Full text: Hessenland (10.1896)

36 
Wirr driitsrhk Fntmort. 
Aul denn, mein sattelirerer Hlppogryph, 
Fass sich dein Jlngelpaar im Aethcr baden! 
Der Kühne Kitt, zu dem ich dich beriet, 
Geht nach Britanniens schaumigen Gestaden. 
Dort, too der Geist der Selbstsucht nimmer schliek, 
Dort grlt's, die Gluth des Zornes zu entladen, 
Denn diese Selbstsucht toagt sich heut' zu brüsten, 
Als ixrolle sie der Tugend Streiter rüsten. 
Doch aul zum Himmel schreit die Niedertracht, 
Die Freiheit zu entbunden einem Volke, 
Das stolz erstand aus eigner Krall und Wacht, 
Denn irrte das Kaubthier harrt im Schill der Kolke, 
Zum Sprung bereit, bon Wordlust angelacht, 
Und irrte der Witz aus nacht'ger Wetterwolke: 
So stürzten Hriten, als Freibeuter-Sande, 
In ^enes Volkes segensdolle Fände. 
Iden over the Transvaal border, 
and galopp for life or death. 
Alfred Austin. 
Wo birgt die Erde noch den lreien Wann, 
Den solche Unthat nicht erfüllt mit Schauer? 
Der bor der Kaubthier-Gier noch zögern kann, 
Die Hotte zu bestehn aul ihrer Jauer? 
Und doch! Und doch! Es tritt ein Mensch heran, 
Den nicht die Scham bedeckt mit tieler Trauer: 
Der Holpoet der Kön'gin ioagt's, zu beugen 
Das Völkerrecht, und ruft noch Gott zum Zeugen! 
Und irrte berzückt bon seinem Strassenlied, 
Vereint das Volk sich, um hinweg zu spülen, 
Mas noch empor die Menschenseele zieht, 
Mit ihren gottdurchdrungenen Gekühlen, 
Aul dass am Schlüsse des Jahrhunderts ilieht, 
Was die Vernnnlt noch schützte bor'm Zerwühlen: 
Moral und Hecht! denn Englands Jönigsdichter 
Sitzt Heiden zu Gericht als ihr Vernichter. 
„O, stolzes England" —* schäme, schäme dich, 
Dass dir die Habsucht höher steht als Hechte, 
And dich der Fluch der Goldgier so beschlich, 
Dass lreie Menschen nichts dir sind als Knechte! 
Doch deinem Holpoeten rathe ich, 
Die Harle lern zu lassen dem Gelechte, 
Mein Hath hat Grund: denn hier, im Fand zu Hessen, 
Bleibt Eurer Helden Dünkel unbergessen. 
Tante Kerichtsi 
Eine einfache Geschichte 
„Welch eine nette Frau Du da,zum Nähen 
hast, liebe Tante", sagte ich, als 'ich Abends 
meine alte Tante Gerichtsrath besuchte. Die 
Frau hatte sich eben nach dem Abendbrod mit 
freundlichem Gruß verabschiedet. 
„Ja, sie ist in Wahrheit nett. Die Doktorin 
nebenan, welche sie mir, als ich hier einzog, 
empfohlen hat, übertrieb nicht. Sie nannte sie 
eine ,Perle der edlen Flickkunst'. Alles könne 
sie ausbessern, lind die schrecklichsten und ver 
zweifeltsten Fülle der Zerrissenheit in den Hosen 
ihrer wilden Buben, das seien gerade Frau 
Elisens Lieblingskuren", entgegnete Tante. 
„Das muß ich sagen, solch eine Musterfrau 
wünsche ich jedem kinderreichen Hause als 
wöchentliche Hilfe, wie heißt sie denn, dieses 
Phänomen?" 
alhs Ikickfrau. 
von Frida Storck. 
„Ja, denke Dir, die Doktorin, bei der sie seit 
Jahren nähte, kannte nicht einmal ihren Familien 
namen. So wenig kümmern sich die meisten 
Frauen um die Personalien der Menschen, die 
ihnen im eigenen Hause Dienste leisten. Ich 
kannte schon nach wenig Wochen die Lebens- und 
Leidensgeschichte der Frau. Sie bringt mir 
seitdem ein dankbares Vertrauen entgegen. Ich 
plaudere gern mit ihr, sie hat einen klaren 
Verstand und das Herz auf dem rechten Fleck." 
„Nun ja, Du verstehst es eben, bei allen 
Leuten den rechten Ton anzuschlagen", gab ich 
zu. „Es ist oft recht schwer, mit solchen Leuten 
das rechte Thema ;u treffen, da lassen es die 
meisten Frauen ganz und beschränken sich nur 
auf die Gespräche, welche zum gegenseitigen Ver 
ständniß bei der Arbeit nöthig sind."
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.