Full text: Hessenland (11.1897)

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^Zeitschrift für hessische .Geschichte", Neue Folge, 
Ml, S. 119),*) 
In einem zn ebener !Erde gelegenen Raume 
eines an den Fiirstenhos anstoßenden, nach Süden 
gelegenen langer! Stallgebäudes fanden sich nun 
damals zwei große Stein tafeln mit verschiedenen 
-künstlich eingehauenen Emblenren, die ich für 
Wappen hielt. 
Da ich vermuthete, daß diese Wappensteine einen 
geschichtlichen Werth hätten, so machte ich der 
königlichen Regierung zu Kassel deshalb Anzeige mit 
dem Hinzufügen, daß es sich empfehlen dürfe, diese 
Steintafeln in der nahe gelegenen Ruine der 
Kaiserburg niederzulegen und sie so der Nachwelt 
zu erhalten. Dementsprechend wurden diese Tafeln 
damals, nachdem Zeichnungen angefertigt waren, 
die bei der königlichen Regierurrg aufbewahrt 
werden, dorthin geschafft und befinden sich seitdem 
im Souterrain der Burgruine. 
Aus einer dieser Tafeln befindet sich eine 
„eiserne Hand" und auf der andern ein Schwan. 
In der unmittelbaren Nähe der Stadt hinter 
einem Weinberg, dem sog. Königsstück, befindet 
sich nun nach Angabe des Herrn Bezirkskonfervators 
Dr. Bickell in Marburg eine Grundstückslage 
an der Landstraße mit der Bezeichnung „die 
eiserne Hand", was darauf hindeutet, daß 
die „eiserne Hand" einem Wegweiser angehörte, 
der ehedem dort aufgestellt war. 
Der Schwan erklärt sich als Wappenthier der 
von Alters her dort ansässigen Familie Gremp 
von Freud enstein, welche den Burgmannen der 
Burg Gelnhausen angehörte. Noch heute befindet 
sich ein Schwan u. a. an dem bis vor Kurzem 
dieser Familie gehörigen Hause neben der Burg 
(Junghans a. a. O. S. 121).*) 
Die letzten Bewohner des Fürstenhoses, bevor 
er für fiskalische Zwecke Verwendung fand, waren 
die Familien von Warnsdorf und von Heim- 
roth. (Oberst von Heimroth war beim Untergang 
des Kurstaates Kommandeur der hessischen Garde.) 
Der oben erwähnte Stall ist s. Z. aus Antrag 
des Einsenders zum Geschäftslokal der jetzigen 
königlichen Kreiskasse hergerichtet worden. In dem 
Fürstenhose selbst befinden sich das königliche 
Katasteramt und das Amtsgericht. 
Kassel. 0. 
Oessentliche Erklärungen zweier Kasseler 
B ü h n e n m i t g l i e d e r. Wie vorsichtig in früheren 
Zeiten die Mitglieder der Kasseler Hofbühne in 
ihren Aeußerungen und Handlungen dem Publikum 
gegenüber sein mußten, davon geben zwei gedruckte 
Plakate Kenntniß, welche beide aus politisch be 
*) Zusätze der Redaktion. 
wegten Zeiten stammen. Das drstb, von einer 
Primadonna des kurfürstlichen Hofthealtrs her 
rührend, "hat' folgenden Wortlaül: 
„Mit tiefem Schmerze habe ich erfähtell, daß 
ich mir den Unwillen der hvchächGärbN'^ Biii'ger 
dieser Stadt durch einige Aeußerungen zugezogen 
habe, welche, dem Gespräch mit wenigen Bekannten 
bei ergriffenem Gefühl und in argloser Ziiversicht 
entfallen, unüberlegt und unziemlich seyn könnten, 
bei denen ich aber jede böse Absicht Ünd verletzende 
Gesinnung aus das Entschiedenste in Abrede stellen 
darf. Welche nachtheilige Deutung auch ben un- 
bedachtsamen Worten gegeben werden möge, für 
deren Sinn und Werth eine Frau einstehen soll, 
deren Berus und ganzes Streben ans den Beifall 
und das Wohlwollen eines von ihr so- hochverehrten 
Publikums begründet sind —, ich widerrufe sie 
öffentlich mit allen Gefühlen, welche die Genug 
thuung derer erheischen möchte, die ich zu erzürnen 
das Unglück gehabt haben soll, aber zugleich mit 
der tröstenden Hoffnung, daß ein Publikum, dessen 
Nachsicht ich so ost dankbar empfunden habe, mich 
auch seine Großmuth nicht vergebens in Anspruch 
nehmen lassen wird. Kassel, den 20. September 1830. 
Louise Roller-Schweizer, Kurfürstliche Hof- 
sängerin." 
Welche Aeußerung der Künstlerin diese öffentliche 
Erklärung nothwendig machte, ist leider nicht an 
gegeben, jedoch ist es wahrscheinlich, daß sie für 
die Gräfin Reichen b a ch Partei ergriffen hatte. 
Die bildschöne Louise Roller-Schweizer rnuß neben 
einem bedeutenden Stimmumfang aber auch ein 
böses „Schnittchen" gehabt haben, denn ein Jahr- 
später flüchtete sie aus Kassel, um der Volksrache 
zu entgehen, die ihr in bedenklicher Weise drohte, 
weil sie die Leistungen der unter Direktion eines 
Dilettanten stehende Janitscharenkapelle der Bürger 
wehr in einem Laden mit „Affenmnsik" ver 
glichen hatte. 
Der zweite in Rede stehende Anschlag besteht in 
einer von dem gefeierten Baritonisten Biberhoser 
in den stürmischen Tagen des Jahres 1848 ver 
öffentlichen Rechtfertigung welche lautet: 
„Wenn es überhaupt schon Niemand gleichgültig 
sein kann, in welcher Weise die öffentliche Stimme 
seine Handlungen beurtheilt, so ist dieses um so 
mehr bei einem Künstler der Fall, dessen schönster 
Ruhm in der Achtung des Publikums, und dessen 
höchstes Streben in der Erhaltung derselben besteht. 
Aus diesem Grunde sehe ich mich genöthigt, 
gewissen mir zu Ohren gekommenen Mißdeutungen 
gegenüber die Erklärung abzugeben, daß eine Be 
theiligung bei den in der Wilhelmshöher Allee 
stattgehabten Arrestationen von Seite der von mir 
geführten Schutzmannschaft meinerseits nur
	        

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