Full text: Hessenland (10.1896)

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Am 10. Dezember hatte er alle Kisten und 
Kasten mit vieler Mühe gepackt und emballirt. 
Auf zwei Wagen waren sie bis Dankerode ge 
fahren und hier in einer Scheune untergebracht. 
Er selbst wartete noch auf Bartels, welcher den 
ersten Wagen nach W., d. h. Witzenhausen, ge 
leitet hatte und jetzt ihm von Kassel einen Paß 
für Frankfurt a. M. mitbringen sollte. Am 
11. Dezember Morgens in aller Frühe ging der 
Transport weiter, auf Ilmwegen und unter 
möglichster Vermeidung der Dörfer auf Jesberg, 
wo Mensing am 12. Nachmittags eintraf und im 
Posthanse beim Postmeister Kniling einkehrte. 
Die grundlosen Wege hatten den Transport 
ungemein erschwert. In Gilsa hörte man, daß Jes 
berg von Franzosen besetzt sei, die dort im -Quartier 
lagen und deren Abmarsch zuvor abgewartet werden 
mußte. Die Wagen blieben solange in Gilsa, und 
trafen erst am 13. morgens in Jesberg ein. Hier 
gönnte Mensing sich bei dem zuverlässigen Post 
meister einen Ruhetag, und dann ging's am 14. 
Morgens weiter, direkt auf Frankfurt. Er hatte nach 
Kassel geschrieben, daß er nun erst wieder von 
sich hören lassen werde, wenn er mündlichen 
Bericht erstatten könne. So wissen wir denn 
auch weiter nichts, als was ein kleiner Zettel 
besagt, der bei den Akten liegt. Auf diesem 
steht zu lesen: 
„Daß vom Herrn Kaufmann Aiensing heute 
folgende neunzehn Kisten, nehmlich *) Nr. 1 
bis 19 richtig bey mir abgeladen worden sind, 
bescheinige hiermit. 
Frankfurth a. M., den 17. Dezember 1806. 
Fr. Scharff." 
Die Millionen waren also geborgen. Auch 
stimmt alles mit der Zeit genau überein, denn 
am 16. Dezember schreiben, wie schon erwähnt, 
die Minister an den Kurfürsten, sie erwarteten 
stündlich die Nachricht, daß alles den Ort seiner 
vorläufigen Bestimmung erreicht habe. Zwei bis 
drei Tage mußten sie sich freilich noch geduldigen. 
Das vorhandene Kapitalvermögen war den 
lüsternen Späheraugen des Landesseindes somit 
vorläufig entrückt. Aber dieser war im Besitz 
der öffentlichen Kassen. Wenn er hier die Bücher 
zu Rathe zog, so konnte er sich nicht nur einen 
genauen Einblick in den Umfang und die Art 
des kurfürstlichen Vermögens verschaffen, er konnte 
*) Zeichen: Zwei zu einem sechsspitzigen Stern ver 
einigte gleichseitige Dreiecke mit einem A in der Mitte. 
auch die ausgeliehencn Kapitalien auf Heller und 
Pfennig feststellen und auf diese seine Hand legen. 
Und in der That waren die Befürchtungen in 
dieser Hinsicht nicht unbegründet, denn Ende 
November war der Generalintendant Marteillvre 
eigens zu dem Zwecke in Kassel erschienen, um 
bei den Kaffendepartements das Vermögen der 
selben ausfindig zu machen und im französischen 
Nutzeit zu verwenden; zu Anfang des Dezember 
befand Lagrange sich im Besitze eines Kapitalien- 
buches der Kriegskasse sowie eines Statuts der 
bei der Oberrentkammer in Kassel tind der Rent- 
kammer in Hanau ausgeliehenen Kapitalien, 
desgleichen des neuesten Kabinetskassen-Etats vom 
Jahre 1806. Wenn er diese Dokumente dem 
Kaiser aushändigte, so konnte man leicht dem 
Kurfürsten die Daumschrauben anlegen, indem 
man Kontributionen in beliebiger Höhe dem 
Lande auferlegte. Einen Anfang in dieser 
Richtung hatte man bereits gemacht: man hatte 
eine Kontribution von 6 Millionen Livres an 
gekündigt mit der ausdrücklichen Erklärung, daß 
solche nach der Intention des Kaisers vorzüglich 
auf des Kurfürsten eigenes Vermögen gelegt 
werden solle, mit der Maßgabe, daß — wenn 
dieses nicht zu erreichen stehe, — die Summe 
durch den Verkauf von Kabinetsgütern gedeckt 
werden solle, deren Besitz den Käufern zu ge 
währleisten sei. ') 
Aber Lagrange war ein vorsichtiger Mann! 
Er hatte dem Kaiser lange nicht alles gesagt, 
was er wußte, sondern das Vermögen des Kur 
fürsten zunächst mit nur 44 Millionen Livres 
angegeben, wobei er als solche Ausstände, aus 
denen die Kontribution an« leichtesten beigetrieben 
werden könnte, nur sechs Posten in einer Höhe 
von 2 331993 Reichsthalern spezifizirte. 8 ) 
Indem Lagrange den Ministern von Waitz 
und von Baumbach, die zwar am 1. Dezember 
von ihm außer Funktion gesetzt, doch zu seinen 
besonderen Zwecken nicht wohl entbehrt werden 
konnten, von söinem Verfahren Mittheilung machte, 
fügte er hinzu, daß, wenn wider Erwarten wegen 
der übrigen, von ihm nicht spezifizirten Summen 
nähere Details verlangt werden sollten, für den 
‘) Schreiben der Minister vom I. Dezember 1806. 
Mss. Hass. fol. 375. 
2 ) Diese waren: 
1) bei dem Großherzog von Baden . . 392 424 Rthlr. 
2) „ „ Prinzen Georg von Waldeck . 30 916 „ 
3) „ „ Fürsten von Hohenzollern- 
Hechingen 84 090 „ 
4) „ den Staaten von Holland . . 544 473 „ 
5) „ dem Herzog von Nassau-Usingen 112 121 „ 
6) „ „ Fürsten von Waldeck . . . 1 167 969 „ 
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