Full text: Hessenland (10.1896)

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Bert von Bremen und Werner) pro rege im- 
peritabant“, und giebt ihm kein gutes Leu 
mundszeugniß; freilich Pflegt dieser Geschicht 
schreiber da, wo seine eigenen (die klösterlichen) 
Interessen berührt werden, und das ist hier der Fall, 
nicht immer sachlich zu bleiben. Dieser Werner 
wurde 1066 zu Ingelheim in einem Handgemenge 
von Männern, oder wie andere sagen, von einem 
Weibe (a femina saltatrice clava percussus), 
erschlagen. Hier haben wir unstreitig den Vater 
unseres Grafen. Sonderbar wäre es, wenn 
gleichzeitig in Hessen zwei Grafengeschlechter, deren 
letzte Sprossen beide mit Giselen vermählt, er 
loschen wären, vielmehr ist es wohl sicher, daß 
dies nur ein einziges, und zwar das seit min 
destens vier Generationen in Hessen ansässige 
Geschlecht gewesen ist, das höchst wahrscheinlich 
als die Salisch-Wormsische Linie Werner im 
10. Jahrhundert vom Rhein herübergekommen ist.*) 
Dichtung und Sage haben nicht verabsäumt, 
an die Gründung des Klosters Breitenau anzu 
knüpfen. Die Landesbibliothek besitzt in Hand 
schrift ein von einem Mönche etwa 1520 verfaßtes, 
von Landau in den „Malerischen Ansichten 
von Hessen", S. 49 ff. abgedrucktes Lied über 
die Gründung, das von I. Pistor in seiner Unter 
suchung über den Chronisten Ruhn erwähnt wird. 
Der Titel ist: „Newes Gedicht von dem Uffkommen 
des elosters Breidenaw". Nach einer Sage soll 
Graf Werner von seiner hohen Burg bei Holz 
hausen oder Haidorf allnächtlich über dem grünen 
Bergkessel, wo sich Eder und Fulda vereinigt, 
einen Glanz wie von sieben Lichtern und himmlischen 
Gestalten gesehen haben. Dies betrachtete er als 
ein ihm von Gott gegebenes Gebot zur Errichtung 
eines Klosters. Eine andere Sage läßt einen dort 
hausenden Riesen an den frommen Gesängen, 
die früh und spät aus dem Thale heraufklangen, 
Anstoß nehmen, so daß er die Behausung der 
frommen Männer durch herabgeschleuderter Fels 
stücke zu zerschmettern sucht. Nach einer Ueber 
lieferung verhindern dies die im Wege stehenden 
Eichen, nach der andern der Erzengel Michael, 
welcher den Felsstücken hemmend entgegentritt. — 
Aus den ersten Abt Drutwin folgte 1132 wieder 
ein solcher aus Hirsau, mit Namen Heinrich. Er 
wurde wegen der Wunder, die er vollbrachte, als 
Heiliger verehrt. Durch werthvolle Reliquien, wie 
den von ihm aufgefundenen Kopf des Märtyrers 
Felix und vier Leiber von den Elftausend'Jung 
frauen, die ihm von Erzbischof Arnold von 
*) Meyer von Knonau, Jahrbücher des Deutschen 
Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V., Th. I, 
Anm. 177, S. 485 f. 
Köln 1142 überlassen wurden, wußte er das 
Ansehen und dadurch natürlich auch die Güter 
des Klosters bedeutend zu mehren. Wie weit 
verbreitet sein Ruf und der des Klosters war, 
erhellt auch aus folgender Begebenheit. Abt 
Rupert von Limburg enthielt sich, durch göttliche 
Offenbarung nach seiner Angabe dazu veranlaßt, 
aller von lebenden Wesen herrührenden Speisen, 
sowie jedes Getränkes außer Wassers und war 
für die Verbreitung seiner Lehre in der Diözese 
eifrig bemüht. Die Sache erregte Aufsehen, sodaß 
sein Vorgesetzter, Bischof Arnold von Speyer, ihn 
zu öffentlichem Verhör vor sich lud, ihn aber trotz 
aller Redekünste nicht zu bekehren vermochte. Er 
schickte ihn nach Breitenau zu Abt Heinrich, in 
zuversichtlicher Hoffnung, daß es diesem besser 
gelingen würde; aber selbst dieser kam nicht da 
mit zu Stande. — (Die Konversationslexika — 
Brockhaus, Meyer — geben I. Newton im Jahre 
1811 als ersten Apostel der Vegetarier an, 
in Rupert finden wir aber schon sieben Jahr 
hunderte früher einen Vorgänger, der mit allem 
Feuer der Ueberzeugung in Wort und Schrift 
für diese Lehre aufgetreten ist. Wir halten es 
für unsere Pflicht, diesen Irrthum zu berichtigen 
und verweisen zur Bekräftigung unserer Aussage 
auf Trithemii Annales I, S. 380.) Um die 
Zeit des Abtes Heinrich beherbergte das Kloster 
unter seinen Insassen einen Mann aus besonders 
vornehmem und angesehenem Geschlecht, einen 
Grafen von Schönberg, der sich wohl schwerlich 
dazu entschlossen haben würde, gerade dort die 
Kutte zu tragen, wenn sich das Kloster nicht 
eben damals einer hohen Bedeutung zu erfreuen 
gehabt hätte. 
Die Namen der folgenden Aebte ergeben sich aus 
den Urkunden, es sind: Giso 1215—31, Widekind 
1239, Sifrid 1255, Mefrid 1263, Heinrich 1268, 
Bodo 1289—94, Johannes 1295, Sifrid 1307—9, 
Wernher 1314 — 39 (nicht 1338, wie Schm in cke 
angiebt), Heinrich von Waldenstein 1346—48, Rein 
hard 1355—68, Johannes von Wolfershausen 1377, 
Hermann von Gilsa 1383—1403, Heinrich von 
Wolfershausen 1411—14, Hermann 1416, Wer 
ner 1419, Konrad von Hirzenrode 1436—38, 
Kurt Platzfuß 1439 (den Schmincke nicht er 
wähnt, er kommt in einer Urkunde als Oberster 
des Konvents vor), Hermann von Slutginsdorff 
1440—43, Johannes Gossel 1447—59, Nikolaus 
Ratzenberge 1464—70, Dithmar Utershausen 
1471, Johannes Stören 1485—88, Konrad 
1494, Nikolaus 1499, Johannes Meyer 1497 
bis 1527 (nicht 1524, wie Schmincke irrig 
ansetzt). (Fortsetzung folgt.)
	        

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