Full text: Hessenland (10.1896)

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in Kassel. — Vielleicht könnte der Brunnen in 
seiner alten Gestalt an einer anderen Stelle wieder 
ausgebaut werden ; oder es müßten wenigstens die 
interessanten Atchitekturtheile gerettet werden. 
, tz. K. 
Wie die Tageszeitungen s. Z. berichteten, verschied 
am 15. August in Mazatlan (Mexiko) der in 
deutschen Handels- und Schifffahrtskreisen wohl 
bekannte Apotheker Fritz Kördell, dessen Haus 
den Mittelpunkt für die deutsche Gesellschaft an 
der Westküste voll Mexiko bildete. Die Verdienste 
des Entschlafenen um das Deutschthum in Mexiko 
und seilte patriotische Gesinnung fanden in weiten 
Kreisen besondere Anerkennung. Pon dem Ver 
storbellen nahestehender Seite wird uns über dessen 
Lebensgang folgendes Ausführlichere mitgetheilt. 
Kördell, ein Sohn des damaligell Laudesbau 
kommissars, späteren Eisenbahnbau- und Betriebs 
inspektors zu Kassel, Karl Kördell, ist zu Velmeden 
am 1. November 1837 geboren, hat das Gymnasium 
zu Kassel besucht und sich dann der Pharmazie ge 
widmet, war auch in diesem Berufe in Hamburg 
und Altona thätig, bis er im Jahre 1863 dem 
Rufe eines Deutschamerikaners zur Uebersiedelung 
nach Mexiko Folge leistete. Nachdem er dort 
mehreren Orts bei deutschen Apothekern in Stel 
lung gewesen war, erwarb er die mit einer schwung 
haften Droguenhandlung verbundene Uotioa 
Alemana (deutsche Apotheke) in der industrie 
reichen Hafenstadt Mazatlan für eigene Rechnung. 
Jedem Deutschen, der dorthin kam, wurde bei 
„Don Federico" gastliche Aufnahme zu Theil. 
Nicht nur die deutsche Bevölkerung an der West 
küste Mexiko's, sondern ganz Mazatlan ist der 
dortigen Tageszeitung zufolge mit seinen zahl 
reichen Fremlden und Verwandten in der alten 
Heimath über seinen Heimgang tief betrübt. 
Hessische Wochenschau. 
Zedler, Dr. Gottfried (Bibliothekar der Königl. 
Landesbibliothek zu Wiesbaden), Geschichte 
der Ulliversitätsbibliothek zu Mar 
burg von 1527 bis 1887. Mit drei Tafeln. 
Marburg, N. G. Elwert'sche Verlagsbuchhand 
lung, 1896. XII und 166 S. 8 °. Mark 4,50. 
Bisher war die Geschichte der vier großen 
hessischen Bibliotheken nur in Bruchstücken bekannt: 
Zedler's Geschichte der Marburger Bibliothek ist die 
erste ebenso gründliche wie umfassende Darstellung 
der gesammten Geschichte eines dieser wissen 
schaftlichen Institute. 
In drei Abschnitten: I. Von der Gründung bis 
zur Estor'schen Sammlung (1527 — 1768); II. Die 
zunehmende Bedeutung der Bibliothek infolge be 
sonderer Erwerbungen (1768—1815); III. Die 
weitere Entwickelung der Bibliothek bis zum Auf 
hören ihrer nebenamtlichen Verwaltung (1815 bis 
1887) führt uns Zedler's Werk die äußere und 
innere Geschichte der Marburger Universitätsbiblio 
thek vor. 
Ein Kind der Reformationszeit gleich der Mar 
burger Universität, hat, wie dieser die Einkünfte 
hessischer Klöster zum Unterhalt zugewiesen wurden, 
die Universitätsbibliothek zuerst die Bestände 
einzelner oberhessischer Kirchen- und Kloster 
bibliotheken in sich aufgenommen. Nur in be 
schränktem Maße: denn manche Klöster versuchten 
es, ihre Büchereien in Sicherheit zu bringen (so 
Breitenau nach Bursselde und Corvey), andere 
mußten ihre Bestände zur Kasseler Bibliothek in 
der Martinskirche, dem Grundstock der heutigen 
Landesbibliothek, die also von Anfang an sich als 
ein sehr entschiedenes Konkurrenzunternehmen gegen 
die Marburger darstellt, abgeben, wieder andere 
Kirchen blieben, was Zedler entgangen ist, noch 
lange im ruhigen Besitz ihrer Bücherschätze, wie 
z. B. Wetter, das erst infolge landgräflicher Ver 
fügung von 1718 eine größere Anzahl von Werken 
nach Kassel abliefern mußte (vergl. „Hessenland" 
1896, S. 54). Nach einem ersten Unterschlupf 
aus dem Marburger Landgrasenschloß wurde der 
Universitätsbibliothek wahrscheinlich schon 1532 das 
Barfüßerkloster zugewiesen, welches ihr mit einzelnen 
Unterbrechungen bis aus den heutigen Tag als 
Heim dient. Der anfängliche, recht bedeutende 
Jahresverlag von 200 fl. wurde bald auf 100, 
1657 aus 50 fl. herabgesetzt, um erst unter der 
westfälischen Regierung (1810) vorübergehend auf 
3000 Fr. erhöht zu werden; seit 1815 (440 Thlr. 
20 Alb.) hat die hessische und dann die preußische Re 
gierung das Einkommen beständig steigen lassen. Wäh 
rend noch 1787 die Marburger Bibliothek bei ihrem 
ständigen Verlag von 40 Thlr. 20 Alb. nicht 
entfernt daran denken konnte, mit der landgräflichen 
Bibliothek in Kassel, die über einen Jahresverlag 
von 400 Thlrn. verfügte, zu konkurriren, hat sich 
das sinanzielle Verhältniß und damit auch die
	        

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