Full text: Hessenland (11.1897)

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Ganz nahe dabei liegt der einzige Ouellbrunnen 
des Orts, ebenfalls von hohem Alter. In der 
Nähe solcher Quellen fanden bekanntlich, da das 
Vorhandensein von Wasser zu den nothwendigsten 
Lebensbedingungen zählt, die ersten Ansiedelungen 
statt, zumal wenn ein heiliger Hain die Quelle 
umgab, in dem man dann seine Angehörigen 
zur gemeinsamen Ruhe bettete. 
Nach Begründung der römischen Niederlassungen 
zu Heddenheim und Vilbel führte der beide ver 
bindende Weg unweit davon vorbei. Es ist die 
sogenannte Weinstraße, offenbar die älteste von 
West nach Ost führende Straße des Orts; gleich 
zeitig der alte Weg von Mainz in die Wetterau 
und weiter, eine Fortsetzung der von Mainz nach 
dem vicus novus führenden Elisabethstraße. Im 
Mittelalter diente die Weinstraße als Haupt 
verkehrsweg zum Transport des rheinischen Weines 
in's Hessenland und darüber hinaus. Dem 
entsprechend führt sie schon in den ältesten Ur 
kunden ihren Namen. 
Da, wo sie die andere Hauptstraße des Orts, 
die von Frankfurt nach Homburg geht, schneidet, 
setzt sie sich als Viehweg, beziehungsweise als 
alte Vilbeler Straße in der Richtung auf Vilbel 
fort. Vielleicht dürfen wir in dieser Fortsetzung 
die alte Römerstraße erkennen. 
Da das Christenthum in der Römerzeit in 
unsrer Gegend neben dem von den Legionen aus 
dem Morgenland mitgebrachten Mithrasdienst 
sicher schon Eingang gefunden hat, so ist es nicht 
unmöglich, daß inmitten der Niederlassung des 
Brüning oder der Brüninger hart am Weg, ans 
der Stelle wo jetzt die Kirche steht, dem Christen 
gott eine Kapelle errichtet wurde, die aber sicher 
in dem Alemannensturm wieder zu Grunde ging. 
Aber nachdem die Franken sich des Dekumaten- 
landes bemächtigt und Chlodwig sein Haupt unter 
die Taufe gebeugt hatte, haben die christlichen 
Sendboten aus Irland, deren Führer der heilige 
Kilian war, das verfallene Kirchlein wohl wieder 
ausgebaut, so daß der Apostel der Hessen und 
Thüringer Winfried, genannt Bonisatius, 
bei uns bereits Christen und ein christliches 
Bethans antraf. Dies alles sind natürlich nur 
Vermuthungen, welche nicht urkundlich bewiesen 
werden können. 
Das Jahr, in welchem Preungesheim zuerst 
urkundlich vorkommt, ist das Jahr 772. In 
diesem Jahre schenkte ein Einwohner von Preunges 
heim mit Namen Husmert dem Kloster Lorsch 
seinen Besitz in pago Nitachgove in Briminges- 
heimen marca sowie 8 Leibeigene. Hieraus geht 
wenigstens soviel hervor, daß zu Bonisatius' 
Zeiten schon Christen in Preungesheim vorhanden 
waren. 
Die jetzige Kirche, mit dem Pfarrhaus an der 
alten Weinstraße gelegen, ist neuern Ursprungs, 
der viereckte Thurm dagegen mit seinen schmalen 
gothischen Fenstern ist sehr alt und scheint ur 
sprünglich den Chor der Kapelle gebildet zu haben. 
Noch deutlich erkennt man die Spuren des Kreuz 
gewölbes, welches erst im vorigen Jahrhundert 
herausgeschlagen worden ist. Jetzt steht er zur 
Seite des Kirchenschiffs. 
(Fortsetzung folgt.) 
Sein Sans. 
Hessische Erzählung von M. Herbert. 
den nüchterneil Beobachter ist es nichts als 
pr ein armes, in sich versunkenes, von Fort 
schritt und Kultur verächtlich über die Schultern 
allgesehenes Landstädtchen, — höchstens klebt 
ihm ein historisches Interesse an aus uralter 
Zeit der Kämpfe zwischen Römern und Chatten 
oder der des „Quinten". Aber es gehen 
auch so viele ältliche, wenig schöne, hart arbei 
tende Frauen herum, die niemand beachtet, und 
doch sind sie für einen oder mehrere Menschen 
„die Mutter", ehrwürdig wie keine andere schöne 
Frau auf Erden. So wird allch das Städtchen 
Spruch an einem hessischen Hause: Dies Haus ist mein und doch 
nicht mein. Wer nach mir kommt, bleibt auch nicht 
drein. Meine Wohnung soll im Himmel sein. 
von seinen Kindern geliebt als die „Heimath". 
Es hat wohl eine eigene Schönheit. 
Hoch aus seinem Hügelkranz steht in dichter 
Herrlichkeit hochstämmiger Buchenwald — licht 
grün im Frühling, schattig und friedlich dunkel 
in der grellen Hitze des Sommers, in feurigem 
Farbenspiel aufsprühend zur Herbstzeit. Im 
Thäte, das Städtlein durchschneidend, fluthet die 
schilfumstandene Fulda, sie spiegelt behaglich die 
hohen, breitgeästeten Erlen ihres Userdammes 
und die alten, geschwärzten Holzbauten, die sich 
zu ihr herandrängen. Zur Zeit der Hochstuth
	        

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