Full text: Hessenland (10.1896)

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Biberer Silber, manchmal (1774, 77 und 89) 
kommen beide Schreibweisen ans Thalern des 
selben Jahrganges vor. 
III. Kessen-Aarmstadt. 
A. Gold. 
Bekannter als das Edergold ist das Rheingold, 
und in der That hat auch Hessen früher zwischen 
Gernsheim und Stvckstadt Gold aus dem Rheine 
gewonnen, allerdings in so geringen Mengen, daß 
es kaum lohnte, sie zu Prägungen aus Rhein- 
gold aufzusammeln. In einem Gießener Ver- 
steigerungsverzeichniß von 1811 wird als Unikum 
ein 1793 von Ludwig X. (1790 - 1806) in 
Rheingold geprägter Konventionsthaler, gegen 12 
Dukaten schwer, angeführt. Bekannt ist dagegen 
von 1835 ein goldenes Fünfguldenstück des Groß 
herzogs*) Ludwig II. (1830—48) mit der In 
schrift : Ans Hess. Rhein Gold 22 K. 6 G. 
B. Silber. 
Im Jahre 1695 wurden bei Roth (Kreis 
Biedenkopf) im oberen Breidenbacher Grunde, das 
1866 durch Austausch an Preußen gekoinnien ist, 
Silbergänge entdeckt. Der regierende Landgraf 
Ernst Ludwig (1678—1739) ließ aus den ersten 
4 Zentnern Erz das Silber ausscheiden, und es 
ergaben sich 15 Mark, also 7 Pfund (1^4 "/<,). 
Die erste Grube, die mau anlegte, nannte inan 
Gottesgabe. Alsbald wurden 1696 Thaler ge 
prägt mit der Inschrift: So Blicken Die Erst 
linge Des Seegens Herfur und der Randschrift: 
Solche Brächte Gibt Die Rother Gottes Gab. 
Desgleichen prägte inan halbe Thaler, theils mit, 
theils ohne Randschrist, und letztere (ohne Rand- 
schrift) wurden auch in Kupfer und in Blei ab 
geschlagen. Das Bergwerk blieb bis 1825 in 
Thätigkeit. 
C. Kupfer. 
Die Jtterthaler gehören eigentlich nicht hierher, 
da die im Jahre 1842 eingegangenen Gruben 
von Thalitter bei Böhl, der 1866 an Preußen 
gelangten darmstädtischen Enklave, Kupfergruben 
sind. Somit hätten wir es nicht mit Ausbeute- 
münzen zu thun, da diese Thaler demnach nicht 
aus dem Metall der Werke, auf die sich ihre In 
schriften beziehen, geprägt wurden. Immerhin 
sind sie den Ausbeutemünzen verwandt und mögen 
daher hier Erwähnung finden. Die Gruben der 
Herrschaft Itter sollen schon vor dem dreißig 
jährigen Kriege abgebaut worden sein. Jedenfalls 
stellte man den Bau später ein und nahm ihn 
erst 1709 wieder auf. Zur Aufinunterung der 
Bergleute ließ dann Ernst Ludwig (1678—1739) 
im Jahre 1714 die sogenannten Jtterthaler prägen. 
Sie zeigen die Inschrift: Gott Hat Seinen 
Reichen Segen Itter In Dich Wollen Legen. 
Ihnen folgte 1715 eine (auch in Kupfer ab 
geschlagene) Medaille mit der Inschrift: Metalli- 
fodinae Itterenses Primordia Coepere. Ao. 
MDCCIX Refvsis Expensis Decimas Dedere. 
Ao. MDCCXIY, sowie weitere Jtterthaler mit 
den Inschriften: Edle Adern Reiche Gaenge. 
Dauern Durch Gott In Die Laenge. und: Herr 
In Diesen Tiefen Gründen Laest Sich Reicher 
Seegen Finden., endlich 1718 eine in Kupfer 
und in Blei geprägte Medaille: Zvm Gedächt- 
niss Der Glücklich Getroffenen Vereinigvng 
Aller Grvben In Der H. (d. h. Herrschaft) Itter. 
Sammler hessischer Münzen pflegen auch die 
westfälischen Prägungen des Königs Hieronymus 
Napoleon (1807—13) zu berücksichtigen. So 
möge denn als Anhang noch erwähnt werden, daß 
wir von ihm aus dem Jahr 1811 einen Ans- 
beutethaler kennen, der die Inschrift: Seegen des 
Mansfelder Bergbaues trägt. 
In den „Jahresheften des Vereins für vater 
ländische Naturkunde in Württemberg" veröffent 
lichte Professor Dr. Nies in Hohenheim 1893 
einen Aussatz: Ueber Müuzmetalle und sogenannte 
Ausbeutemünzen. Er sollte die Einleitung zu 
einer Reihe von weiteren Aufsätzen bilden, in 
denen die Ausbeutemünzen verschiedener, vielleicht 
aller deutschen Länder und Oesterreich-Ungarns 
besprochen werden sollten. Ich hatte dem Ver 
fasser daher nach dem Erscheinen des einleitenden 
Aufsatzes einiges bescheidene Material über Hessen 
mitgetheilt, und er hatte es freundlich entgegen 
genommen. Aber ich wartete vergebens auf die 
Fortsetzungen; denn der in mineralogischen Fach 
kreisen angesehene Forscher, der auch zu Hessen 
verwandtschaftliche Beziehungen hatte, ist, wie ich 
höre, vor einiger Zeit gestorben. Danach glaube 
ich meine Zusammenstellungen selbst veröffentlichen 
zu dürfen. 
*) Oder vielmehr Grosherzogs, wie es nmtlich auf den 
Geldstücken von Heffen-Darmstadt und Baden heißt.
	        

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