Full text: Hessenland (10.1896)

319 
Der neugegründete Fuldaer Geschieh ts verein 
hielt am 25. November unter Vorsitz des Ober 
bürgermeisters I)r. Antoni seine erste Versammlung 
ab, die recht gut besucht war. Seminardirektor 
Dr. Ernst hielt einen sehr beifällig aufgenommenen 
Vortrag über Heinrich VIII. von Bibra, 
Fürstbischof von Fulda, 1759-1788 (s. auch 
„Hessenland", Jahrgang 1888, S. 293 ff.). 
Eine stattliche Anzahl von Mitgliedern des Ge 
schichtsvereins zu Kassel hatte sich am 23. No 
vember Abends im Saale des evangelischen Vereins- 
Hauses daselbst versammelt, um den nach Hofgeismar 
versetzten Superintendenten Wisse mann, bisher 
zweiten Pfarrer an der Martinskirche zu Kassel, 
einen langjährigen, treuen Angehörigen des Vereins, 
durch ein Abschiedsessen zu ehren, dem auch der 
Oberpräsident Magdeburg, Excellenz, beiwohnte. 
UniversitätsNachrichten. In den Ruhe 
stand trat der ordentliche Professor der Staats 
wissenschaften an der Universität Heidelberg 
Professor Dr. Karl Knies, geboren zu Marburg 
1821. Unser berühmter hessischer Landsmann be 
kleidete seine Professur seit dem Jahre 1865, nach 
dem er vorher in verschiedenen Aemtern thätig 
gewesen war, so seit 1846 als Privatdozent in 
Marburg, dann von 1849 an als Lehrer der 
polytechnischen Schule zu Kassel, seit 1852 als 
Lehrer an der Kantonschule in Schaffhausen, seit 
1855 als Professor der Kameralwissenschaften in 
Freiburg i. Br., seit 1862 als Direktor des badi 
schen Oberschulraths. Diese einflußreiche Stelle 
legte er nieder, als die Regierung den von ihm 
eingeschlagenen Weg verließ. — Als Gelehrter ge 
hört Knies der historischen Schule seiner Wissen 
schaft an, deren Haupt Wilhelm Roscher war. 
Von seinen wissenschaftlichen Werken ist das be 
kannteste „Geld und Kredit", Berlin 1873 bis 
1876, 3 Abtheilungen; 2. Auflage der 1. Ab 
theilung: „Das Geld", 1886. Als seine Erstliugs- 
arbeit ist abgesehen von seiner Dissertation „Historia 
Praenestis oppidi Marb. 1846" die Schrift: 
„Die Statistik als selbständige Wissenschaft" zu 
bezeichnen, die 1850 bei Luclhardt in Kassel er 
schien. Möge dem hochverdienten Forscher ein 
ruhiger Lebensabend beschieden sein. 
Todesfall. Am 13. November starb im 
60. Lebensjahre infolge eines Herzschlags der 
Kaufmann Hermann Ludewig zu Kassel, 
ein Mann von lauterem Charakter und ein warmer 
Freund unserer vaterländischen Geschichte. Hervor 
ragend waren seine Kenntnisse in der Numis 
matik, welche er sich aus Grund einer in früher 
Jugend begonnenen Münzsammlung von schöner 
Ordnung und hohem Werthe erworben hatte. 
«. K. 
—— 
Wcrs 6er hessische Wechnachts-Wüchertisch bietet. 
Die Zeit des höchsten Festes der Christenheit 
naht heran und mit ihm die Veranlassung und 
Gelegenheit die Lieben daheim zu bedenken Gar 
mancher wird wie schon häufig so auch jetzt be 
absichtigen, die Seinigen durch geeigneten Lesestoff 
zu erfreuen. Da ist nun die Wahl bei der Fülle 
des Vorhandenen, die durch die übergroße literarische 
Fruchtbarkeit der Gegenwart bedingt wird, nicht 
leicht. Einem oder dem andern unserer Leser wird 
damit gedient sein, wenigstens über das einen 
Ueberblick zu gewinnen, was an neueren Erscheinungeu 
des Büchermarkts aus das Hessen land Bezug 
hat, bezw. von den hessischen Verlegern geboten 
wird.*) — Was giebt es da für die liebe Jugend 
in den verschiedenen Altersstufen? 
*) Wegen billiger Beschaffung älterer hessischer Bücher rc. 
sei auf die altbekannte Hessische Antiquariats 
buchhandlung (Inh. Hofbuchhändler G. Klaunig) 
in Kassel und auf das reichhaltige Antiquariat von 
Heinrich Schöningh in Münster i. W. verwiesen. 
Ta finden wir z. B. Folgendes angekündigt: 
„Neue Märchen" von KurtNuhn [mit Ab 
bildungen^ , Hanau (Druck und Verlag von 
I. C. Kittsteiner, Hanau-Kesselstadt) 1895, Preis 
2,50 Mark; „Märchen" von Marie Schotten, 
mit Bildern von Adolf Wagner, Kassel (Verlag 
von Gustav Klaunig, Inhaber K. Vietor) 1895; 
vorzüglich auch „Hoffmeisters S ch a tz k ä st l e i n" 
für Knaben und Mädchen, eine neue Sammlung von 
Märchen, Sagen und Erzählungen aus dem Heimath- 
land der Brüder Grimm, mit einem Vorwort 
von Br. Hugo Brunner und einem kolor. Titelbilde, 
geb. 1,20 Mark (Verlag von Th. G. Fisher & Co. 
in Kassel); sodann Eskuche, „Hessische Kinder 
liedchen", in Kassel im Verein mit Johann 
Lewalter gesammelt, Kassel (Verlag von Ernst 
Huhn), 2 Mark. 
Für die reifere Jugend und für Erwachsene 
beiderlei Geschlechts möchten wir erwähnen an 
Dichtungen: „Eddergold", Sagenschatz aus
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.