
sitzenden, Geheimraths und Provinzialdirektors 
F reih errn von Gager n, leitete Dr. Kl ewitz 
die Versammlung; er gedachte mit warmen Wor 
ten des am 4. Februar d. I. verstorbenen ^Pro 
fessors Dr. Büchner, welcher so große Verdienste 
uni die Wiederherstellung der Burg sich erworben. 
Ter Verein werde das Andenken an diesen Alaun 
stets bewahren. In den Vorstand wurde an 
Stelle des verstorbenen Professors Dr. Büchner 
Kreisingenieur Stahl gewühlt und die sonstigen 
Mitglieder des Vorstandes wiedergewählt. Der 
Kassenbericht stellt fest. daß es leider noch nicht mög 
lich war. die schon längst geplante Neuplättnng der 
Fußböden des Erdgeschosses im Nassanerban, aus 
dem Gang und in der Küche vorzunehmen,, daß diese 
Arbeit aber für das neue Geschäftsjahr ausgeführt 
werden wird. Die Asphaltirung des Thurm dache s 
und sonstige Reparatur-arbeiten am Burgfried sind 
beendet. 
U niv er sitä tsnachri chten. Die Alma, mater 
Philippina hat für das begonnene Sommersemester 
einen so starken Besuch seitens der Jünger der 
Wissenschaften auszuweisen, daß die Gesammtzahl 
der zum Hören der Vorlesungen Berechtigten sich 
aus etwa 1050 beläuft, eine Zahl, die noch nie 
mals zuvor erreicht worden ist. — Zur Fort 
setzung des Kurmainzischen Urkundenregesten- 
werkes von Böhmer-Will ist der Privat- 
dvzent zu Gießen Dr. Julius Dietrich in 
Begleitung des wissenschaftlichen Hilfsarbeiters an 
der Kasseler Landesbibliothek, Dr. Karl 
Held ui a n n, im Austrage der B ö h m e r st i s t u n g 
zu Frankfurt a. Al. seit dem 1. Mai aus einer 
Studienreise nach Süddeutschland begriffen, um 
die Archive hinsichtlich der für das Werk in Be 
tracht kommenden Urkunden zu durchforschen. 
Ein hessischer Iub i lar in Am e rika. Am 
5. Mai feierte August Marxhausen in Detroit 
den Tag, wo er vor 50 Jahren als Lehrling der 
„Schwarzen Kunst" in seiner hessischen Heimath 
das Gewerbe anfing, dem er seither ohne Unter 
laß treu geblieben ist. August Marxhausen, der 
Präsident der leitenden deutschen Gesellschaft 
„Harmonie" in Detroit, ist zugleich eine der 
ersten Stützen des Deutschthums in Alichigan, 
und aus diesem Grunde ziemt es seinen Lands 
leuten in Hessen des Jubilars zu gedenken. 
August Marxhausen wurde im April 1833 zu 
Kassel geboren, und zwar stammt er aus einer- 
einfachen bürgerlichen Familie, die ihren Stolz 
dgrin erblickte, ihre Söhne in einem nützlichen 
Handwerk ausznerziehen. So war er zum 
„Schweizerdegen" bestimmt, dieser fast schon völlig
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.