Full text: Hessenland (11.1897)

die Verhältnisse haben >nich nach uub Nach unter j 
gekriegt, und die Arbeit hat mich allmählich ge- | 
tröstet, so habe ich mein Schicksal getragen und 
überwunden." 
Während dieser Erzählung der Tante hatte 
das junge Mädchen regungslos gesessen, mtb ihre 
Augen hatten starr vor Entsetzen und Theilnahme 
an den Lippen der Erzählenden gehangen. s Jhtu 
schmiegte sie sich dichter noch an Tantchen, und 
vor sich hinstarrend sagte sie fast tonlos: „Solcher 
Seelengröße, solchen selbstlosen Edelmuthes wäre 
ich nicht fähig. Mir würde die Kraft fehlen." 
Ernst und traurig entgegnete das alte Fräulein: 
„Wer sagt Dir, Kind, daß es nicht unausgesetzt 
meiner ganzen Willenskraft bedurfte, um hoch zu 
bleiben? Wer sagt Dir, daß ich nicht manche 
Nacht ans meinem Bette weinend gesessen und 
Gott um Kraft angefleht habe? Drum könnte 
zu jenem herrlichen tiefempfundenen Dichterworte: 
Anfangs wollt' ich fast verzagen, 
Und ich glaubt', ich trüg' es nie; 
Und ich hab' cs doch getragen. — 
Aber fragt mich nur nicht — Wie t 
Deine Tante mit all' ihrem Gingen recht gilt 
Modell gesessen haben." 
„Dlt arme Tante, wie magst Tu gekämpft und 
gelitten haben?! Die dazu nöthige Kraft wird 
aber gewiß nur selten einer Menschenseele ver 
liehen, mir könnte ich sie wirklich nicht zutrauen", 
seufzte Luise. „Indeß hier hast Dil meine Hand, 
mein liebes Tantchen, wie es sich auch zitln Guten 
oder Bösen wenden niag, ich will redlich kämpfen, 
mein armes Herz abzuhärten." 
(Fortsetzung folgt.) 
Die Keann eann 's Aast. 
(Wettcraucr Mundart.» 
Ach, Mechilche, läib Mechilche, 
Ei, hoill dr I doach Dein Sechilche! 
Jungk Heckelaab ecuut Kalwerkern 
Doas hun die junge Hoase gern. 
Ach, Bärwilche, läib Bärwilche, 
Tou brengst enu nach e ÄrwilcheH! 
Krainhüserchen hun fpetze Uhrn ch, 
Däi doun fchuhnd langt off Fourer luhru. 
— Met Reache, merrent Sechilche 
LüüfUs Bärwilche eanws Alechilche, 
Drahn Lüstercher eann Stall vhm Haus; 
D's Hüsi, doas taut Zoacker draus. 
— Ach, Mechilche, ach, Bärwilche, 
Ach langt eium uoach e Ärwilche, 
h Hole dir; h Aermchen voll; s ) spitze Ohren; heuer; 
JUto aller ux 
Die delttfche K okard e. Zum bleibendeit 
Aildeukeil au die schon verlaufene Ceutenar- Feier, 
die 100 jährige Geblirtstags - Feier des Kaisers 
Wilhelm I., ist vom regierenden Kaiser und den 
verbündeten deutschen Fiirstelt ein Zeichen von 
hohem Werthe gestiftet worden. Das ganze deutsche 
Heer trägt jetzt die deutsche Kokarde: fchwarz- 
weiß-roth. 
Dailn legtt nch nach all Z schwoarzer Hoas 
Die Uhstern Ajerchen eaitn's Groas. 
To nommt ihr Zwa e Kärbche, 
Die rühre fein ferr'fch Bürbche, 
Dm Mechilche eaß gühl eann bio — 
Ferr'fch Broirrerche") eaß aach uoach do. 
— Seaht all die goure Hoase 
Däi leje eann de Roase! 
„Ach —, garr?') die Klahn, die Annlisbett,— 
Ach, wann aich aach e Hüsi hätt!" 
Do saht ihr Älter 7 ): „Hihr mich, 
„De goure Keann nadirlich, 
Dean legt dr Hoas eann Goarte. 
Die bihse müsse woarte." 
Friedrich von Trais. 
’’) file's Brüderchen; h weinte; 7) Aeltcrmntter. 
d neuer Beit. 
Dies erinnert an einen denkwürdigen Dag in 
der Geschichte unserer Hauptstadt Kassel. Nach 
dem von der National-Versammlung zu Frank 
furt a. Ne. Erzherzog Johann von Oesterreich 
zum deutschen Reichsverweser ernannt worden 
war, erfolgte in allen ^ deutschen Bundesstaaten 
Huldigung für denselben. In Kassel gestaltete sich 
diese Feier, welcher Unterzeichneter als Altgenzeuge
	        

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