Full text: Hessenland (10.1896)

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Aus KeimcrtH uuö Ivemöe. 
Die fünfundzwanzigjährige Wiederkehr 
des Tages der Kaiserproklamation in Versailles 
ist am 18. Januar wie im ganzen Deutschen Reiche 
so auch im .Hessenland und vornehmlich in Kassel 
auf das Feierlichste begangen worden. Neben der 
Ausführung von patriotischen Festspielen im König 
lichen Theater und im Stadtpark — in letzterem aus 
den Kreisen der Kasseler Bürgerschaft — war es 
vor allem die prächtige Beleuchtung der Straßen 
und Häuser der Residenzstadt, durch welche die 
allgemeine Theilnahme, die der Gedenkfeier der 
Begründung des Deutschen Reiches geschenkt wurde, 
sich ans das Unzweideutigste bekundete. Seit dem 
18. Oktober 1863, dem 50jährigen Gedenktage 
der Völkerschlacht bei Leipzig, ist eine Illumination 
in dem großartigen Maßstabe in Kassel nicht ge 
sehen worden. 
Der Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde hielt seine letzte Monats 
versammlung in der Aula der Oberrealschule 
wegen der aus den letzten Montag iin Monat 
fallenden Geburtstagsfeier Sr. Majestät des 
Kaisers bereits am Abend des 20. Januar ab. 
Zu Ehren des am Tage zuvor plötzlich aus dem 
Leben geschiedenen Mitgliedes, Generals der In 
fanterie z. D. von Spangenberg, dem der 
Vorsitzende des Vereins Bibliothekar an der 
Landesbibliothek vr. Brunner einen warmen 
Nachruf widmete, erhoben sich die Anwesenden von 
den Sitzen. Von Geschenken gingen nach Mit 
theilung des Vorsitzenden u. A. ein: 1. Von 
Kaufmann Klein in Kassel: zwei König Jörüme 
Napoleon überreichte Pläne von den Schlössern 
Katharinenthal, bezw. Napoleonshöhe von Schäffer. 
2. Von Professor Di-. Wagner: die 2. Auflage 
seines Abrisses der Geschichte des Hessenlandes; 
3. Von Bibliothekar vr. Brunner: Der löb 
lichen Juristen-Fakultäten hoher Schulen zu 
Leiptzig, Marburg und Jena . . . Informationes 
und Reponsa (betr. die Braunschweiger Bürger) 
1604. 3. Von dem Kultusministerium und 
Senator und Polizeidirigent vr. Otto Gerland 
zu Hildesheim je ein Exemplar von Laske's und 
Gerland's Werk über die Wilhelmsburg bei Schmal 
kalden. Der Vorsitzende war leider in der Lage 
bemerken zu müssen, daß das im Auftrag des 
hessischen Geschichtsvereins von Franz Gund- 
lach herausgegebene Bürgerbuch der Stadt Kassel 
die erwartete Verbreitung bislang noch nicht ge 
sunden habe. Wir möchten deshalb nicht unter 
lassen, unsere Leser auf diese für zahlreiche alt 
hessische Familien so werthvolle Veröffentlichung 
des Vereins noch besonders empfehlend hinzuweisen. 
Einen äußerst fesselnden, überaus beifällig auf 
genommenen Vortrag hielt Oberlehrer Di-. Pistor 
über „das Schwankbuch des Dionysius 
und Otto Melander in Zusammenhang 
mit der verwandten Literatur des 16. 
Jahrhunderts". Nachdem der Vortragende 
aus den Volkshumor als aus ein für die Charakte 
ristik eines Stammes nothwendiges Moment hin 
gewiesen und namentlich den deutschen Volks 
humor in seinen verschiedenen Aeußerungen näher 
beleuchtet hatte, gab er einen Ueberblick über den 
Humor in der deutschen Literatur, soweit derselbe 
in den zahlreichen lateinisch und deutsch geschrie 
benen Schwankbüchern des 16. und 17. Jahr 
hundert zu Tage tritt. Unter den Verfassern 
der letzteren wurde auch der hessische Schriftsteller 
Hans Wilhelm Kirchhoff aufgeführt, dessen hierher 
gehöriges „Wendunmuth" der Vortragende kurz 
charakterisirte. Letzterer wandte sich dann Kirch 
hofs's Landsleuten Dionysius d. I. und Otto Melander 
zu, die im Jahre 1600 die llooossria, ein später 
noch öfter ausgelegtes Schwankbuch, in lateinischer 
Sprache, Herausgaben, um zunächst deren Lebens 
verhältnisse kurz zu schildern, sodann aber aus 
ihre literarische Bedeutung und den Inhalt der 
Sammlung näher einzugehen. Zum Schluß wurden 
aus dem reichen Anekdotenschatz der beiden Melander 
einige Schwänke mitgetheilt, die besonders dem 
Gebiete des Jägerlateins angehörten. 
Universitätsnachrichten. Die bisherigen 
Privatdozenten der juristischen Fakultät zu Marburg 
Professor vr. Friedrich Wachenseld, ein 
Sohn des Professors und Gymnasialoberlehrers 
a. D. Wachenfeld in Kassel, geboren 1865, und 
vr. Wilhelm von Blume, ein Sohn des kom- 
mandirenden Generals des XV. Armeekorps, ge 
boren 1867, letztere vorher zu Göttingen, sind zu 
außerordentlichen Professoren an der Universität zu 
Marburg ernannt worden. — Daselbst habilitirte 
sich als Privatdozent für Rechtsgeschichte vr. Frei 
herr Ernst Langwerth von Simmern. 
Ein Ehrenbürger der Stadt Melsungen. 
In Jndianopolis in Indiana (Nordamerika) wurde 
nach der „Indiana Tribüne" am 6. Januar der 
Rentner Wilhelm Kothe, geboren am 15. Sep 
tember 1822 zu Melsungen, zu Grabe getragen. 
Der Verstorbene, der seiner Vaterstadt Zeit seines 
Lebens ein warmes Gedenken bewahrt hat, hatte 
derselben wiederholt beträchtliche Summen für die 
Armen überwiesen. Dafür hatte die dankbare
	        

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