Full text: Hessenland (10.1896)

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0) hätt' ich Dich, Du Landgraf, Dich weiches Fürstenherz, 
Du solltest härter werden, als diese Stange Erz!" 
Und schneller klingt's vom Amboß zum Liede, das sich spitzt, 
Das Eisen fliegt zum Rühltrog, der brodelnd Wellen spritzt. 
„Der Richter und der Junker, das sind die rechten Zwei, 
Und hat man noch das Pfäfflein, hat man die schönsten Drei. 
Zum Denker jag' den Richter! Dem Junker leg' das Spiel 
Und setz' den schlauen Pfaffen an Deinen Grenzen Ziel!" 
Der Amboß schweigt — erstorben ist damit auch das Lied, 
Der Blasbalg hängt in Ruhe, der letzte Funke glüht. 
Im Walde in der Putte ruht nunmehr still die Nacht, 
Und dennoch liegt drin einer, der immerfort noch 
wacht. — 
Zu Ruhla vor der glitte, im dunklen Fichtenhain 
Steht marschbereit der Jäger im Morgenzwielichtschein 
Und reichet seine Rechte dem ruß'gen Schmiede hin, 
Dem wird's ums perz so enge und wunderbar im Sinn. 
„Pabt Dank, vielwerther Meister, für Euer gastlich Dach! 
Geb' Gott mir, zu vergelten Euch alles Ungemach! 
pabt Dank für Eure Lieder, die härteten ein perz, 
wie Euer braver Kammer gestählt das weiche Erz!" 
Der Meister reißt das Käppchen vom greisen Scheitel schnell, 
Es bebet ihm zum Perzen und perlt am Blick ihm hell; 
Der Jäger schwand im Walde — still betete der Greis: 
„war er es — Gott im Pimmel! — dann sei Dir Lob 
und preis." 
Ludwig Wahr. 
SÄ 
Stempelfehlcr ans Münzen von Hessen-Kassel. 
Von vr. Paul Weinmeister. 
lei Autoren und Setzern ist der Druckfehler 
teufel ein gar gefürchteter Kobold, der ihnen 
böse Streiche zu spielen vermag; es bedarf 
keiner Anführung von Beispielen, die ja jeder 
kennt. Weniger bekannt dürfte dem großen Publi 
kum sein, daß genannter Teufel sich zuweilen auch 
der Inschriften auf Münzen bemächtigt hat und 
— wir wollen es nicht verschworen — noch be 
mächtigen kann. Am ehesten war dies in früheren 
Jahrhunderten möglich; denn erstens verlangten 
die Münzherren damals, daß, zuweilen sogar auf 
ganz kleinen Münzen, ihr voller Titel, natürlich 
in starker Abkürzung (oft nur von jedem Worte 
der Anfangsbuchstabe), sowie das Wappen, der 
Namenszug oder das Bild des Landesherrn, dazu die 
genaue Werthangabe und Bezeichnung des Stückes, 
oft auch der Name des Graveurs und des Münz 
meisters Platz finde, und bei der Zusammcndrüngung 
so vieler Angaben auf kleinem Raume waren 
natürlich leicht Irrthümer möglich; dann aber war 
auch. der Bildungsgrad der Münzbeamten verhält- 
nißmäßig niedrig, und sie verstanden daher wohl 
oft kaum, was sie auf die Münzen setzten. Von 
den Mißverständnissen, Irrthümern und Fehlern 
auf Münzen jener Zeiten möchte ich daher absehen, 
weil es ihrer zn viele sind. lieber solche Stempel 
fehler pflegt auch der Sammler mehr hinweg zu 
sehen, während spätere fehlerhaft geprägte Stücke 
besondere Beachtung finden und einen — oft über 
trieben — hohen Preis haben. 
Ich beginne mit dem vorigen Jahrhundert. 
Von Landgraf Karl (1670—1730) giebt cs 
aus dem Jahre 1727 zwei sonst fast ganz über 
einstimmende Achtelthaler-Stücke, die auf der einen 
Seite Wappen und Jahreszahl, auf der anderen 
die Werthangabe und den abgekürzten Namen des 
damaligen Münzmeisters (Louis Rollin 1723 bis 
1744) zeigen. Aber während die Umschrift auf 
letzterer bei der einen richtig FURSTL: HESS: 
LANDMUNTZ. heißt (bei Hoffmeister 1808 steht 
irrthümlich MUMTZ), steht bei dem anderen (Hoffm. 
1809) FURTL ohne S, was einen Münzenhändler 
in Berlin veranlaßte, unter Hinweis auf diesen 
Fehler 3 Mark für das Stück zu verlangen, während 
es sonst etwa 80 Pfennig kostet. 
Von Friedrich I. (1730—1751) giebt es aus 
dem Jahre 1730 eine» Schmalkaldcr Pfennig mit 
der Inschrift * I * | SCH MALL | PENNIG 
1730 | (Hoffm. 1926), für den schon 2 Mark ver 
langt wurden. Auf einem Heller von 1731 steht 
in dem Worte MÜNTZ der letzte Buchstabe Z in 
Spiegelschrift (Hoffm. 1946). Den wunderbarsten 
Stempelfehler auf den Münzen Friedrich's I., 
wenn nicht gar auf allen bekannten Münzen, zeigt 
ein deshalb sehr gesuchter Schmalkaldcr Heller von 
1736, indem auf ihm das ganze Monogramm E R 
des Landesherrn (der seit 1720 zugleich König 
von Schweden war) in Spiegelschrift erscheint. Der 
betreffende Graveur hat demnach die erste Regel 
des Stempelschneidcrs, daß der Stempel in Spiegel 
schrift zu schneiden ist, außer Acht gelassen. Von 
diesem Stücke (Hoffm. 2002) sagt Joh. Chr. 
Reinhardt in seinem Kupfer-Kabinet (Eisenberg 
1827-1828) unter Nr. 3530: „Der Stempel 
schneider hat auf diesem Stücke seine • Kunst übel 
gezeigt, ob er schon in der Chiffre die Buchstaben 
an ihren Anfangs- und Endzügen geschmückt 
hat. Es ist äuscrst selten." Uebrigens kommt
	        

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