Full text: Hessenland (10.1896)

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die feierliche Einweihung der dort aufgestellten 
Büste des verstorbenen Geheimen Medizinalraths 
Dr. Külz, verbunden mit einer akademischen Ge 
dächtnißfeier für den verstorbenen Gelehrten, statt. 
Die Büste, welche sich in einem besonders einge 
meißelten Spitzbogen auf einer Nosettenkonsole 
erhebt, ist eine Arbeit des Bildhauers Begas in 
Kassel. — In der medizinischen Fakultät zu 
Marburg habilitirte sich Dr. Angelo Knorr, 
Assistent des Geheimen Raths Dr. Behring. — 
Am 10. Februar verstarb zu Marburg der Honorar 
professor in der medizinischen Fakultät daselbst. 
Geheimer Medizinalrath Dr. Guido Richard 
Wagen er, geboren zu Berlin am 28. Mai 1822, 
1867 als außerordentlicher Professor nach Mar 
burg berufen, ein tüchtiger Anatom, der auch 
schriftstellerisch mehrfach hervorgetreten ist. Außer 
dem erfreute sich Professor Wagener des Rufes 
eines feinsinnigen Violinspielers. Er besaß eine 
überaus reichhaltige Sammlung handschriftlicher 
Kompositionen berühmter Meister. 
Im Anfang des Wintersemesters wurde, wie 
aus S. 293 in Nr. 21 des vorigen Jahrganges 
berichtet ist, der Geh. Medizinalrath Professor 
Dr. König, der bekannte Chirurg, aus Göttingen 
als Leiter der Charite nach Berlin berufen. In 
der ersten Sitzung, in der er die ihm unterstellten 
Sanitätsbeamten mit seinen Absichten und An 
ordnungen bekannt machte, begründete er die Un 
wandelbarkeit seiner Direktiven und Entschlüsse 
damit, daß er ein geborener Kurhesse sei. 
Todesfälle. Am 10. Februar entschlief zu 
Rinteln nach kurzem, aber schwerem Leiden der 
Prorektor a. D. Dr. Hugo Sucht er im fast 
vollendeten 76. Lebensjahre. Geboren zu Karls 
hafen, Sohn des dortigen Kaufmanns Henri 
Soisjuste Suchier, besuchte Suchier das Gym 
nasium in Rinteln und hernach von 1840—1844 
die Universität zu Marburg, wo er dem Corps 
Guestphalia angehörte, dessen Senior er zeitweise war. 
Er war nach vollendetem akademischen Studium 
zuerst Praktikant am Kasseler Gymnasium, hatte 
dann eine Privatschule in Hofgeismar, wurde 
später an das Gymnasium in Hersseld und 1859 
an das in Rinteln versetzt. 1889 trat er in den 
Ruhestand. Außer seiner Doktorarbeit Do Diana 
Drauronia verfaßte der Verstorbene verschiedene 
werthvolle Programm-Abhandlungen, unter denen 
folgende besonders hervorgehoben seien: Bericht 
über einige ältere Drucke der Gymnasialbibliothek. 
— Statuta, leges et privilegia Universitatis 
Rinteliensis. — Ueber die ethische Bedeutung der 
sophokleischen Elektra. — De dicendi genere quo 
Apollonius Rhodius in Argonauticis usus est. — 
De Zosimi et Eusebii in Constantini Magni 
rebus exponendis fide et auctoritate. — Qualem 
Eusebius Constantinum Magnum adumbraverit, 
paucis exponitur. — Der Dahingeschiedene galt 
in Fachkreisen für einen Philologen von außer 
ordentlich umfassenden Wissen und erfreute sich 
allgemein großer Hochachtung und Verehrung. 
Möge ihm die Erde leicht sein! — Am 7. Januar 
verschied plötzlich in Newyork Joseph Mosen 
thal, einer der ältesten deutsch - amerikanischen 
Musiker, geboren am 30. November 1834 in 
Kassel, ein Schüler von Louis Spohr, seit 1853 
in Newyork, wo er als Organist, Chordirigent und 
Musiklehrer bedeutenden Ruf hatte. In den letzten 
Jahren widmete er sich ganz dem Musikunterricht 
und der Leitung seines Gesangvereins, des 
„Mendelssohn Glee Clubs". Mosenthal 
war ein wackerer, kenntnißreicher Mann, der all 
gemeine Achtung genoß. 
Kessrsche Wüchevschcru. 
Heimatkunde. Kreis Frankenberg. Von 
Rektor Schenk. Frankenberg (F. Kahm) 
1894. 80. 256 S. 
Wir begegnen hier zum ersten Male dem Ver 
such, einen Kreis unseres engeren Heimathlandes 
nach jeder Richtung hin umfassend und eingehend 
landeskundlich zu behandeln. Wir dürfen sagen, 
daß der Versuch trefflich gelungen ist, denn was 
der Wißbegierige auch über den Frankenberger 
Kreis erfahren möchte, er findet in diesem Werkchen 
erwünschten Aufschluß. Um einen Ueberblick über 
den Inhalt zu geben, lassen wir die sieben Kapitel, 
in die es eingetheilt ist, hier selbst Rede stehen. 
Nach einer kurzen Einleitung werden zuerst die Be 
standtheile des Kreises ausgezählt; in drei weiteren 
Kapiteln (Bodengestaltung und Bewässerung — Geo- 
gnosie und Orographie — Klimatische Verhältnisse) 
wird die Physische Beschaffenheit des Kreises dar 
gelegt. Das fünfte Kapitel giebt reichen Aufschluß 
über die Bevölkerung, zugleich nach allen Richtungen 
hin geschichtliche Ausblicke eröffnend. Es folgt 
dann ein Kapitel über die ausgegangenen und 
wüsten Ortschaften und die ehemaligen Befestigungen; 
das letzte behandelt die jetzigen Wohnstätten des 
Kreises. Die erst seit dem Jahre 1866 zu dem 
Kreise Frankenberg geschlagene Herrschaft Itter,
	        

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