Full text: Hessenland (10.1896)

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sog. Mooß oder Morast, bis in die Gegend, all- 
wv die . . feindliche Uebersetzung geschehen sein 
sollte, und kehrte, nachdem ich die nöthige Kund 
schaft allenthalben eingezogen, wieder zurück, 
erstattete an obgedachten HE. General meinen 
Rapport' und aus dessen Begehr auch den an 
den das löbliche Gräfendorf'sche Regiment kvm- 
mandirenden, durch diesen bereits mit allarmirten 
HE. Obrist von Münchhausen ab, wodurch so 
dann der entstandene Allarm wieder gestillet und 
eine Postirung in diese Gegend zu formiren be 
liebet wurde, welche jedoch wegen des sofort 
beliebeten Abmarsches unterblieb." 
„Rach Angclangung Ew Trouppen bey 
Landshut erhielten der HE. General von Miltitz 
die Ordre, den in der Gegend von Moosburg 
stehen sollenden Churbayrischen Renfort (Ver 
stärkung) durch einen Offizier rekognosziren zu 
lassen, und es gereichte mir zu einem besonderen 
Vergnügen, daß dieselben meine Person dazu zu 
erwählen belieben wollen, allermaßen ich dann 
die eingezogene Kundschaft Sr. Exe. HE. General 
lieutenant von Dalwigk ohnweit Landshut 
gehorsamst zu rapportiren nichts verabsäumet." 
„Als im weiteren Verlauf dieser Retirade der 
Ew Trouppen damals als Chef führende 
Herr Generallieutenant von Brand Exc. in der 
Gegend bei Friedberg die Neutralität deklariren 
ließen und darauf die Separation von dem Chur 
bayrischen Corps erfolgte *) und ich von ge 
dachter Sr. Excellenz, wobey ich mich damals 
als Ordonnanzofficier seit einiger Zeit befunden, 
die Erlanbniß erhielt, zu der bey Augsburg 
stehenden Bagage reiten zu dürfen, bei meiner 
Gegenwart daselbst auch mit ansehen konnte, wie 
sehr erbittert sich die daselbst vorbeimarschirenden 
bayrischen Regimenter wegen dieser Absonderung 
gegen die bei der Bagage kommandirten Leute 
bezeiget und vernehmen ließen; svdaß daher zu 
befürchten, dieselben möchten in ihrer Wuth 
ihre Bedrohungen, sich an selbiger (Bagage) zu 
vergreifen und zu plündern . . . keinen Anstand 
nehmen und dieses Vorfalls wegen der für jetzt 
in dem löbl. Regiment Sr. Hochfürstl. Durch 
laucht des Prinzen v. Isenburg als Obrist 
lieutenant stehende dermalige Major von Nrff, 
der zur Bedeckung der Bagage das Kommando 
führte, seine Untergebenen, um dieser Gefahr 
nöthigcnfalls zu resistiren, ausrücken ließ, dabey 
auch für nöthig erachtete, des HE. General- 
lieutenant von Brand's Excellenz von diesem Um 
stand zu unterrichten: So erbot ich mich zu 
y am 18. April. 
dieser Verschickung. Als ich aber an die Lech 
brücke kani, fand ich dieselbe abgeworfen, mithin 
ein großes Hinderniß, diese einer Remedur be 
dürftige Sache gedachter Sr. Excellenz, so derv 
Quartier in Lechhausen genommen, hinterbringen 
zu können; ich stand deshalb bei mir an und 
entschloß mich, lieber etwas zu wagen, als zum 
Nachtheil der gemeinen Sache etwas 511 verab 
säumen, bemühte mich daher, eine Passage durch 
den Strom zu suchen, unb als ich hiermit be 
schäftiget, traf ich ein in dieser Gegend pvstirtes 
Commando von Crehß-Dragonern an, erkundigte 
mich bey ihnen nach einer sichern Durchfahrt 
und vfferirte demjenigen, der mir solche zeigen 
und mit mir durchreiten werde, einen Ducaten; 
da sich aber keiner dazu verstehen wollte nnd sich 
damit entschuldigten, daß das Wasser zu hoch 
angewachsen, so setzte ich ohne weiteren Anstand, 
mich auf die Güte meines Pferdes verlassend, in 
den Fluß und dnrchschwamin denselben, wiewohl 
nicht ohne augenscheinliche große Gefahr; traf 
aber an jener Seite ein anderweites unvermuthetes 
Hinderniß, nemlich eine österreichische Postirung 
an, lind da diese aus Leuten, die keiner mir be 
kannten Sprache kundig waren, bestand, ich auch 
mit keinem Paß versehen war, so drohte mir 
eine neue Gefahr, und ein so übel civilisirtes 
Volk würde nicht unterlassen haben, mich durch 
Feuergeben zu nöthigen, denselben Rückweg, welchen 
ich gekommen, mit noch größerer Gefahr wiederum 
zu suche», wenn nicht zu meinem Glück der diese 
Postirung cvmmandirende Major soeben an 
gelanget und mich in lateinischer Sprache um 
die llrsach meines Uebersetzens befraget und von 
mir die eigentliche llrsach vernommen, darauf 
aber mich in Person durch seine ganze Postirung 
bis nach Lechhausen geführet hätte. Sr. Exc. 
HE. General v. Brand rappvrtirte ich die Be 
schaffenheit der Sache, und derselbe säumte auch 
nicht, Se. * damals in Augsburg anwesende 
Churfürst!. Tnrchlt. von Bayern ’) davon zu 
unterrichten, wodurch sodann die nötigen mesures 
zur Sicherheit der Bagage vorgekehret worden." 2 ) 
’) Maximilian Joseph, Karl Albert'-- (Karl VII., 
t 20. Januar 1745) Nachfolger in Bayern. 
*) Vgl. zu dem ganzen Vorfall: Geschichte von Hessen 
von Räth - Stamford, S. 384: „am 18. April trennten sie 
<die Hessen) sich von dem bayrisch-französischen Heere unweit 
Augsburgs. Mehrfach beschimpften die Bayern ihre seit 
herigen Wafsengenossen. eine thätliche Insulte und Be 
raubung eines hessische» Trupps zeigte die Erbitterung der 
Bayern." Offenbar handelt es sich in dein Proiuemoria 
um den gleichen Vorfall, gedvch muh man nach unserer 
Quelle wohl annehmen, daß die angedrohte Beraubung 
vereitelt wurde. 
lSchlnß folgt.)
	        

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