Full text: Hessenland (11.1897)

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die hessischen Kohlenwerke. Bis der Landgraf 
die Regierung antrat, ruhte die für uns noch 
heute so wichtige Braunkohle unangetastet in 
ihren Lagern. Dem unermüdlichen Wirken des 
Allendorser Pfarrherrn Johann Rhenanus 
und seinen rastlosen Bemühungen, seinen Landes 
herrn für seine Pläne 51t gewinnen, ist es zu 
zuschreiben, daß dieser Industriezweig in's Leben 
gerufen wurde. 18 lange Jahre gingen dahin, 
ehe die von Rhenanus betriebenen Versuche endlich 
zum Ziel führten und es gelang, das Werk am 
M e i ß n e r zu erschließen. Hatte der Landgraf er 
matten wollen, so war er durch des Rhenanus uner 
schütterliche Ueberzeugung von dem guten Ausgang 
der Angelegenheit stets von Neuem wieder auf 
gerichtet und zum Ausharren bewogen worden. 
Der denkwürdige Tag, an welchem ein Stollen 
bau, auf den man schließlich gekommen war, zum 
Ziele führte, indem das Kohlenlager erreicht 
wurde, war der 11. April 1578. 
„Gleich als ob man im Meißner eine 
Wünschelruthegefunden hätte," — sagt Landau 
(a. a. O. S. 41) — „fand man mm rasch auf 
einander auch die meisten übrigen Lager unseres 
Landes." Schon 1579 begann auch das Kohlen 
werk auf dem Habichtswalde. Fernere Werke, 
wenn sie auch später zum Theil wieder eingingen, 
erstanden bei Zwehren, bei Elgershausen, 
bei der Fahre, bei Beltershausen in Ober- 
Hessen, im Schmalkaldischen, bei Lente 
rode im Amte Homberg, an der W a h l s b u r g bei 
Vernawahlshausen, bei Holz Hausen am Rein- 
hardswalde, bei Roßbach in der Nähe von Metzen 
hausen, am Hirschberg bei Großalmerode n. s. w. 
Die Wichtigkeit der Kohlen für den Gebrauch 
in der Küche und zum Heizen, zum Bierbranen, 
zum Kalk- und Ziegelbrennen, zum Schmieden, zum 
Salzsieden, in Glashütten und zum Erzschmelzen 
wurde durch fortgesetzte Versuche festgestellt. 
Die Versuche, sich der Kohlen zum Zwecke der 
Benutzung zur Glasbereitung zu bedienen, schei 
terten anfangs völlig, obwohl der Landgraf auf 
das Gelingen einen Preis von 200 Thalern ge 
setzt hatte. Erst dem Baumeister Müller 
gelang es, die Wünsche des Landgrafen zu ver 
wirklichen, dadurch, daß er auf den Gedanken 
kam, die Kohlen zu dörren. Das Dörren führte 
bald zum Verkohlen, dies nannte man Purgiren, 
wodurch die Kohlen auf ein Fünftel ihres Gewichts 
gebracht wurden. So ist also nicht nur die Er 
findung des Kohlendörrens, sondern auch die des 
Koaks eine hessische. 
Die schon erwähnten Glashütten, die von 
Alters her in Hessen zahlreich vorhanden waren 
und mit denen am Harz, auf dem Eichsfelde, 
in Thüringen und am Spessart eine große Zunft 
bildeten, deren Hanptzunststätte seit 1537 Groß 
almerode war, vermehrten sich unter Landgraf 
Wilhelm bedeutend, vorzüglich im Kaufunger 
Walde, wo in den Jahren 1558—1565 deren 
16 bestanden. Diese lieferten sämmtlich nur 
gewöhnliches Glas, während das theuere Glas 
aus Böhmeil und Italien (Venedig) bezogen 
wurde. Landgraf Wilhelm versuchte auch dies 
letztere im Lande selbst herzustellen und errichtete 
zu dem Zwecke 1583 im Weißen Hofe zu 
Kassel eine Hütte zur Fabrikation von Krystall 
glas, die sich leider aber nur dreiviertel Jahre 
halten konnte. 
Wenn die Nachfolger Philipp's des Groß 
müthigen mit ihm selbst so auf die Hebung des 
Berg- und Hüttenwesens bedacht waren, hatten 
sie freilich auch ihren eigenen Nutzen im Auge, 
wie denn Landgraf Philipp in der bereits an 
gezogenen Ordnung von 1536 angeordnet hatte, 
daß dem Landesherrn bei dem Bau auf Kupfer 
der zehnte Zeiltner zustehen solle, bei dem Bau 
auf jedes andere Metall aber die zehnte Mark, so 
war ihr Vortheil doch unbedingt mit dem des 
Landes verknüpft, für dessen Bewohner das Auf 
blühen dieser Werke immer eine nicht unerhebliche 
Vermehrung der Arbeitsgelegenheit besagte. 
Im Einklang mit den im übrigen Deutschland, 
wo ^Bergbau bestand, z. B. im Mansfeldischen, 
in Sachsen und Brannschweig bestehenden Ein 
richtungen genossen die Bergleute auch in Hessen 
nicht unerhebliche Vorrechte, die sie fast wie einen 
eigenen Staat im Staate erscheinen ließen, um 
sie so an ihren mühsamen und gefährlichen, aber 
weniger einträglichen Berns zu fesseln. 
Bei Betrachtung dieser Vorrechte der Berg 
arbeiter in Hessen, die dem die Verwaltung der 
Berg-, Hammer- und Hüttenwerke führenden Ber g- 
koll egium unterstellt waren, bis dieses unter Land 
graf Friedrich II. durch Erlaß vom 27. August 1773 
aufgelöst und mit der Kriegs- und Do- 
mainenkammer vereinigt wurde, werden wir 
über die Zeit der Landgrafen Wilhelm IV. und 
Moritz weit hinausgehen müssen, sind doch außer 
ans den Jahren 1536, 1543, 1584, 1617, land 
gräfliche Verordnungen und Verfügungen der 
Behörde von 1652, 1676, 1679, 1687, 1691, 
1701, 1702, 1706, 1707, 1726, 1747, 1749, 
1752, 1753, 1782 und 1786, also vornehmlich 
solche aus der Zeit der Landgrafen Karl, Frie 
drich I., Wilhelm VIII. und Friedrich II., heran 
zuziehen. Schon das Vorhandensein so häufiger 
Verfügungen beweist das Interesse, welches die 
Landgrafen fortwährend an den Berg- itrtb 
Hüttenwerken und deren Betrieb zeigten.
	        

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