Full text: Hessenland (10.1896)

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Hirnschale als einzigen Ueberrest der Knochen, 
sodann den noch glänzenden, goldgestickten Uniform- 
kragen mit seidener Halsbinde, und da, wo Brust 
linb Leib gelegen hatte, ein Häuschen leichten, 
schwarzen, sich sehr fettig anfühlenden Moders, — 
in diesem die Knöpfe. Der Vorsitzende be 
richtete sodann, daß der hessische Geschichts 
verein von der Stadt Hanau in freundlichster 
Weise zu der Enthüllung des Grimmdenkmals 
eingeladen sei, er selbst dieser Einladung Folge 
geleistet habe und hoch befriedigt von der Feier 
zurückgekehrt sei. Die Mitgliederzahl des Ver 
eins hat sich im Laufe des Sommerhalbjahrs 
um sechs vermehrt, doch ist der infolge der Ab 
haltung der Jahresversammlung in Gersseld 
erhoffte Zuwachs, abgesehen vom Beitritt des 
Rhönklubs, nicht zu vermelden. Aufnahmen von 
der Jahresversammlung und zur Erinnerung an 
die Grimmseier geprägte Medaillen wurden mit den 
geschenkten Knöpfen unter den Anwesenden in Um 
lauf gesetzt. Dr. Schwarzkops zeigte alsdann 
eine im Besitz des Antiquitätenhändlers Cr am er 
befindliche hessische Husarenunterosfiziers - Uniform 
aus den Freiheitskriegen vor, die lebhaftes Interesse 
erregte. Daraus hielt Dr. med. Wilhelm 
Lange den angekündigten Vortrag über „ein 
Bild der Stadt Zierenberg im 14. Jahr 
hundert", dem in seinen äußerst fesselnden, 
namentlich kulturhistorisch sehr werthvollen Aus 
führungen, reicher Beifall zu Theil wurde. Im 
Sinne der Zuhörer sprach Dr. Brunner dem 
Redner, nachdem derselbe geschlossen, im Namen 
des Vereins den verbindlichsten Dank aus in der 
Hoffnung, im nächsten Sommer an Ort und Stelle 
die Fortsetzung zu hören. 
Denkmalsenthüllung. Zu der Enthüllungs- 
seier des Linggdenkmals, welche voraussichtlich 
am 8. November vor sich gehen wird, ist nunmehr 
als Landesherr der Heimath des Oberstlieutenants 
von Lingg auch der Großherzog von Baden 
eingeladen worden. 
Am Abend des 28. Oktober las der Schauspieler 
Wilhelm Diegelmann vom Stadttheater zu 
Frankfurt a. M. im Saale des Hoch'schen Kon 
servatoriums daselbst „Das Arminslied" von 
unserem verehrten Landsmanne Carl Preser in 
Wächtersbach einer ansehnlichen Versammlung vor. 
Dank dem trefflichen Vortrage kamen sowohl die 
dramatisch bewegten als lyrischen Stellen der be 
deutenden Dichtung zu vollendetem Ausdruck. Man 
sah die trefflich gezeichneten Figuren Armin, Thus 
nelda, Legest und die Anderen wahrhaft vor sich 
leben und freute sich an dem Einklang zwischen 
Dichter und Rezitator. Jedem einzelnen Kapitel 
folgte stürmischer Beifall, der sich nach dem Schluffe 
zu steigerte und zuletzt in nicht enden wollendem 
Bravo ausklang. Preser hat das Epos geschrieben, 
um das patriotische Empfinden zu wecken und zu 
stärken. Hoffen wir, daß Herr Tiegelmann Ge 
legenheit findet, nicht nur in Frankfurt, sondern 
auch in anderen deutschen Städten das Epos vor 
zulesen. * 
Festspielaufführung. Am 26. Oktober 
gelangte in Eschwege das Festspiel „Gustav 
Adolf" von Dr. Spindler, welches in Hanau 
bereits früher zur Darstellung gebracht war, durch 
Eschweger Bürger zu einer sehr erfolgreichen Auf 
führung. Alle Mitwirkenden waren mit Lust und 
Liebe bei der Sache, sodaß der Beifall sich von 
Szene zu Szene steigerte. 
Abstellung eines alten Brauches. Mit 
dem Schluß des lausenden Jahres wird in Hom 
berg a. E. nach Beschluß der städtischen Behörden 
eine seit lange bestehende Einrichtung ihr Dasein 
beenden, nämlich das nächtliche „Uhrabblasen" 
vom Kirchthurm, das Ludwig Mohr in seinem 
Roth-Weiß mit: „Was kocht die FrauMerkeln? 
Klöß, Klöß, Klöß" bezeichnet. 
Todesfälle. Am 15. Oktober verschied zu 
Bad Wildungen im 79. Lebensjahre der langjährige 
Landrath des Kreises Homberg, Geh. Regierungs 
rath Otto von Gehren, eine althessische Kern- 
uatm;. Der Verstorbene hat sich in dieser Stellung, 
die er bis kurz vor seinem Tode bekleidete, wie 
als Abgeordneter zum Deutschen Reichstage und 
Preußischen Landtage große Verdienste erworben 
und die Liebe und Hochachtung seiner Kreis 
eingesessenen im vollsten Maße besessen. — Am 
17. Oktober verstarb in Neustrelitz der Ober 
stallmeister des Großherzogs von Mecklenburg- 
Strelitz von Steuber. Der Verblichene, ein 
Sohn des früheren Gesandten, späteren kurhessischen 
Ministers von Steuber zu Kassel, war nach aka 
demischen Studien in Marburg und Heidelberg 
in österreichische Kriegsdienste getreten, in denen 
er bis zum Rittmeister aufrückte, um schließlich 
als Oberstallmeister des Großherzogs nach Neu 
strelitz zu gehen. Die Beerdigung fand am 19. 
Oktober unter reger Betheiligung, namentlich aus 
Osfizierskreisen, aus dem Friedhose zu Kassel statt.
	        

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