Full text: Hessenland (10.1896)

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strengster Observanz stand. Abt Bruno sandte ihn: 
am 17. Noveniber 1119 bereitwillig 13 Mönche, 
von denen Drutwin zum Abt erwählt wurde. 
Graf Werner starb noch vor völliger Vollendung 
des Baues am 21. Februar 1121 und wurde 
im Chor der neuen Kirche begraben. Um das 
fernere Gedeihen besorgt, hatte er vorher seinen 
treuen Vasallen Engelbold mit der weiteren Aus 
führung seiner Stiftung beauftragt. Dieser 
übergab in Gemeinschaft mit der Wittwe des 
Grafen, Gisela, die erst 1155 starb, und dem 
Abte das Kloster mit allem Zubehör dem heiligen 
Martin von Mainz. Erzbischof Adalbert nahm 
die Schenkung an und bestätigte 1123 die 
Stiftung unter Verleihung mehrerer Privilegien. 
Hierüber besitzen wir die Urkunde von 1123, 
die uns aber leider über die Person des Stifters 
nicht vollkommen aufklärt, sie nennt ihn nur den 
Grasen Werner und sagt aus, daß derselbe sein 
ganzes Patrimonium zwischen Rhein, Main und 
Die Klosterkirche >u Lreitenau in ihrer heutigen Gestalt. 
(Nach einer dem „Hessenland" von befreundeter Seite gütigst zur Verfügung gestellten Photographie.) 
Werra zur Ausstattung gegeben. Alle hessischen 
Chroniken, wie die von Lanze, Dilich und 
Winkelmann, ja selbst die schwäbischen Ge 
schichtsschreiber fügen dem hinzu, daß dieser Gras 
Werner von schwäbischer Abkunft sei, nennen ihn 
Graf Werner von Grüningen (Neckargröningen im 
Oberamt Ludwigsburg) und berichten von ihm, 
daß er durch besondere Gnade des Kaisers Hein 
rich V. in Besitz der ganzen Gegend gekommen 
sei. Diese Annahme erscheint uns irrig. Eine 
Umschau in älteren hessischen Geschichtsquellen 
ergiebt nämlich mit voller Gewißheit, daß schon 
im 11. Jahrhundert ein altes reich begütertes 
Grafengeschlecht, dessen Glieder alle den Namen 
Werner führten, in Hessen existirte. Sie waren 
im Besitz der Gegend von Kassel, bei Gießen 
und Homberg a. O., zudem Schutzherrn der 
Stifte zu Fritzlar und Kaufungen. Der Jüngste 
von ihnen, der ebenfalls eine Gisela zur Gattin 
hatte, starb kinderlos. Von seiner Mutter 
Williburg, einer geborenen Gräfin von Achalm, 
hatte er Güter in Schwaben, vielleicht auch 
Grüningen geerbt, daher wurde ihm, wie dies 
in Schwaben üblich, dieser Titel zu Theil. Wir 
finden nirgends Erwähnung von einem Günst 
ling des Kaisers Heinrich V. mit Namen Wer 
ner, wohl aber von einem solchen des Kaisers 
Heinrich IV., denn Lambert von Hersfeld sagt 
von ihm: „Secundas post eum partes agebat 
Wernlieri comes. . . Hi duo (Erzbischof Adal-
	        

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