Full text: Hessenland (11.1897)

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sich damit trösten, daß: In nuignis voluisse sut 
<'sfc. (f$j erscheint anssallcnd, das; die damalige 
nene Lehre, unter der Ritterschaft in dem Lande 
eines katholischen geistlichen Landesherrn so viel Bei 
fall fand, und die von Hanstein die ersten waren, die 
der Neuerung des Wittenberger Mönches anhingen. 
Die Anregung hierzu geschah wohl hauptsächlich 
durch die Verbindung mit den benachbarten Lehns 
herren, dem von Brannschweig und besonders dem 
von Hessen. Als Anfangsjnhr der Reformation 
für die von Hanstein kann wohl das Jahr 1542 
gelten, an dessen 11. Mai Christian, der Sohn 
des Statthalters Christian, den Lehnseid an Fulda 
ohne Anrufung der „Heiligen" schwur, wahrend 
er dies 1534 noch in herkömmlicher Weise gethan 
hatte. Im Jahre 1554 erstand in Unterstem 
die erste evangelische Kapelle, die noch jetzt vor 
handen ist. Es war natürlich, daß bei den be 
kannten Grundsätzen ihrer Gerichtsherren, welche 
auch Lehnsherrn der Pfarreien und Kirche waren, 
die nene Lehre auch bei dem Volke Eingang fand. 
Außerdem lebte in Witzenhausen der Reformator 
Anton Corvin und lehrte daselbst. Die meisten 
der von Hanstein zeigten sich als eifrige Anhänger 
der Reformation, so Jobst von Hanstein, der 
Hofmeister Lippold, der in Gemeinschaft mit seiner 
hohen Herrin, der Herzogin Elisabeth von Braun 
schweig, dafür thätig war, und der Propst Bnrg- 
hard, der zum neuen Glauben übertrat. 
Wenn auch Erzbischof Albrecht, gest. 1545, 
anfangs Nachsicht geübt, so trat doch schon Kur 
fürst Sebastian schärfer auf, indem er die von 
Hanstein ermahnte, von der Neuerung abzustehen 
und nur katholische Pfarrherrn zu Präsentiren. 
Hieraufhin sprachen sich die Prediger, denen das 
Schreiben mitgetheilt war, fest und deutlich aus, 
daß sie ihre Lehre vor dem Richterstuhle des all 
mächtigen Gottes verantworten wollten, dazu 
hielten sie auch den ehelichen Stand, den Gott 
selbst eingesetzt, für gut und billig. Nach dem 
Tode des Kurfürsten Sebgstian im Jahre 1555 
mehrten sich die Bedrückungen von Seiten des 
Nachfolgers Daniel, des Beschützers der Jesuiten. 
24 Mitglieder der Ritterschaft sandten am 1. März 
1575 eine Beschwerdeschrift an den Kurfürsten, 
die aber am 21. März desselben Jahres ab- 
schlüglich beschieden wurde. Der Nachfolger 
Daniel's (gest. 1582) Wolsgang von Dal 
berg verfügte am 4. August 1585, daß die 
Ritterschaft für ihre Person und bei verschlossenen 
Thüren-nach ihrem Glaubensbekenntniß sich ver 
halten könne, den Gerichtsunterthanen könne er 
das Exercitium der Angsbnrgischen Konfession 
mcf)t gestatten. In vielen Bezirken wurde mit 
Gewalt vorgegangen itnb alle Proteste dagegen 
waren fruchtlos. Im Jahre 1600 hatten die 
Anhänger der römischen Kirche sowohl in Gerbers 
hausen als in Hohengandern die Kirchen wieder 
im . Besitz, in Hottenrode wurde dagegen noch, 
weil auf Braunschweigischem Gebiete, evangelischer 
Gottesdienst gehalten. Im Jahre 1631 besetzte 
der schwedische Oberstlientnant Georg von Uslar 
das Land, welches die folgenden Jahre im Besitze 
der Evangelischen blieb. Die Anhänger der neuen 
Lehre schöpften damals wieder Athem, aber noch 
vor Ende des Jahres 1635 sollte bei dem Ab 
züge alles wieder vergehen. Die Reaktion begann 
und bewirkte, daß alle Pfarreien, außer den an 
der Werra gelegenen, an katholische Priester 
kamen. Im Friedensvertrag vom 24. Oktober 
1648 blieb das Eichsseld dem Krnmmstabe 
zugetheilt. Es blieben nur noch 6 Dörfer itub 
Rittersitze bei ihrem evangelischen Bekenntnisse, 
die 15 übrigen aber mußten sich dem Papstthum 
wieder unterwerfen. 
Die schweren Kriegsläufe, die kirchlichen Wirren 
und die Gütervcrtheilnngen hatten oft Znsammen- 
künfte der Familienglieder nothwendig gemacht; diese 
wurden später dann ständig eingeführt und werden 
noch heute, jedesrnal am Freitag nach Pfingsten, 
unter Vorsitz des Familien-Aeltesten abgehalten:. 
Der 30jährige Krieg hat den von Han- 
stein'schen Besitzungen schwere Wunden geschlagen. 
Von den vor dessen Ausbruch vorhandenen mehr 
als 20 Rittersitzen der Familie wäre:: nach dessen 
Ende nur drei übrig, nämlich, wie die an den 
Thüren befindlichen Jahreszahlen beweisen, Unter- 
stein (1544), Werleshausen (1565) und Oberstein 
(1582), alle anderen, nämlich 2 in Ershausen, je 
1 in Wiesenfeld, Geismar, Schwobfeld, 3 ju 
Wahlhausen, 7 zu Bornhagen, je 1 zu Rothen 
bach, Rommerode und Besenhausen wäre:: zer 
stört, verbrannt oder so zerfallen, daß sie neu 
gebaut werden mußten. 
Nach bes letzten Kurfürsten von Mainz, 
Friedrich Karl Joseph's, Tode 1802 wurde das 
Eichsfeld zum Königreich Preußen gezogen, und 
nach einem siebenjährigen westfälischen Interregnum 
1813 wieder damit vereinigt. 
Die Lehngüter sind allodifizirt unb verkauft 
mit Ausnahme einiger wenigen im Hannoverschen. 
Außer diesen besteht das gemeinschaftliche Familien 
vermögen aus einigen Landgütern in Hofgeismar, 
Rengelrode und bei Heiligenstadt, einigen Grund 
stücken innerhalb der Burgmauern, unb in den 
aus den Ablösungen hervorgegangenen Geldern, 
welche als Stammgilt betrachtet werden. 
Der Herausgeber der Familiengeschichte „Ge 
schichte des Geschlechts der von Hanstein" schreibt 
in sehr bezeichilender Weise:
	        

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