Full text: Hessenland (10.1896)

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Späteren Ursprungs sind Naumburg, die neue 
Burg, Sch a umburg (— Warte), Trendelburg 
(Kreisburg), Marburg (Roßburg), Malsburg 
(Richtestätte). 
Denselben Sinn wie Burg haben Stein und. 
Eck in der Zusammensetzung. So ist Rieden^ 
stein Unterburg, Thalburg zu deuten, Wallen - 
stein Waldburg, Wollstein Wvlssburg, Arn 
stein Adlerburg, Grebenstein Grafenburg, 
Waldeck Burg im Walde, Wild eck Burg in 
der Wildniß. Bilstein bezeichnet entweder 
einen beilartigen, scharfkantigen Felsen, wie die 
Grafen von Bilstein Beile im Wappen führten, 
oder die erste Silbe ist das mhd. bil und be 
zeichnet den Augenblick, wo der gejagte Hirsch 
stehn bleibt und sich gegen die verfolgenden Hunde 
zur Wehre setzt*). 
Unzweifelhaft gehören der christlichen Zeit, also 
dem Mittelalter seit den Karolingern, die Orts 
namen auf kirchen, kappel, Münster und 
zell an. Die meisten Namen auf kirchen be 
dürfen keiner Erklärung, nur Reis kirchen bei 
Gießen (975 Richolveschiricha). das wohl nach 
*) Dieselbe Bedeutung „Jagdstein" wird wohl auch 
B i r st c i n habe», vvm mhd. Zeitworte birsen. Die früher 
von mir angenommene keltische Ableitung ist unwahr 
scheinlicher. 
seinem Stifter Richolf benannt ist. Auch iu 
Ruhlkirchen (1288 Rulkirchen) scheint ein 
Personenname zu stecken. Spieskappel bei 
Ziegenhain entlehnte die Vorsilbe erst seit dem 
15. Jahrhundert dem nahen Grenzwalde. Sal 
münster bei Gelnhausen (909 Salchinmunstern) 
hängt mit dem Personennamen Salich zusammen. 
Die mit zell gebildeten Ortsnamen weisen auf 
die Ansidelung von Mönchen hin; bei Fulda 
sind sie besonders häufig. Arzell (alt Agecella) 
erinnert an den Personennamen Ago, Gläser 
zell an Glasbrenner, wie die Mönche des Mittel 
alters ja in jeder Kunst und jcdenl Handwerke 
bewandert waren. Bronzells alter Name ist 
Premestescclla; darin muß, nachdem anlautenden 
P zu urtheilen, ein undeutscher (slavischer?) 
Name enthalten sein. Maberzell (alt Mage- 
brahcella) gehört zu Maginbraht, Mackenzell 
zu Macco, Uerzell zu Uro, Künzell vielleicht 
zu Kuvno. 
Viele hessische Ortsnamen fehlen in diesem 
Aufsatze. Aber das läßt sich aus dem obigen 
unvollständigen Verzeichnisse mit Sicherheit schließen, 
daß man kaum bei der Hälfte der Ortsnamen 
die heutige Form einer Erklärung zu Grunde 
legen darf, und daß trotz der sorgfältigsten 
Beobachtung der alten Schreibweisen manche 
Deutungen nur möglich oder wahrscheinlich bleiben. 
Nie grosiherzoglich hessischen Truppen in den Kriegen der Nhein- 
dundszeit und die amtliche Presse des Landes. 
Von Professor O. Büchner. 
iFortsetzung.) 
7p ie drei Füsilierbataillone, das Regiment Groß- 
Ms und Erbprinz, die Reiterei und eine halbe 
Batterie (die ganze war durch ein Versehen 
mit Augereau's Armeecorps nach Polen marschirt) 
zogen von Erfurt nach Magdeburg, Küstrin und 
Bromberg, wohin ihnen das Leibgarde- und Leib 
regiment nacheilte. 
Sie erhielten in den letzten Tagen des De 
zember Befehl zum Corps von N e y zu stoßen, 
überschritten am 2. Januar 1807 die Weichsel 
und blieben vom 6. bis 17. Januar in Kantonne- 
inents in Neumarkt. Dadurch daß am 11. Januar 
das 1. Leibfüsilierbataillvn ein preußisches Ma 
gazin mit mehreren tausend Scheffeln Getreide und 
Fouragc in Dentsch-Eylau und vierzehn Wagen mit 
Proviant und Fouragc bei Freistadt wegnahm, 
war der Unterhalt der Truppen in dieser wüsten 
Gegend sehr erleichtert. Am 18. Januar rückten 
die hessischen Truppen zur Einschließung von 
Graudenz ab. Am 22. Januar wurde die S ta d t 
erobert; 3 Mann waren todt, 14 leicht ver 
wundet und 10 vermißt. Der Verlust der 
Feinde war viel beträchtlicher; 54 derselben 
wurden gefangen. Doch wurde die Blokade der 
Festung Graudenz in der Nacht vom 28. auf 
den 29. Januar aufgehoben, und die gesammten 
Truppen zogen sich zurück. Die Füsilierbataillone 
und die Reiterei bildeten die Nachhut, wurden 
aber nicht vom Feinde belästigt. Sie marschirten 
über Rheden nach Thorn, wo sich die drei Regi 
menter befanden. 
Die hessischen Truppen wurden nun dem 
Armeecorps des Reichsmarschalls Lefebvre zu 
getheilt. Generalmajor von Schüsser erhielt
	        

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