Full text: Hessenland (11.1897)

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Und als sie ihn neben feiner; Tochter da 
draußen hingebettet hatten den Herrn Rechts 
anwalt, als der Metropolitan zu den zahlreichen 
Leidtragenden ergreifende Worte gesprochen und 
die Liedertafel „Ueber allen Wipfeln ist Ruh" — 
gesungeu hatte, da war alles vorüber, die aus 
wärtigen Verwandten waren abgereist, und ver 
schüchtert und vereinsamt saßen die beiden trauernden 
Frauen schließlich in dein stillen Hause ganz allein. 
„Aber, wenn auch Du, liebe Line, wieder in 
Dein eigen Heim zurückgegangen sein wirst, und 
die Schulserien sind zu Ende, — dann —" 
klagte die blasse Wittwe. 
„Dann bleibe ich bei Dir, liebe Schwägerin, 
dann bin ich bereit, mein Heim und alles, was 
ich bin und was ich habe, Dir und den Kindern 
zu opfern. Wir werfen unser Soll und Haben, 
unser Wollen und Können einfach zusammeil, wenn 
Du einverstanden bist, Frauzel, iinb bleiben zu 
sammen bis -- and) wir dereinst zur Ruhe 
gebettet werden." 
Aus alter und neuer Jett. 
Landgraf Wilhelm der Weise und das 
B a sil i s k e n - Ei. In den von I usti und H a r t - 
m a n n 1799 herausgegebenen „Hessischen 
Denkwürdigkeiten" Theil II findet sich aus 
Seite 50 die nachfolgende Anfrage des Land 
grafen Wilhelm IV. von Hesfen wegen eines 
B a s ili sken - Ei es veröffentlicht, als ein Beweis 
„wie groß noch im sechszehnten Jahrhundert die 
Macht des Aberglaubens gewesen sein müsse, daß 
dieser Landgraf, ein fönst sehr verständiger kluger 
und gelehrter Fürst, der unter den preiswürdigen 
hessischen Regenten eine vorzügliche Stelle verdient, 
und der den Namen des Weifen nicht mit Un 
recht führte, sich nicht nur mit astrologischen 
Grillen abgeben, sondern auch nachfolgenden Brief 
an Vietorinus Strigelius schreiben konnte". Dieser 
Brief lautet: 
„Land gravius Wilhelmus ad Victorinuin 
Strigelium, 19. Sept. 1578. 
Hochgelart er lieber Getreuer. Wir haben bis 
dahero vor ein Fabelwerk gehalten, was man von 
einem Basilisco sagt, daß nemlich derselbe ans 
einem vom Hanen gelegten Ey geboren werden 
solle. Nun mögen wir Euch gnädig nicht ver 
halten, daß nur gestern unser Hauptmann Simon*) 
Uns untertheniglich berichtet, welchergestalt ime 
ein Han geschenket worden von groser Art, aber 
gar alt, also daß er auch nicht mehr auf ein 
Reck fliegen können, sei der Gertner daselbst, 
welcher den Hanen zur Aussicht und Verwahrung 
gehabt, zu ime kommen und gesagt, daß derselbig 
alte Han den ganzen Morgen bis 6 Stunden 
lang aufm Nest gesehen, und tvie ein Hun, das 
*) Gemeint ist Simon Bing, einer der bekanntesten 
Rathgeber des Landgrafen. 
da legen wolle, gegaaket habe. Eltdlich sei er 
vom Nest gelaufen, hat der Gertner das von ime 
gelegte Ey genommen und unsernt Hauptman 
noch etwas warmlechtig zubracht, sei dasselbige 
gar kugelrund und so gros, wie eilt hnney feye, 
weit rötlichter, doch gar glatt, als wans poliret. 
Darauf wer er unser Haitptmann zu gefahren und 
hätte das Ey zertrennet, den hauen aber in 
2 Stücken von einander reysen und beyden Mit 
der Brücke liegenden Wachthnnden vorwerfen laßen, 
hätte der eine nichts vom Hanen, der andere aber 
sein vorgeworfen Theil gehen, wer aber draus 
von stunden umbgefallen und gestorben. 
Wandt Wir den unsern Hauptmann der Auf 
richtigkeit wißen, das er uns in dem allen die 
Wahrheit berichtet, so begereit wir gnädiglich, Ihr 
wollet Uns euer judicium hinwieder eröffnen, 
ob Wale aus solchem Ey, da es ganz blieben und 
auskonnnen Wäre eures Erachtens ein Basiliscus 
hätte werden dürfen oder nicht. Uns verdrenßt 
sehr übel, daß er den Hanen so bald hat um 
bringen laßen dan wir vermutet, ein lapidem 
Uedorium *) darvvn zu bekommen. Wollen wir 
euch also gnediglich nicht verhalten und seynd euch 
mit gnaden geneigt, datum 19. September anno 78. 
W i 1 h e 1 in u s Land. Hass.“ 
B ernh. Chrn. D uysing, welchem die „Hes 
sischen Denkwürdigkeiten" diesen Beitrag verdaicken, 
weiß jedoch nicht, wer dieser Vietorinus Strigelius 
gewesen ist und wie derselbe die Wißbegierde des 
hessischen Fürsten befriedigt hat. Justi kann 
ebenfalls über Strigelins keine weitere Auskunft 
geben. ..Der berühmte Theologe dieses Namens", 
sagt er in einer Anmerkung, „der an dem streit 
süchtigen Matth. Fla ein seinen heftigen Gegner 
*) Hahnenstein.
	        

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