Full text: Hessenland (10.1896)

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Stadtrath Zickendraht am Sockel des Denkmals 
einen prachtvollen Lorbeerkranz mit roth-weißer 
Schleife nieder, aus welcher in Golddruck die 
Worte angebracht waren: „Dem Erretter ihrer 
Vaterstadt Lingg von Linggenseld — die dankbaren 
Bürger Hersselds." — Weitere Gesangs- und 
Musikvorträge beendigten die Enthüllungsfeier. 
An diese schloß sich am Nachmittag ein Fest 
essen im großen Vereinssaale, sowie Abends ein 
Festkommers, welche den besten Verlauf nahmen. 
Während des Mahles wurde an den zu der 
Feier geladenen, aber wegen seiner nicht unbedenk 
lichen Erkrankung behinderten Großherzog Frie 
drich von Baden telegraphisch ein ehrfurchts 
vollster Gruß gesandt und der Wunsch baldigster 
Genesung ausgesprochen, woraus noch am Abend 
von dem Erbgroßherzog Friedrich ein Dank 
telegramm eintraf, in welchem der Großherzog 
auch seine Freude darüber aussprechen ließ, 
„daß das Andenken an den ihm persön 
lich noch bekannten ehrenwerthen Mann 
von der Stadt so treu bewahrt wird." 
So gab sich denn die ganze aus das Würdigste 
verlaufene Feierlichkeit als ein schönes Zeichen echt 
deutscher Treue. 
Hessischer Geschichtsverein zu Marburg. 
In der Versammlung des hessischen Geschieh ts- 
v er ei ns zu Marburg vom 7. November wies 
der Vorsitzende Archivrath Dr. Könnecke auf den 
neu erschienenen Band der Zeitschrift für hes 
sische Geschichte und Landeskunde hin unter 
besonderer Bezugnahme auf den darin enthaltenen 
Aufsatz des Dr. Kretzschmar in Osnabrück über 
das älteste in der Osnabrücker Gymnasial-Aula auf 
bewahrte Marburger Studentenstammbuch 
aus der Zeit von 1577 —1580. Derselbe legte 
bei dieser Gelegenheit zwei Bilder dieses Stamm 
buches in getreuen farbigen Kopieen vor, von 
denen die eine einen Marburger Studenten und 
eine Marburger Bürgerstochter, die audere den 
Maler des Stammbuches Namens Barthold Paus 
darstellt. Es ist dies die älteste Darstellung 
eines Marburger Studenten. Alsdann berichtete 
Dr. von Petersdorss über Maria, Land 
gräfin von Hessen, geborene Prinzessin von Eng 
land, an der Hand des 1894 erschienenen Buches 
von Dr. Erich Meyer zu Eisenach, über welche 
der Verfasser desselben noch vor dem Erscheinen 
im Verein für hessische Geschichte zu 
Kassel einen höchst beifällig aufgenommenen Vor 
trag hielt. Professor Dr. Eduard Schröder 
war in der Lage einen unter dem bekannten Abt 
Wibald in der Mitte des 12. Jahrhunderts be 
gonnenen Corveyer Codex vorzulegen und an dessen 
Hand die Gebetsverbrüderung des Klosters Corvey 
mit anderen Kirchen und Klöstern, darunter auch 
hessische wie Helmarshausen und Lippolds- 
berg, zu besprechen. Schließlich gelangte noch 
die schätzenswerte Veröffentlichung über die W a n d - 
gemälde des Hessenhoses zu Schmalkalden 
von Dr. Otto Gerland zur Vorlage, ebenso 
treffliche photographische Aufnahmen verschiedener 
Theile der Marienkirche zu Gelnhausen, 
die von Bezirkskonservator Dr. Bickell herrühren. 
Universitätsnachrichten. Aus Anlaß der 
am 8. November vollzogenen Enthüllung des dem 
Rechtsgelehrten Suarez, dem Vater des Preußischen 
Landrechts, in Breslau errichteten Denkmals 
erhielt unser berühmter Landsmann, Professor 
Dr. jur. Stoelzel, vortragender Rath im Justiz 
ministerium und Vorsitzender der Justizprüfungs 
kommission zu Berlin, als Biograph Suarez' von 
der dortigen philosophischen Fakultät die Doktor 
würde honori8 causa. — Dem Privatdozenten der 
alten Geschichte Dr. phil. Walther Judeich zu 
Marburg wurde das Prädikat Professor verliehen. 
Münzsund. Aus Schwarzenhasel (Kreis 
Rotenburg) wird von einem reichen Münzsund 
berichtet, den ein dortiger Bauer auf seinem Grund 
stücke unweit des Dorfes beim Umackern des Landes 
gemacht hat. Wie er ein klirrendes Geräusch ver 
nahm, hatte sein Pflug den unteren Rand einer Schaf- 
schelle zerschnitten und den Bund eines vermoderten 
Lederbeutels mitgenommen. In der vom Rost 
gänzlich zerfressenen Schelle befanden sich 57 Silber 
münzen verschiedener Größe, die meisten noch fast 
völlig blank, ihre Umschrift noch gut lesbar, ein 
Theil allerdings mit Grünspan überzogen. Unter 
den Münzen sind 23 in verschiedener Größe hes 
sischen Ursprungs aus den Jahren 1628 bis 1636, 
6 österreichischer, 13 spanischer Herkunft aus den 
Jahren 1571 und 1572, erstere ohne Jahreszahl, 
die vier schwersten Münzen sind Stücke des ehemaligen 
Königreichs Polen aus den Jahren 1567 bis 1569. 
Den Schluß bilden drei Gruppen englischer Münzen 
aus der Zeit König Eduard's II. (erste Hälfte des 
14. Jahrhunderts), der Königin Elisabeth (zweite 
Hülste des 16. Jahrhunderts), bezw. König 
Jakob's I. (Ansang des 17. Jahrhunderts). Für 
das älteste unter den Fundstücken hält der Pfarrer 
von Schwarzenhasel das kleinste der Sammlung, 
welches nur 10 mm im Durchmesser hält, nicht 
geprägt, sondern gestanzt ist. 
Soeben erschien: „Zeitschrift des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde. 
Neue Folge. Band XX (der ganzen Folge
	        

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