Full text: Hessenland (10.1896)

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Ja £laf' nur immer, arger Schelm, 
Mnd freue Aich des Sieges! 
Wald naht im glänzend gold'nen Keim 
Die Königin des Krieges: 
Heharnifcht zieht Iran Sonn' heran, 
Will ihren Liebling rächen, 
Sie sucht den bösen Wintersmann 
Mit scharfem Strahl zu stechen. 
Da flieht der Zeige heulend fort 
Du seinem Eispaläste: 
Wei Deinem Ireund, dem kalten Word, 
Da sitz' und frier' und faste! — 
—— 
Aus aff er und ueuer Zeit. 
ein Theil davon ein. Wie es aber so Knabenart 
ist, begannen sich die drei bald neckend mit den 
runden Früchten zu werfen. In kurzer Frist 
waren denn alle wieder fort. Nur dem ärmsten 
der Knaben blieb hier und da eine der Knotten 
in seiner rauhen Strumpsmütze hängen. Wie 
wunderte er sich, als sie zu Hanse beim Abnehmen 
der Mütze mit hellem Klingen als blanke Gold 
füchse zur Erde fielen. Alle Noth in der kleinen 
Hütte war nun zu Ende. 
Ein ander Mal kam ein Lichtenauer Bürger 
spät Abends am Schlosse vorbei. Auch er sah 
ein großes Laken ausgebreitet mit prächtigen 
Weizenkörnern, die selbst im Mondlicht goldig 
schimmerten. Kopfschüttelnd nahm er sich eine 
Tasche voll mit, um sie daheim auch seiner Fra» 
zu zeigen. Unterwegs kamen ihm die Körner 
freilich ganz ungewöhnlich schwer vor. llm so 
freudiger war er überrascht, als er sie zu Hause 
hervorholte. Statt des Weizens erblickte er lauter 
vollwichtige Louisd'or in seiner Hand. Sehr bald 
war unser wackerer Bürger nun ein reicher Mann. 
So oft er aber auch noch beim Schlosse vorüber 
ging und eifrig nach dem Laken spähte, gesehen 
hat er es nicht wieder. 
2. Der schwarze Pudel. 
Ein zweiter Geist geht in Gestalt eines schwarzen 
Pudels am Schloßberge um. Er ist erst von 
den Jesuiten hierher verbannt worden. Wie das 
zuging, wird folgendermaßen erzählt. 
Vor vielen hundert Jahren sprengten auf der 
großen Leipziger Heerstraße eines Tages zwei 
finstere Reiter auf kvhlpechrabenschwarzen Rossen 
in das Dorf Küchen. Zwischen sich führten sie 
Sagrn und Erzählungen vom Ueichenbacher 
Schloßberg. 
1. Die Schloßjungfrau. 
Wenn der Vollmond mit seinem gespenstigen 
Lichte die Trümmer des Reichenbacher Schlosses 
so recht hell bescheint, dann regt es sich geheim 
nißvoll um beu murmelnden Brunnen (Jungfern 
born) am Bergeshang, zwischen den Bäumen 
leuchten weiße Nebelschleier auf, langsam ziehen 
sie zur Schloßwiese empor, dichter und dichter 
wird ihr Gebilde, plötzlich, ehe man sich's versieht, 
steht eine wunderbar schöne Jungfrau aus dem 
grünen Plane. Hier breitet sie nun große weiße 
Laken aus itttb dörrt int bleichen Mondenlicht 
ihre Flachsknotten, zuweilen auch Gerste und 
Waizen. Geschäftig wallt sie auf und ab, die 
Knotten zu wenden und freut sich, wenn sie recht 
klengen und knittern. Der einsame Wanderer hört 
dann wohl zuweilen ihr silberhelles Lachen, aber 
nur Sonntagskindern mit reinem und frommem 
Gemüth zeigt sich die Jungfrau selbst. Immer 
hat sie es jedoch gern, wenn Vorübergehende ihre 
Knotten nnd Körner, die viel, viel größer und 
schöner als die der Menschen sind, bewundern und 
sich vielleicht eine Hand voll davon mitnehmen. 
Regelmäßig verwandeln sich dann diese Proben, — 
die ja eigentlich die versunkenen Schätze der Burg 
darstellen —, wieder in Gold und bringen ihren 
Besitzern Glück und Segen. 
So gingen einst drei Knaben aus dem Dorfe 
an der Wiese vorbei. Sie hatten sich verspätet 
ltitb staunten nicht wenig, zur Nachtzeit noch Lakelt 
mit Knotten hier zu finden. Jeder steckte sich 
gin rnarrnes Hröpflein schickt geschwind 
gtrau Sonne ab als Woten: 
„In's Gartenbeet enteil', mein Kind, 
Wnd weck' den theuren Hodten!" 
Erfahrung hat ihn schlau gemacht; 
Der Lenz streckt erst die Innger 
Kernor aus seiner Grabesnacht, 
Die zarten, weißen Dinger — 
Schneeglöckchen nennt sie alle Welt —. 
Will ihm die Luft gefallen. 
Dann sieht er auf. Durch Wald und Ield 
Kört feine Lieder haken!
	        

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