Full text: Hessenland (10.1896)

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späteren Landgrafen Wilhelm VIII. einsandte 
und auf deren Veranlassung — die Erlebnisse 
„nach" dem Kriege — wir zunächst näher ein 
gehen müssen. 
Im August 1748 hatte Führer bei seineni 
Regiment, dem Kavallerieregiment „Prinz Maxi 
milian", in dem er damals als Lieutenant stand, 
gegen seinen Kompagnieführer, den Major- 
Schröder , eine Anklage wegen verschiedener 
Unterschlagungen, begangen in der bayrischen 
Campagne des eben beendigten Krieges, ein 
gereicht^). Es war dann zu einem äußerst ver 
wickelten Prozeß zwischen Kläger und Beklagtem 
gekommen, dessen Entscheidung sich fast drei Jahre 
hinziehen sollte und in dessen Verlauf jener die 
schwersten Kränkungen und Widerwärtigkeiten zu 
erdulden hatte. Nicht genug, daß Major Schröder, 
an dessen Ehrenhaftigkeit zu zweifeln man sich 
lange zu sträuben schien, gegen Führer die schänd 
lichsten Verläumdungen ausstreute, denselben einen 
„Aufwiegler der Unterthanen gegen ihre Obrig 
keit, einen Ehebrecher und Deserteur" nannte, 
der „aus purem Haß gegen ihn die Anzeige 
gethan, zuvor aber, um Jnquisiten zu stürzen, 
sich ein Complott im Regiment gemacht habe", 
wurde der Ankläger von seinen andern Gegnern 
auch noch bei Sr. Durchlaucht dem damaligen 
Prinzen Friedrich, und zwar, wie wir später 
sehen werden, nicht ohne Erfolg, als ein „un 
ruhiger, keine Subordination statuirender, und 
jungen Ofsizieren üble principia beybringender 
Mensch" angeschwärzt. 
Im November 1750 wurde der Angeklagte 
zwar endlich sämmtlicher ihm zur Last gelegten 
Vergehen für schuldig befunden, seiner Charge 
entsetzt und kassirt, dem Ankläger auch das 
Zeugniß ausgestellt, daß er „keineswegs, wie ihm 
vom Denunzirten vorgeworfen, eine persona 
infamis" sei. Allein, um auch ihn nicht un 
gestraft ausgehen zu lassen, nahm die „General 
kriegskommission" an, daß er „nicht aus reinem 
Interesse für Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht 
Dienste, sondern aus Animosität das Meiste an 
gezeiget und Verschiedenes zu lange bey sich be 
halten", und fügte jener Urtheilsverkündung hinzu, 
daß auch Lieutenant Führer „böser Consequenz 
y Die Kompagnie war 1744 unter der Führung des 
Majors von Schwertzell nach dem Kriegsschauplatz ab 
gerückt. Dieser war jedoch in den ersten Jahren des 
Krieges gestorben. 
*) pp. Schröder hatte in gewinnsüchtiger Absicht den 
Werth einer verloren gegangenen Equipage zu hoch an 
gegeben und sich noch andere grobe Unregelmäßigkeiten 
zu Schulden kommen lassen. 
halber der ohnehin geforderte Abschied zu er 
theilen sey". 
Führer war über diesen Entscheid auf das 
tiefste empört. Hatte man doch, wie er in einem 
vom 18. Februar datirten Schreiben an den 
Statthalter sich ausdrückt, „bey dein fast drei 
jährigen Lauf der Schröder'schen Sache weder 
Gegenbeweiß noch Verantwortung von ihm ge 
fordert". Tief gekränkt und im vollsten Bewußt 
sein seiner Unschuld richtete er daher am 
15. Februar 1751 ein „Supplikat" an den 
Statthalter, in dem er als „einziges Verbrechen 
den Eifernden er für Sr. Hochfürstlichen Durch 
laucht Dienst und Interesse bezeiget" hinstellt, 
gegen das kriegsgerichtliche Urtheil Verwahrung 
einlegt und am Schluß, an die „Weltgeprieseue 
Gerechtigkeit" seines Herrn appellirend, die feste 
Ueberzeugung ausspricht, daß derselbe ihn „auch 
fernerhin seiner Dienste für würdig halten werde", 
damit er „nicht gleiche Strafe mit dem beschul 
digten Theile erleide". 
Welche Bewandniß es aber mit dem „ohnehin 
geforderten Abschied" hatte, auf dem die gegen 
Führer verhängte Entlassung mit beruhte und 
der außerdem noch zum Gegenstand gehässigster 
Unterstellungen wurde, zeigt das schon berührte 
Schreiben vom 18. Februar, welches die nähere 
Erklärung derjenigen Umstände enthielt, „worin 
man ihn vor dem Anfang des Schröder'schen 
Prozesses verwickelt und woraus seine dermalige 
Abschiedsforderung 2 ) ihren Ursprung genommen". 
Führer erhebt hier gegen seinen Gegner u. A. 
den Vorwurf, daß er „ein Feind ehrlicher Leute 
gewesen, die sich zu seinen interessirten Absichten 
nicht hätten gebrauchen lassen wollen", und be 
merkt weiter, daß er (Führer) „wegen der von 
ihm bezeigten Treue die allerhärtesten Verfol 
gungen" habe erleiden müssen und deshalb 
zunächst um Versetzung in eine andere Kom 
pagnie gebeten, als seineni Wunsche aber nicht 
entsprochen, Jiie Schröder'schen Verfolgungen da 
gegen sich täglich verdoppelt" hätten, sich genöthigt 
gesehen habe, seine Dimission einzureichen. Dieser 
letzte Schritt war jedoch keineswegs ernst gemeint, 
vielmehr, wie aus demselben und auch aus einem 
späteren Schreiben hervorgeht, lediglich in der 
Hoffnung geschehen, von Sr. Hochsürstlichen 
Durchlaucht dem Prinzen Friedrich „nach der 
Ursach dieses Gesuches befragt zu werden". 
y Auch nahm man aus der Angelegenheit Veranlassung, 
eine genaue Bestimmung in Betreff der Anzeigen von 
Vergehen zu treffen — wie es scheint, mit rückwirkender 
Kraft! 
') Wann diese eingereicht wurde, ist nicht genau zu 
ermitteln, vermuthlich kurz vor Beginn des Prozesses.
	        

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