Full text: Hessenland (10.1896)

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Stadt Melsungen ihn zu ihrem Ehrenbürger er 
hoben. Das wohl ausgestattete Diplom traf leider 
erst am Tage nach der Beerdigung in Jndiauv- 
polis ein. 
Todesfälle. Am 19. Januar verstarb an den 
Folge» eines plötzlichen Unwohlseins zu Frankfurt 
a. M„ wo er bei alten Freunden weilte, im 70. Lebens 
jahre, General der Infanterie z. D. Ludwig 
v. Spangenberg, Excellenz. In voriger Nummer 
(S. 26) waren wir in der Lage, die hohe Auszeichnung 
zu berichten, die dem nunmehr Verstorbenen kurz 
zuvor bei Gelegenheit der 25jährigen Wiederkehr 
des Tages von Villersexel, an welchem er einst 
die Füsiliere des 1. rheinischen Infanterieregiments 
Nr. 25 (von Lützow) zum Siege geführt hatte, 
verliehen war. Es war dem Heimgegangenen noch 
vergönnt gewesen, die Erinnerung an jenes glorreiche 
Ereigniß in Rastatt in der Mitte dieses seines 
alten Regiments als dessen ältester Veteran feiern 
zu können. Großherzog und Erbgroßherzog von 
Baden hatten nicht ermangelt, ihm für sein 
Erscheinen mehrfach ihren besonderen Dank aus 
zusprechen. Am Abend bei den Mannschafts- 
aufsührungen wurden ihm begeisterte Hochs aus 
gebracht, die ihn sehr rührten. Er selbst hielt 
noch eine zündende Rede ans das Regiment, in 
welcher er für die ihm zu Theil gewordene herz 
liche Ausnahme dankte und die Thaten der 25er 
im Feldzuge 1870/7 l hervorhob und lobte. Die 
beiden Festtage waren eine große Anstrengung 
für ihn, wenngleich er es sich nicht merken ließ, 
am folgenden Tage fühlte er sich jedoch ganz 
wohl und fuhr mit seinem ältesten Sohne, der 
zur Zeit als Erzieher im dortigen Kadettencorps 
steht, nach Karlsruhe. Als echte und rechte 
Soldatennatur war Excellenz von Spangenberg 
niemals gewohnt, über sein Befinden zu klagen, 
so auch nicht vor seinem Tode. Sein Ende kam 
mithin auch seinen nächsten Angehörigen völlig 
unerwartet. Der Lebensgang von Spangenberfls 
ist im „Hessenland" bereits früher kurz skizzirt. 
Es sei deshalb gestattet, hier nur noch Einiges 
nachzutragen. Jrrthümlich ist in Tageszeitungen 
angegeben, daß der Heimgegangene am 19. Fe 
bruar 1860 als Premierlieutenant in das 2. 
(kurhessische) Infanterieregiment versetzt sei, wäh 
rend es als Hauptmann geschah. Als Premier 
lieutenant bewies er seine schriftstellerische Tüchtig 
keit, indem die „Geschichte des kurhessischen Jäger 
bataillons", Kassel 1853, zum großen Theil seiner 
Feder entstammt. In preußischen Diensten kam 
von Spangenberg in Stettin in nahe Beziehungen 
zum damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, 
der damals das II. Armeecorps befehligte, und der 
hohe Herr ist mit ihm im Verkehr geblieben und hat 
ihm bis zu seinem Tode das gleiche Wohlwollen be 
wahrt. Als Kommandant von Berlin hatte General 
von Spangenberg Sr. Majestät Kaiser Wilhelm I. 
täglich regelmäßig Vortrag zu halten, der in seiner 
leutseligen Weise ihm viele Erlebnisse aus seiner 
Jugendzeit erzählt hat. Beim Uebertritt in den Ruhe 
stand erhielt der General den Kronenorden I. Klasse. 
General von Spangenberg war zweimal vermählt, 
in erster Ehe mit Sophie von Kutzleben auf 
Wommen bei Eisenach (4 1859), in zweiter Ehe 
1863 mit Charlotte von Schmid in Kassel 
(4 am 28. November 1885 zu Berlin) Der ersten 
Ehe entstammt eine Tochter, der zweiten entstammen 
zwei Söhne, beide Offiziere im Königin-Elisabeth- 
Grenadierregiment Nr. 3. Neben ihnen betrauern 
vier Enkel den Heimgang des verblichenen Helden, 
der bis in seine allerletzten Tage sich der größten 
körperlichen Rüstigkeit lind geistigen Frische er 
freute und auch in weiten Kreisen des Hessen 
landes hohe Achtung und Verehrung genoß. — 
In Münster in Westfalen verschied ain 23. Januar 
der königliche Regierungs- und Landesökonomierath 
Friedrich Freiherr Schenck zu Schweins 
berg, ein Sohn des kurhessischen Generals von 
Schenck, bis 1866 Offizier im hessischen Jäger 
bataillon und 1866—1871 in preußischen Diensten 
im 11. Jägerbataillon, nachdein im Zivildienst 
thätig, in welchem er es durch seine Tüchtigkeit 
zu einer angesehenen Stellung gebracht hat. •— 
Am 13. Januar verstarb zu Kassel der Zeichen 
lehrer a. D. Maler Wilhelm Psaff im Alter 
von 74 Jahren, ein wegen seiner Herzens- und 
Charaktereigenschaften, seines Wissens und seines 
langjährigen, pflichttreuen Wirkens an ver 
schiedenen Lehranstalten der Stadt hochgeschätzter 
Künstler. Psaff war einst ein vortrefflicher 
Portraitmaler, dem die Kunst manches werthvolle 
Bild verdankt, so die ausgezeichneten Portraits 
des Altmeisters Spohr, des Professors Vilmar, 
der verfassungstreuen Göttinger Sieben von 1837 
und Friedrich von Bodenstedt's, der sich im Jahre 
1852 längere Zeit bei dem Kammerherrn Frei 
herrn Karl von der Malsburg (t 18. No 
vember 1855) auf Schloß Escheberg aushielt.
	        

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