Full text: Hessenland (10.1896)

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wichtigen Akten möglichst rasch und vollständig 
bei Seite zu schaffen, daß er u. A. vorschlage, 
„die mit Litteralien von Wilhelmshöhe gekom 
menen Kisten, welche einstweilen im Hofarchiv 
niedergesetzt sein sollten, von da hinweg und in 
die Privatwohnung des Regierungsrathes Schmer- 
feld, bezw. wenn dieser für so viele Kisten keinen 
Raum habe, in einen andern sichern Gewahrsam 
bringen zu lassen". Wenn man also Kisten mit 
Litteralien, und gewiß mit nicht unwichtigen, 
von Wilhelmshöhe herunter schaffen lassen konnte, 
warum nicht auch andere Werthgegenstände? 
Oder wie, wenn die Wilhelmshöher Sachen 
gleich Anfangs unter Mensing's Führung und 
Aufsicht nach Stölzingen und dann von da auf 
dem einen Wagen nach Witzenhausen und Mün 
den gebracht worden wären? Alsdann würde die 
zweimalige Betheiligung Mensing's lediglich eine 
spätere Weiterbildung der Sage sein. 
Mir erscheint diese zweite Annahme am glaub 
lichsten und wahrscheinlichsten. Was sie noch 
bestärkt und mir fast zur Gewißheit macht, ist 
ein schon oben erwähnter Brief Mensing's vom 
14. November, in welchem er die versuchte Fest 
nahme der beiden Bauern aus Dittershausen und 
Eiterhagen berichtet. Man ries den Bauern zu, 
sie sollten festgenommen werden, um zu beken 
nen, wo sie den Herrn mit den Sachen von 
Wh. hingebracht hätten. Ein anderer Ort als 
Wsilhelmsjhsöhej ist hinter diesen Buchstaben 
wohl kaum verdeckt, lind an anderer Stelle 
sagt derselbe Hauptmanu Mensing, er habe (als 
Scheinladung) nicht für 5 Thaler Möbels auf 
allen vier Wagen gehabt; wahrscheinlich habe 
der Burggraf geglaubt, daß die Franzosen zu 
kurz kämen. Er werde das Jnfentario (!) 
bringen. — Der Burggraf weist uns wieder 
nach Wilhelmshöhe! 
Dabei ist nicht ausgeschlossen, daß die werth- 
vollen Kisten in der ersten Bestürzung wirklich 
in der Kuppel des Schlosses verborgen worden 
seien. Keinenfalls waren die zwei Kistchen mit 
Pretiosen dabei, welche der Geh. Rath von der 
Malsburg persönlich überbrachte; sie finden sich 
auf dem für Witzenhausen bestimmten Güter 
zettel außerdem ausdrücklich verzeichnet. Und 
ailch die übrigen Sachen wird man bei Zeiten 
wegzuschaffen bedacht gewesen sein. 
Ich verhehle mir nicht, daß Zweifel bestehen 
bleiben; doch wäre es mir lieb, wenn diese 
Zeilen eine Anregung geben möchten, Licht in 
das Dunkel zu bringen, welches diesen Theil der 
kurfürstlichen Schätze umschwebt. Vielleicht lebt 
noch jemand, welcher eine authentische Auskunft 
zu geben vermag, ff 
') Ein mir nachträglich zugegangener Brief des Herrn 
Admirals Men sing in Berlin, eines Enkels unseres 
Helden, bestätigt übrigens vollauf und zur Genüge meine 
Vermuthung. Der genannte Herr schreibt n. a.: „Ich 
besitze ein Verzeichnis; der Kisten (42), welche mein Groß 
vater rettete, kenne den Inhalt von zweien im Werthe 
von etwa 3 500000 Thaler», weiß, daß die Orden, Kunst- 
gegenstände, das goldene Geschirr, das Gemmen- und 
Münzkabinet dabei waren, auch die unendlich wichtigen 
Nechnungsbücher sdiese doch wohl nur zum Theil. Am», 
des Verf.s, und — da das Silber auf Sababurg gefunden 
wurde, — möchte ich doch wissen, was denn 1811 noch 
gerettet sein sollte?!" — Es ist mir sehr angenehm, meine 
Ansicht gerade von dieser Seite bestätigt zu finden. 
Erlebnisse eines hessischen Ossiziers in und nach dein öster 
reichischen Erbsolgekriege. 
Von I. Für er. 
(Schlich.) 
„Im folgenden Jahre (1746) war mir eine 
andere Gelegenheit günstig, meine Geflissenheit, 
wohl und rühmlich zu dienen, an den Tag zu 
legen: Denn es trug sich zu, daß bey Eröffnung 
dasjähriger Campagne in Brabant, da die alliirte 
Armee sich an der Nette und Dyle zu setzen 
genöthigt fand, ein Corps von 4000 Mann an 
letzteren Fluß bei Boom detachiret wurde, um 
allda ein zu Großen Wilbrock, mithin gegenüber 
stehendes französisches Corps zu observiren. *) 
Bei diesem Observationscorps befand ich mich 
gleichfalls, nebst dem noch lebenden, im Grüffen- 
dorf'schen Regiment damals gestandenen Ritt 
meister von Boyneburg, und als den 17. May 
cl. a. die Ordre einlief, daß die ganze alliirte 
Armee dieselbe Nacht sich gegen Antwerpen re- 
tiriren und besagtes Observationscorps gleichfalls 
mit eingebrochener Nacht den Abmarsch antreten 
sollte, so wurde gedachtem Rittmeister v. B. auf 
getragen, mit Zuziehung einiger Offiziers unb 
*) Zu gleicher Zeit kämpfte ein anderes hessisches 
Hilfscorps von 6000 Mann unter Prinz Friedrich in 
Schottland, kehrte aber schon Ende Juni wieder nach 
Brabant zurück.
	        

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