Full text: Hessenland (11.1897)

bei Hochzeiten u. s. w. Nachdem er so für- die 
nöthigen Fonds gesorgt hatte- ging, er an den 
inneren Ausbau der Schule und an die Einrichtung 
des Konvikts. Am 18. Juni 1607 - erschien die 
Stiftungsurkunde, worauf zur Erlangung eines 
geeigneten Platzes geschritten wurde. Unter allen 
anderen Plätzen erhielt der, wo das Gymnasium 
heute noch steht,. den Vorzug, der Grund und 
Boden wurde angekauft, ein Theil des vorbei 
ziehenden Wallgrabens zugeworfen und angefangen 
Holz m s. w. herbeizufahren, und am 5. April 
1612 wurde durch seinen Sohn Philipp Moritz 
-—der Gras-selbst rnar damals abwesend — der 
Grundstein feierlich . gelegt. Der Ausbau ging 
sehr langsam, von statten, doch allmählich wurde 
die niedere lateinische Schule zu einer höheren 
lateinischen Schule, zu einen: Gynmasiun: erweitert 
und Philipp. Ludwig ließ sich Zeit seines Lebens 
diese feine Schöpfung sehr angelegen fein. Leider 
war es ihin nicht vergönnt, den hohen Aufschwung 
der Schule selbst noch zu erleben, doch gebührt 
ihm ausschließlich das Verdienst, diesen hochherziger: 
Gedanken gefaßt und zur Ausführung angebahnt 
zu haben. 
'Schluß folgt.) 
Erinnerungen aus den letzten Tagen eines deutschen 
Fürstenthums. 
Von einem ehenlaligen kurhessischen Offizier. 
(Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 
f 
ndlich kam auch die Reihe des Verladens 
Ms an unsere Batterie, und es war fast beendet, 
als vor: der Stadt her das Getrappel zahl 
reicher Pferde, die im Trabe herbeikamen, gehört 
wurde. Gleich darauf bildete sich eitle Gaffe in 
der Menschenmenge, und es erschienen diejenigen 
Pferde der 1. gezogenen Batterie und der 
unfrigen, die auf Befehl des Regiments un: 
*/28 Uhr nach deni Pulvermagazin geschickt 
worden waren. Der dabei befindliche Unteroffizier 
meldete, sie hätte:: mehrere Stunden am Pulver 
magazin gewartet, ohne daß jemand gekouimen 
fei. Endlich habe ein Unteroffizier der reitenden 
Batterie den Befehl überbracht, sie sollten schleunigst 
nach der Stadt zu ihren Batterien Zurückkehren. 
In der Kaserne angekvminen, seien die zu den 
schor: auf den: Bahnhöfe befindlicher: Batterien 
gehörigen Gespanne diesen rasch nachgeschickt 
worder:. 
Glücklicherweise waren auch für diese Pferde 
die erforderlichen Waggoils schor: bereit gestellt, 
sodaß ein Aufenthalt nicht dadurch entstand. 
Gegen H28 Uhr war das ganze Geschäft beendet. 
Auch wir Offiziere hatten die für uns bestirrnnten 
Plätze eingenommer: und erwarteten, daß sich der 
Zug in Bewegung fetze. Allein es geschah nichts 
dergleichen, und als wir uns nach der Ursache 
der Verzögerung erkundigten, erfuhren wir, der 
Betriebsinfpektor habe erklärt, der Zug sei zu 
lang und müsse getheilt werden. Nun begann 
ein ermüdendes Hin- und Herfahren bis die 
beiden Züge so rangirt waren, wie es der 
Inspektor für richtig hielt. Was diese Trennung 
des Zuges für Folgen hatte, werden wir später sehen. 
* 
* 
Wir befanden uns in: ersten Zuge, der sich 
endlich gegen */2 9 Uhr in Bewegung setzte. 
Während der Fahrt, die nichts Bemerkenswerthes 
bot, waren wir, wenn ich nicht irre, zu sechs in 
unsern: Abtheil. Die Unterhaltung war in: 
Ganzen ernst und beschäftigte sich hauptsächlich 
rnit der Frage, ob es uns gelingen werde, die 
Gegend von Hanau und damit die Verbindung 
mit den süddeutschen Truppen ohne Zusammenstoß 
mit den Preußen zu erreichen. 
Mitternacht war vorüber, als wir endlich in 
Hersfeld ankamen. Nun ging's an's Ausladen, 
und da zeigte sich, welche Folgen die im letzten 
Augenblick noch vorgenommene Theilung des Zuges 
gehabt hatte. Mit unserm Zuge waren gekonunen: 
die Infanterie, unser Regimentsstab, von unsrer 
Batterie die Geschütze, aber weder Bedieunugs- 
mannschaften, noch Pferde, und von der 1. ge 
zogenen Batterie die Bedienungsmannschaften 
und die Pferde, aber keine Geschütze. Außerdem 
stellte sich heraus, daß sich in dem zurückgebliebenen 
Theile des Zuges nicht ein einziger Offizier befand, 
da wir Artillerieoffiziere alle in einen: Waggon 
untergebracht gewesen waren. 
Die Infanterie marschirte sofort nach den: 
Aussteigen nach der Stadt ab, um dort Quartiere 
zu beziehen, die durch das einige Stunden vor 
uns abgefahrene andere Bataillon des Regiments
	        

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