Full text: Hessenland (11.1897)

M 9. 
XI. I-Hrz-««. Kassel, 1. Mal 1897. 
Die arme Seele. 
seufzt eine arme Seele 
jn ihrer Höllenpein: 
„Dürft ich noch einmal schauen 
Den Herzallerliebsten mein!" 
Ls seufzt die arme Seele, 
Ihr dünkt's manch' hundert Jahr, 
Bis daß die Zeit der Buße 
Endlich verronnen war. 
Ihr Schutzgeist nahet freudig 
Auf Klügeln weiß wie Schnee, — 
Er nimmt sie in die Arme, 
Zu heilen all' ihr D)eh'. 
Er spricht mit weichen Tönen: 
„Komm’, arme Seele du, 
Ich trage dich dem schönen, 
Dem goldnen Himmel zu." 
Die Seele spricht zum Engel, 
Der sie im Arme hält: 
„Ach, dürft' ich nur noch einmal 
Hinunter aus die D)elt. 
D)ill lausend Jahr noch dulden 
Die schlimme Höllenpein, 
Darf ich noch einmal schauen 
Den Herzallerliebsten mein." 
Des Engels Auge leuchtet 
In heil'gem Liebesstrahl. 
Er trägt die arme Seele 
Hinab in's Erdenthal. 
„Dort unter den grünen Linden, 
Da sind' ich meinen Schatz, 
Ich durft' ihn nimmer finden 
An diesem lieben Hllatz."
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.