Full text: Hessenland (11.1897)

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Schutz der unter ihr liegenden Eisenhütten, wohl 
die Deckung der von Franken aus dem Werrathal 
zum Rennstieg führenden Straßen durch die 
Thäler der Schmalkalde und Stille, von denen 
die erstere mit ihrer Weiterführnng nach Tam 
bach so wichtig war, daß dort im Nesselgrund 
der Johanniterorden ein Hospiz zur Ausnahme 
der über den Wald ziehenden und von der Nacht 
überraschten Wanderer, den Nesselhof, anlegte, das 
bis in das 16. Jahrhundert wenn auch nur als 
Herberge in weltlichen Händen bestand. Auch 
der Name der Burg deutet auf ihr hohes Alter. 
Sie wird zwar in den Urkunden, nachdem die 
unter ihr liegende Stadt Schmalkalden die größere 
Bedeutung erhalten hatte, nach dieser das Schloß 
Schmalkalden genannt. Wir fittben sie aber von 
den Chronisten als Schloß Wallraff, Wall- 
rab und Wallus bezeichnet, also mit einem 
Namen, der mit der Stadt, die wiederum ihren 
Namen von dem vorbeiströmenden Fluß, der 
Schmalkalde, entlehnt hat, in keiner Weise zu 
sammenhängt. Da mm in der Herrschaft Schmal 
kalden fast ausnahmslos alle Orte ihre Bezeich- 
nungen von ihrer Lage am Wasser, am Berg 
oder im Wald erhalten haben und nur sehr 
wenige nach Personen genannt werden*), so ist 
nicht anzunehmen, daß die Burg ihren Flamen 
von ihrem etwaigen Erbauer, der vielleicht Wall- 
rab geheißen haben könnte, erhalten hat, da dieser 
gewiß seinem Namen einen Zusatz wie Burg, 
Stein u. dgl. gegeben haben würde, sondern daß 
die Burg nach ihrer Lage im Wald und am 
Wasser benannt worden ist. Walluf würde aus 
Waldaffa, d. h. Waldüach, entstanden und Wallraff 
oder Wallrab als eine Veränderung des ersten 
Namens anzusehen sein, und es würde dieser 
Name aus den ältesten Zeiten der germanischen 
und insbesondere der hessischen Ansiedelungen 
stammen. Unerklärlich bleibt es freilich dabei, 
welches Wasser zuerst diesen Namen geführt hätte. 
Da von den beiden einzigen in Betracht zu 
ziehenden Flüssen die Schmalkalde bereits 874 
unter diesem Namen erwähnt wird, so bliebe also 
nur übrig anzunehmen, daß die südlich des Schlosses 
vorbeifließende Stille in ihrem unteren Laufe den 
Namen Waldaffa geführt habe. Es würde sich 
dafür anführen lassen, daß der zum Schloß ge 
hörige Wirthschastshos, der jetzige Meierhof, im 
Stillerthal, gar nicht weit vom einstigen Bett 
der Stille steht, daß in der Herrschaft Schmal 
*) Ich folge hierbei Arnold's Werk über die An 
siedelungen und Wanderungen deutscher Stämme, insbe 
sondere nach hessischen Ortsnamen, Marburg 1875, wo 
das Erforderliche über die einzelnen Ortsnamen nachzu 
lesen ist. 
kalben verschiedene Flüsse an verschiedenen Stellen 
ihres Laufes abwechselnde Namen führen und daß 
auch das in das Lahnthal hineinschauende Schloß 
Marburg von der aus der anderen., Seite unter 
ihm vorbeifließenden Marbach seine Bezeichnung 
entlehnt hat, — aber mehr als Permuthungen 
lassen sich hierüber nicht aufstellen, und es muß 
uns genügen, daß das Schloß den Warnen geführt 
hat. 
Ganz klein muß die Burg nicht gewesen sein; 
denn hier übernachtete Ludwig II. der Heilige 
von Thüringen am 24. Juni 1227 vor seinem 
Kreuzzng mit seiner Gemahlin, der heiligen Elisa 
beth, und deren Kindern, von denen er hier 
Abschied nahm. Mag auch der größere Theil 
der Begleitung in der damals iwch sehr kleinen 
Stadt einquartiert gewesen sein oder auf dem 
Anger vor der Stadt gelagert haben, so muß 
das Schloß doch genügenden Raum geboten haben, 
um neben seinen regelmäßigen Bewohnern, dem 
Burgvogt und dessen Leuten, noch Raum für die 
gesammte landgräfliche Familie und deren nächste 
Umgebung zu gewähren. Auch residirte hier 
öfters der erste gefürstete Gras vousHenneberg, 
B er th old X., der vertraute Rathgeber und Reichs 
kanzler der Kaiser Heinrich VII. und Ludwig 
des Baiern, der Schwiegersohn Landgraf Hein 
richs des Kindes von Hessen (1284—1340), 
was auch nicht möglich gewesen wäre, wenn die 
Burg einen entsprechenden Raum nicht geboten 
hätte. Den neueren Ansprüchen Muß sie aber 
doch nicht mehr genügt haben; denn 1311 baute 
Berthold einen Bergsried, und 1340 nach Berthold's 
Tode ließ dessen Sohn und Nachfolger Heinrich VIII. 
die Burg erweitern und gänzlich ausbessern. 
1360 wurde zwischen den Häusern Hessen und 
Henneberg, den Eigenthümern des Schlosses, ein 
Burgfrieden errichtet, der 1413 erneuert wurde. 
Als Gesammtbesitz weniger gepflegt, wurde die 
Burg zwar 1517 nochmals ausgebessert, sah auch 
noch während der Schmalkalder Religionsversamm 
lungen glänzenden Besuch, ging aber immer mehr 
ihrem Untergang entgegen, so daß, als 1566 der 
Sturm eine der Giebelwände umwarf, niemand 
die Kosten zum Wiederaufbau anwenden wollte. 
Gehen wir nun zur Betrachtung der Burg 
über, so finden wir zunächst, daß eine Kapelle 
nicht in ihr vorhanden gewesen, als Schloßkapelle 
vielmehr eine der beiden unmittelbar vor der 
Burg nach der Stadt zu gelegenen Kapellen: zu 
S t. I ako bns an der Stelle der jetzigen Terrassen- 
Ausschüttung vor dem Schloß Wilhelmsburg. des 
sogenannten Exerzierplatzes, und zu St. Marien, 
etwas südlich von der erstgenannten Kapelle am 
steilen Bergabhang, etwa wo jetzt das Dienstge-
	        

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