Full text: Hessenland (10.1896)

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Me Okkupation Keffen-Kafjets durch die Franzosen im Jahre 
1806 und die Schicksale des kurfürstlichen Haus- und Staats 
schatzes. 
Von Br. Hugo Brunner, 
Bibliothekar an der Landesbibliothek in Kassel. 
(Schluß.) Nachdruck verboten. 
s 
^Ullas nun die von Lagrange geforderte Summe 
und die von den Staatsministern darüberaus- 
T zustellende vorläufige Versicherung betrifft, so 
hatten die Herren schwere Bedenken. Gewichtige 
Gründe sprachen dafür, auf den Vorschlag des 
Franzosen einzugehen. Es konnte auf diese Weise 
der Rest der ausstehenden Kapitalien vielleicht 
gerettet werden Der Gouverneur konnte dem 
Lande noch wesentliche Dienste leisten, wenn er 
zufrieden gestellt; er konnte ihm sehr schaden, 
wenn er beleidigt und zurückgestoßen wurde. Und 
er brauchte nur den ganzen Betrag der Staats 
papiere und Kapitalien, wie er ihm bekannt ge 
worden war, dem Kaiser anzuzeigen, so war es 
sicher, daß dieser letztere noch weit größere Opfer 
verlangen würde. 
Andererseits aber, wer bürgte dafür, daß der 
Gouverneur, selbst wenn man in seine Auf 
richtigkeit fein Mißtrauen setzte, nicht eines 
Tages abberufen wurde? Sein Nachfolger war 
durch nichts gebunden; und alle bei den Kollegien 
vorhandenen Spuren so gründlich vor ihm zu 
vertilgen, daß er zu neuen Nachforschungen keine 
Handhabe gesunden hätte, war platterdings un 
möglich. Und wie, wenn Uebelgesinnte oder gar 
die Schuldner selbst aus gewinnsüchtigen Neben 
absichten die geschuldeten Beträge anzeigten? 
Hier konnte mit Bestechungen, die sonst leicht 
eine Schraube ohne Ende werden mochten, nicht 
einmal etwas ausgerichtet werden. Und die im 
Lande selbst ausgeliehenen Kapitalien waren ja 
leicht aus den Hypothekenbüchern zu ersehen! 
So begreift man, daß die Minister in einer 
kitzlichen Situation waren. Noch hatten sie ja 
die Hoffnung auf eine baldige Klärung der 
politischen Lage und die Wiederherstellung des 
Kurstaates nicht aufgegeben. Auf alle Fälle war 
es unbedenklich, dem Gouverneur Lagrange die 
gewünschte vorläufige Deklaration in ihrem 
Namen auszufertigen und die Ratifikation wie 
alles klebrige Serenissimo lediglich anheim 
zustellen. Das Schriftstück, bemerkenswerth wegen 
des vorsichtig gewählten Ausdruckes, durch welchen 
die eigentliche Bestechung umschrieben wird, lautet 
folgendermaßen: 
Nous soussignés nous engageons de la ma 
nière la plus formelle par la présente de faire 
payer par l’intermédiaire de Mons. Jordis, 
Banquier de Francfort, à Son Excellence 
Monsieur de la Grange, Gouverneur Général 
de la Hesse, la somme de huit cent mille 
francs de France, en conséquence d’un 
arrangement pris avec sa dite Excellence 
relatif aux capitaux appartenant à 8. A. 
8. E. de Hesse, dont les listes se trouvent 
entre les mains de Monsieur le Gouverneur 
Général ; le tout sauf l’approbation et la 
ratification de l’Electeur notre maître. 
Le présent gage sera déposé entre les 
mains de Monsieur Jordis jusqu'à l’arrivée de 
la décision de l’Electeur que nous demanderons 
par un exprès, qui devra être de retour au 
bout de douze jours. 
En foi de quoi nous avons signé le présent 
acte et l’avons muni de nos sceaux. 
Fait à Cassel ce 15 décembre 1806. 
(L. S.) Le B. de Waitz d’Eschen. 
(L. S.) Le Baron de Baumbach. 
Dieses Dokument wurde später als überflüssig 
wieder ausgehändigt und befindet sich, zwar zer 
schnitten, doch als klassisches Zeugniß bei den 
Akten. 
Unverweilt ging nunmehr der Kriegsrath 
von Starcklofs als Courier an den Kurfürsten 
ab, und man durfte bei der bekannten Zähigkeit 
des hohen Herrn in Geldsachen gespannt sein, wie 
die Entscheidung ausfallen würde. 
Die Kasseler Räthe hatten sich jeglicher Be 
einflussung nach der einen oder anderen Seite
	        

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