Full text: Hessenland (10.1896)

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Statt bessert erfuhr aber Führer drei Wochen 
später, daß Prinz Friedrich sein Abschiedsgesuch 
stillschweigend anzunehmen geruht *). Als er 
dann, „aufs Aeußerste affligiret", auf den Rath 
des ihm wohlwollenden Generals von Miltitz 
Sr. Hochfürstlichei! Durchlaucht sich persönlich 
präsentirte, wurde ihm aufs Neue Kränkung und 
Enttäuschung zu Theil. 
Seine Gegner waren ihm zuvorgekommell. 
„Aus Deroselben ungnädigem Anblick", schreibt 
er kurz darüber, „mußte ich Dero hohes Miß 
fallen gegen mich annehmen, ja kurz hernach 
erfahren, wie man mich für einen Menschen 
ausgeschrieen." (S. o.) 
Dem hiermit für uns erledigten zweiter! 
Schreiben an den Statthalter ließ Führer schon 
zwei Tage später jene „Schutzschrift" folgen, die 
unter Anderem ein Promemoria über seine ge 
leisteten Dienste enthält. Die verschiedenen darin 
ulitgetheilten Erlebnisse und Thaten werfen zu 
gleich interessante Streiflichter auf die jedesmalige 
allgemeine Situation. Auch gestatten sie einen 
Einblick in die verschiedenen Operationen und 
Märsche der hessischen Regimenter. Wir lassen 
sie, soweit dies bei der heute zum Theil nicht 
mehr verständlichen Ausdrucksweise des Verfassers 
angängig ist, in wörtlicher Wiedergabe folgen: 
„Daß während meiner zehnjährigen Ew. Hoch 
fürstlichen Durchlaucht geleisteten Dienste ich in 
den mir anvertrauten Chargen meinen Pflichten 
nach meinen! besten Vermögen ein Genüge ge 
than . . . setze ich um so gewisser zum Grunde, 
als meine rachsüchtigen Gegner, soviel mir 
wissend, nichts öffentlich dagegen beyzubringen 
vermocht . . . ." 
„Denn als Ew . . . löbliche Corps Trouppen 
1745 in Bayern standen und die in der 
Gegend von Vilshofen verlegten Regimenter 
wegen der feindlichen Invasion d. 25. Mertz ä. n. 
sich bei Plaitlingen über die Jsarbrücke zu re- 
tiriren genöthigt sahen, war meine Wenigkeit das 
jenige Instrument, wodurch Ew .... Diensten 
etwas zuträgliches geleistet wurde." In der 
nun folgenden, an erster Stelle erwähnten Dienst 
leistung ist das Verdienst nicht sowohl Führer 
zuzuerkennen, als — merkwürdig genug! — 
’) Diese Abschiedsbewilliguttg muß bald nachher wieder 
zurückgenommen und in Suspension umgewandelt sein, da 
Lieutenant Führer im Regimentsrapport vom 30. De 
zember 1748 als „annoch fuspendirt und keine Dienste 
thuend" aufgeführt wird. 
') Ueber die Betheiligung der hessischen Truppen, 
speziell des Regiments „Prinz Maximilian", am Kriege 
im Allgemeinen vergl. meinen Aufsah: „Ein hessischer 
Offizier u. Gel. a. d. vor. Jhdt." Jahrg. 1895, S. 20—21. 
einer Dame. „Eine ohnweit Plaitlingen woh 
nende Dame," heißt es daselbst, „die mich im 
dermaligen Winterquartier bei sich aufgenommen, 
würdigte mich ihrer Freundschaft und nachherigen 
Briefwechsels '); ihre Affektion gegen Ew 
Trouppen wurde durch die Furcht vor dem in 
ihrer Gegend befindlichen Feind (Oesterreicher) 
nicht vermindert, und sie wagte es mit vieler 
Gefahr, denselben nützlich zu sein, sie sandte 
daher bey nächtlicher Zeit zum öfteren einen 
ihrer Bedienten vermittelst eines verborgen ge 
haltenen Kahnes mit Nachrichten an mich ab, 
die wichtigste unter solchen betraf eine von ihr 
ausgekundschaftete feindliche Unternehmung, ver 
möge welcher derselbe getrachtet, sich der vor der 
Plaitlinger Brücke gelegetten unbesetzten Schanze, 
nebst der darin stehenden, zur Bedeckung dieses 
Vorhabens bequemen Kapelle nächtlicher Zeits 
zu versichern. Diese Nachricht schien mir wichtig 
genug, dieselbe sofort dem dermaligen Major des 
löblichen Regiments (Prinz Maximilian) Herrn 
Obristlientcnant von Schwertzell seel. zu hinter 
bringen, und von da gelangte solche ungesäumt an 
den über die in der dasigen Gegend versammelten 
Trouppen das Kommando führenden Herrn 
Generalmajor von Baunibach, der dann auch die 
Besetzung gedachter Schanze sofort vorkehren ließ, 
wodurch mithin das feindliche Vorhaben fruchtlos 
gemacht, die zum Rekognosziren ausgesandte 
Patrouille gerettet und vielleicht auch das Leben 
einiger Menschen erhalten worden." 
„Nächstdem habe es zu eben dieser Zeit und 
an eben diesem Orte (Plaitlingen), allwo 
ohne Unterlaß allerlei allarmirende Zeitungen 
von feindlichen Vorhaben einliefen, an meinem 
Fleiße und Dienstbegierde zu keiner Zeit ermangeln 
lassen, ja der HErr General von Miltitz als 
dermaliger Regimentskommandant bezeigte darin 
ein besonderes Vertrauen gegen mich, indem mir 
derselbe um Mitternachtszeit wissen ließ, daß die 
Bauern aus den bei Pöringen gelegenen Dörfern 
sich mit ihrem Vieh zu uns herauf geflüchtet 
und die Nachricht ausgebreitet, daß ein feind 
liches Corps die Isar in dasiger Gegend passiret 
sei. Ich erbot mich bei diesem Ew 
Trouppen so nachtheilig sein könnenden Vorfalle, 
die Gewißheit davon ungesäumt persönlich ein 
zuziehen, erbat daher sechs Mann . . . ., versah 
mich mit zweien der Gegend kundigen berittenen 
Bauern und durchritt in der stockfinsteren 
Nacht die ihrer tiefen Sümpfe und Ueberschwem- 
inung wegen dermals sehr gefährlichen Orte, das 
’) Vermuthlich hatte Major Schröder davon läuten 
hören und gründete darauf seine Beschuldigungen.
	        

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