Full text: Hessenland (10.1896)

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Aws aster ««6 neuer Zeit. 
theken. In der Sammlung hessischer Landes 
ordnungen (I, S, 202) findet sich eine Verordnung 
Landgras Philipps des Großmüthigen über die 
Einrichtung und Verwaltung der Universität Mar 
burg, aus welcher solgende Stelle hier mitgetheilt 
sei: „Dieweil auch zu eygner gemeynen Bibliothecen 
inn allen Fakulteten allerhandt Bücher allbereyt 
gezeugt sein, und noch weiter gezeugt werden sollen, 
den Professoribus und Studiosis zum Besten, so 
soll der Rector eynen geschickten Man auß den 
Professoribus ordnen, der diese Bibliothecen ein 
richte und in Verwarung habe, auch jederzeit davon 
Rede und Antwort gebe. Und damit die Bücher 
nit verrückt werden, so sollen sie alle an Ketten 
geschmidt, auch ein ordentlich Inventarium darüber 
gehalten, und eynem jeden Professori und studioso 
vergönnt werden in solche Bibliothecam zu gehen, 
doch daß keyne Bücher privatim davon getragen 
noch verliehen, auch keine Bletter daraus geschnitten 
werden." 
Zwar hängt man heutzutage die besonders werth 
vollen Werke in den Bibliotheken nicht mehr au 
Ketten, aber in sorgsame Obhut werden sie erst 
recht genommen. Im klebrigen soll es auch heute 
noch gelegentlich vorkommen, daß entliehene Bücher 
von dem Entleiher schlecht behandelt werden, und, 
wo nicht mit verminderter Blätterzahl, so doch 
mit Bleistiftstrichen, Bemerkungen oder Tinten 
flecken versehen, sich wieder einstellen. 
— — 
Arrs Keimcrth un6 Jrrenröe. 
Die prächtige Ballade „Der Schmied von Ruhla" 
von Ludwig Mohr (aus dem Zyklus „Ludwig 
der Eiserne"), die sich an der Spitze dieses Heftes 
befindet, druckten wir aus der soeben in hübscher 
Ausstattung erschienenen zweiten Auflage von des 
Dichters „Eddergold" mit dessen gütiger Er 
laubniß ab. 
Denkmalsenthüllung. Am 8. November- 
würde das von Hers seid und seinen Bürgern 
errichtete Lingg - Denkmal unter überaus 
zahlreicher Theilnahme der Bürgerschaft, sowie 
in Anwesenheit vieler von auswärts erschienener 
Söhne der Stadt der Öffentlichkeit übergeben. 
Fast alle Häuser waren zu Ehren des Gedächtnisses 
des edlen Erretters der Stadt mit Flaggenschmuck 
versehen. Nach Einläutung der Feier Morgens 6 Uhr 
fand um 9*/ä Uhr ein Festgottesdienst statt, bei 
welchem Pfarrer Hösbach über die Stelle des 
127. Psalms predigte: „Wo der Herr nicht 
die Stadt behütet, so wachet der Wächter um 
sonst." Um 12 Uhr wurde dann auf dem 
Denkmalsplatz vor dem Stift der Akt der 
eigentlichen Enthüllung vollzogen. Der Stadtrath 
und Bürgerausschuß, die königlichen und kaiser 
lichen Behörden, Schulen und Vereine wie das 
Publikum hatten sich so zahlreich versammelt, daß 
die Fenster der umliegenden Häuser, ja in einem 
Falle sogar ein Hausdach als Zuschauerplatz be 
nutzt wurde. Der Denkmalsplatz war in einem 
großen Halbkreise von hübsch geschmückten Flaggen 
masten umgeben, die durch Guirlanden aus 
Tannengrün miteinander verbunden waren. 
Nach dem Vortrag des Liedes: „Brüder weihet 
Herz und Hand" von Abt durch den Masseuchor 
der Hersselder Gesangvereine, übergab Bürgermeister 
Braun Namens des Denkmalausschusses das Denk 
mal der Stadt Hersfeld mit einer zündenden 
Ansprache, die mit den Worten schloß: „Möge 
das Denkmal unserer Jugend stets, ein Vorbild 
furchtloser und hochherziger Gesinnung, den Mit 
bürgern ein Zeichen der Erinnerung und des 
Dankes für den Helden sein, der Stadt endlich 
zur unvergänglichen Zierde gereichen." Während 
der letzten Worte des Redners war die Hülle des 
Denkmals gefallen, welches sich von seinem Stand 
ort aus aus das Vortheilhasteste darbietet.*) Als 
Vertreter der Stadt übernahm alsdann Stadtrath 
Zicken draht das Denkmal in deren Obhut unter 
Worten des Dankes für alle hochherzigen Geber 
und vornehmlich alle die, welche sich um Ver 
wirklichung der Idee, dem Erretter der Stadt, 
Oberstlieutenant Lingg von Linggenseld, ein Denk 
mal zu errichten, verdient gemacht hätten, in 
der Hoffnung, „daß das eherne Standbild 
immerdar herabblicken möge aus ein blühendes 
Gemeinwesen, aus eine Bürgerschaft, die in echter 
deutscher Treue unerschüttert feststeht zu König 
und Vaterland, zu Kaiser und Reich". Auch legte 
*) Eine Beschreibung des Denkmals findet sich in 
Nr. 12 des laufenden Jahrgangs vom „Hessenland" auf 
S. 166.
	        

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