Full text: Hessenland (11.1897)

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Geschichte der Anrg Honstein. 
s Jtsld) den vorhandenen Quellen von Adolph Feh. 
(Schluß.) 
^M^aspar's Sohn Lippold war Hofmeister der 
Jj| Herzogin Elisabeth von Brannschweig und 
starb ans Haustein oder Bornhagen im 
Jahre 1575. — 
Müssen wir es uns wegen des beschrankten 
Baumes versagen, a l l e bedeutenden Männer der 
Tystmiite auszuzählen, so dürfen wir doch noch die 
berühmten Kriegshelden der Lippold'fchen Linie 
keinesfalls übergehen. 
Es sind dies: 
1. Rudolf, geb. am 25. Septenlber 1661, 
gest. am 9. Juli 1720. Eine gedruckte Leichen 
rede des Pfarrers Joh. Mart. Rattermann, betitelt: 
„Serinon . . . die Freudigkeit im Tode, als der 
weyland Herr Rudolf v. H. auf Ober Ella, 
Mackenrode u. Bornhagen, Hochfürstl. Hesi.-Cass. 
General-Alajor, seelig eingeschlaffen, Eisenach 1721", 
geschmückt mit dessen Porträt in Kupferstich, 
giebt über seine Heldenthaten genauen Ausschluß. 
Er machte den französischen Feldzug von 1689 
mit, kämpfte ferner bei Benlv in den Riederlanden 
1702, bei Speyer 1703, bei Hochstedt 1701, in 
Brabant 1705, bei Eastiglione in Italien 1706 
und hat 1708 in den Niederlanden viele Festungen 
erobern helfen, auch in der Schlacht bei Malplaquet 
und bei Harlebeck 1711 Heldenmnth gezeigt. Er 
hinterließ keine männlichen Erben. 
2. Karl Erd mann, geb. 1727, gest. 1801. 
Auch er war frühzeitig in hessische Dienste getreten, 
hatte nach der „Hessischen Militärgeschichte" schon 
1789 ein eigenes Regiment, das seinen Namen 
führte, und den Feldzug 1792 gegen Frankreich 
mitmachte. Er kommandirte die hessischen Truppen 
1794 bei der Einnahme von Mainz und zog 
mit ihnen nach Flandern. Dort befehligte er die 
hessischen Garde-Grenadiere am 18. Mai bei 
Toureoin in ruhmvollster Weise. Der öster 
reichische Feldmarschall Kinsky sprach ihn: und 
beit Hessen seinen Dank aus, indem er am Schlüsse 
sagte: Ich werde es mir stets zur besonderen 
Ehre anrechnen, daß ich Augenzeuge der übrigens 
weltbekannten Standhaftigkeit uub Bravour der 
hessischen Truppen gewesen bin. Sogar voll 
gegnerischer Seite wird dies von „Jomini", 
V. S. '91 mit den Worten anerkannt: „Wie 
granitne Säulen standen diese beiden Re 
gimenter (Garde-Grenadier- und Leib-Regiment) 
bei Lannoy und Leers, während zwischen ihnen 
hindurch die Flnth der Flüchtlinge (Engländer 
und Qestcrreicher) sich verlies. Mitten in der 
Auslösung standen diese Hessen allein unerschüttert." 
Karl Erdmann starb 1801 als Generallientenant 
und Gouverneur von Kassel. 
Wir erwähnen noch als Militärs: Dietrich 
von Haustein, Generalmajor, Kommandant in 
Rinteln, gest. 1716, zu dessen Söhnen Landgraf 
Karl Pathe war: H a n s R e i n h a r d v. Haustein, 
kaiserl. General-Kommandant von Philippsburg, 
gest. 1719; Ernst Friedrich, kaiserl. Oberst 
lieutenant im 30 jähr. Kriege, gest. 1670; und 
als Staatsmann Karl Philipp Emil von 
Haustein, kurhesfischen Staatsminister, gest. 1861. 
Bon den Würdenträgern der Kirche zeichneten 
sich besonders ans: Ludwig, Thilo's Bruder. Er 
war Abt des Benediktinerklosters in Helmars- 
hausen und gelangte sogar 1515 zur Abtei 
Hersfeld, nachdem er seinen Mitbewerber, den 
Abt Hartmann von Fulda, der ihn durch Meuchel 
mord zu beseitigen getrachtet, siegreich überwunden 
hatte. In hohen Ehren stand auch W i l h e l m i n e 
Phil. Friderike von Hanstein, geb. 1769, als 
Aebtissin des Stiftes Obernkirchen, und Kaspar, 
als Domherr des Stifts Merseburg, gest. 1713. 
Ehe wir uns von dem Geschlechte der Hansteiner 
verabschieden, müssen wir in Kürze der kirchlichen 
Verhältnisse noch gedenken, die für das Geschlecht 
von Wichtigkeit waren. Im Anfange des 16. 
Jahrhunderts brachte die Reformation im Eichs 
feld und namentlich bei der Ritterschaft große 
Bewegung hervor. Die von Hanstein schloffen 
sich der lutherischen Kirche mit ganzer Ueberzeugung 
an. Mannhaft, wie wir sie im Felde mit dem 
Schwerte gesehen haben, traten sie mit Schrift 
lind Wort für ihren Glauben ein, den sie 
in erbittertem Kampf gegen die Kurie zu ver 
theidigen hatten, Schritt für Schritt mußte ihnen 
diese jede Position abringen. Der Erfolg war 
ihnen weniger hold, als im Felde, sie müssen
	        

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