Full text: Hessenland (10.1896)

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100 Pferden in dem Lager und dem daran 
stoßenden Flecken Boom zurückzubleiben und 
alles so vorzukehren, daß dieser Abmarsch dem 
Feinde verborgen gehalten werden möchte. Ich 
hatte das Glück, zu dieser Verrichtung durch 
Wahl gedachten Rittmeisters mit zugezogen zu 
werden, und ich machte mir ein Vergnügen daraus." 
Führer erwähnt bei dieser Gelegenheit, daß 
bei dem Abmarsch des Corps aus Boom die 
Artillerie „schlecht bespannt gewesen und übel 
transportiret" worden sei. Deshalb habe er, als 
ihm später auf dem Wege nach Antwerpen einige 
mit Fachinen beladene Wagen, die für Boom 
bestimmt waren, begegnet seien, sofort angeordnet, 
daß sich seine Leute „einiger Gespanne ver 
sicherten". Auf demselben Wege traf er zwei 
tief eingesunkene Kanonen an, ließ die mit 
gebrachten Pferde vorspannen und eskortirte die 
beiden Geschütze glücklich bis in die Nähe von 
Antwerpen, wo er wieder zu seinem Corps stieß. 
„Bey anderen mehreren ernstlichen Gelegen 
heiten", fährt Verfasser fort, „kann ich mich des 
Gleichen rühmen, daß ich auf die Erhaltung 
meiner Person nicht zuerst bedacht gewesen, noch 
dieselbe der Ehre Ew Dienstes vorgezogen 
habe, und der Herr General v. Miltitz wird mir 
das Zeugniß geben, daß, als in der Bataille 
bei Laffeld (2. Juli 1747), wegen zu be 
fürchtenden feindlichen Einbruchs, nachdem sich die 
zunächst davon (ob „vom Feind" oder „von Laffeld", 
ist nicht recht klar) gestandene Infanterie weg- 
und in das Dorf gezogen, die Flanken bedecken 
zu lassen für nöthig erachtet wurde, dieselben mir 
meinen Posten hinter der Eskadron angewiesen, 
allwo ich auch alle meine mögliche Sorgfalt an 
gewandt. daß trotz der so heftigen Kanonade und der 
daher vielfältig' zu machenden (Schwenkungen) 
Bewegungen, dieselbe dennoch in keine Unordnung 
gerathen, sondern sich sofort auf das gehörte 
Kommandowort gebührend herstellen können, ja 
daß ich endlich auch, da bey der letzten Schwen 
kung noch einige Kanonenschüsse in dieselbe 
(Eskadron) gefallen, der übrige Theil der Kaval 
lerie auch schon in der Retirade begriffen, mithin 
gedachte Eskadron noch aufzuhalten mir nicht 
mehr möglich war, ich bey gedachten HE. General 
meine Entschuldigung über diesen Zufall noch 
gemacht und der letzte gewesen, der mit ihm den 
Platz verlassen. 
Daß ich aber im Verfolg unserer Retirade 
y In dieser Schlacht erlitten die Alliirten, diesmal 
vom Herzog von Eumberland befehligt, die zweite Nieder 
lage gegen die Franzosen unter dem genialen MarschaU 
von Sachsen: die erste unter Karl von Lothringen bei 
Rancour (11. Oktober 1746). 
noch den größten Theil der zerstreuten Eskadron 
entdecket, gedachtem Herrn General davon Nach 
richt gegeben und um Erlaubniß gebeten, dieselbe 
wiederum formiren zu dürfen, und als ich diese 
erhalten, solches bewerkstelliget und im Angesichte 
der uns auf Karabinerschußweite nachfolgenden 
feindlichen Kavallerie veranlasset, daß gedachte 
Eskadron den ihr gebührenden place d'honneur 
wiederum okkupiren können." *) 
Soviel über die Schutzschrift! Es war nicht 
das letzte Wort, welches Führer in der für ihn 
so verhängnißvollen Angelegenheit an den Land 
grafen 2 ) richtete. Supplikat folgte noch auf 
Supplikat, sämmtlich gehalten in dem gleichen 
Tone der Ueberzeugung vom Recht; das letzte im 
Juli. Indeß vergebens; das kriegsgerichtliche 
Urtheil wurde aufrecht erhalten bezw. bestätigt 
und der Supplikant mit einer monatlichen Pension 
von 30 Thalern verabschiedet, obwohl ihm seine 
Vorgesetzten einst das beste Zeugniß ausgestellt^), 
obwohl General von Miltitz, der Kommandeur des 
Regiments, ihm sein Bedauern darüber ausgedrückt 
hatte, daß man ihn „aus dem Regiment verlöre". 
Erst im siebenjährigen Kriege mochte man 
sich wieder auf seine treuen Dienste besinnen. 
Am 25. Mai nämlich des Jahres 1758 wurde 
„der vormahlige Lieutenant Führer zum Kapitain 
bey dem neu errichteten Jägercorps gnädigst 
ernennet und ihm davon die zweite Kompagnie 
in Gnaden conferiret" 4 ). Bei diesem Corps 
verblieb er bis zum Januar 1762, wo „der im 
löblichen Jägercorps stehende Kapitän Führer zum 
Major avanciret" wurde und bey dem Regiment 
von Kutzleben 5 ) die Hilchenbach'sche G ) Kom 
pagnie erhielt. 
y Die hier geschilderte Schlußepisode der Schlacht bei 
Laffeld dürfte als Ergänzung etwa sonst noch darüber vor 
liegender Berichte werthvoll sein. Für sich allein ist sie 
nicht ganz verständlich. Das Hauptverdienst Führer's 
bestand, wie er auch selbst in der den: Schreiben voraus 
geschickten Inhaltsangabe den Vorfall kurz zusammenfaßt, 
darin, daß er Angesichts der verfolgenden feindlichen 
Kavallerie seine auf der Flucht zerstreute Schwadron 
wieder sammelte lind „veranlaßte, daß sie ihren Posten 
in der Retirade wiederum okkupiren können". 
") Der seitherige Statthalter war- inzwischen — nach 
dem am 5. April 1751 erfolgten Tode seines Bruders — 
Landgraf geworden. 
2 ) S. meinen Aufsatz in Nr. 2, Jahrgang 1895, S. 21. 
'*) Damit wird meine in gedachtem Aufsatze aus 
gesprochene Vermuthung, daß F. als ehemaliger Kavallerie 
offizier wohl eine der beiden im folgenden Jahre errich- 
teien berittenen Kompagnien erhalten habe. hinfällig. 
6 ) Dieses Regiment machte, obwohl ein Garnison- 
regiment, den siebenjährigen Krieg von Anfang bis zu 
Ende mit und kämpfte 1776—1783 auch mit in Amerika. 
6 ) Hilchenbach war als Oberstlieutenant in das 
Wurmbser'sche Regiment versetzt.
	        

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