Full text: Hessenland (10.1896)

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Entstehung und Abteilung hessischer Ortsnamen 
Von Dr. L. Armbrust. 
(Fortsetzung.) 
ie letzten beiden Beispiele im vorigen Heft führen 
uns auf die sehr häufigen Ortsnamen auf d v rs,, 
von denen einzelne in die Merowingerzeit zurück 
gehen. Die Hessen zeigten also schon frühe Neigung 
zu gemeinsamen Ansiedlungen, die bessere Gelegen-, 
heit zur Abwehr feindlicher Unternehmungen boten. 
Als Beispiele mögen dienen: Oldendorf u.nd. 
Allendorf (altes Dorf), Nenndorf (um luTO'* 
Nianthorpe, neues Dorf), Antendorf bei Obern^ 
kirchen (1182 Antendvrp, wohl Entendors), Hals 
dvrf bei Grifte (hal — Hügel), Hesseldorf (vom 
Haselstrauche), Mardorf (von Mähre, Roß), 
ebenso Roßdorf. Natürlich sind einzelne Per 
sonen häufig die Gründer oder ersten Besitzer. 
Das beweisen B e n g e n d o r f bei Friedewald (von 
Benning), Bernsdvrf (alt Bernhardesdorp) 
Bvttendorf (früher Boppendorf, angeblich von 
Bvppo von Reichenbach uni 1150 gegründet), 
Eulersdorf(1270 Ailhardesdorph), Gersdorf 
(um 1130 Geroldesdorf), Heddersdorf (früher 
Hertwigesdorf). Bei weitem die meisten Orte 
dieser Klasse sind aber untergegangen. 
An das Dorf möge sich das Feld reihen: 
Goßfelden an der Lahn hängt mit gießen, 
Guß zusammen, Barchfeld (933 Barcfelda) 
mit bare, Schwein, Wiesenfeld (alt Wesentvelt) 
mit dem nahen Verwandten des Ures oder Auer 
ochsen. Hers seid (alt Haireulfesfelt) kommt 
anscheinend von einem alten Personennamen her, 
obwohl die Stelle bei der Klostergründnng erst 
urbar gemacht wurde, und der Urwald doch nicht 
leicht Besitz oder Aufenthaltsort einer einzelne« 
Person war. Hünfeld (781 Unoselt, 825 HunH 
feld) führt auf hun, Riese zurück, Hatzfeld auf 
den Männernamen Hazo, Ar ms feld (1244 
Ernbretchesvelde) auf einen Ehrenbrecht, Gers 
feld auf Gero, Landefeld aufLando; Rems 
feld hieß vor alters Rimegozesvelde, Rixfeld 
Ruohgisesfelt; Battenfeld (8. Jahrh. Baddan- 
feldun) mag nach dem chattischen Stamme der 
Batten benannt sein. 
Von Wiese sind nur Wiesen bei Fulda urch 
wenige andere abzuleiten, von Süß (Weidegut) 
nur Süß undHohesüß bei Nentershausen und 
bei Sontra Rocken süß. In den ersten beiden 
Silben des letzten Wortes kann ein Personen 
namen enthalten sein. 
Mit Weg sind Eschwege und Schlechten 
wegen (alt Scliedenweg von sclied, Abhang) 
zusammengesetzt, mit Brücke und Spicke: 
Bruchenbrücken (Sumpfbrücke), Waltersbrück. 
Brückermühle, Speckswinkel (Winkel an 
der Brücke, am Stege). 
Die meisten Ortsnamen, die einer Furt ihren 
Namen verdanken, erklären sich selbst. Erwähnens- 
werth ist Hemfurt beiWaldcck(1237 Hancvvrde, 
pmihang, Hügel), während Trocken - und Nassen- 
erfurt (1040 Erffrede, 1123 Erffrith) und 
Erfurtshausen (um 920 Erfradeshusen) 
augenscheinlich mit Furt nichts zu thun haben, 
sondern von den Personennamen Erffried (?) und 
Erfrat herrühr-M-l»)»^ chizlp tintD mfai s'iM) 
Das Wort Au bezeichnet Insel, Halbinsel, 
feuchtes, am Wasser gelegenes Land. Es kehrt 
einfach und unverändert als Name verschiedener 
Dörfer und in Mühlen- und Flurbenennungen 
wieder, ferner in Hanau (alt Hagenowa, also 
feuchte Lichtung im Haine, Walde, wie Lichtenau), 
Gronau (von gruoni, grün), Grebenau (alt 
Grabanouva : Grafenau). Oft ist die heutige 
Endung all aber aus anderen Bildungssilben ent 
standen, so Ottrau aus Ottraha (Fischotterbach), 
Steinau aus Steinaha, Waldau aus Waldaha, 
Heidau aus Heida, Heide. Melnau gar aus 
„(de)m(e) Elnhaug" (— zu dem hohen Hügel, 
wie ellenvehte tapfrer Fechter, ellenvrech kühn und 
keck bedeutet). 
Das altdeutsche Wort für den lateinischen Aus 
druck Insel ist warid, später wert, erhalten in 
den Ortsnamen Wehrda. Büchenwerra (ehe 
mals Buchenwerde, älter Buheehenenwird: Buchen 
insel), Lindewerra und in zahlreichen Flur 
namen, wie Blumeuwerder und Tanzwerder 
bei Münden, a u f d e m W e r r bei Melsungen u. s. w. 
Von den zahlreichen mit Bach gebildeten Orts 
namen bedürfen nur wenige der Erklärung. 
Griffel buch scheint Kiesbach zu sein, Molz 
bach Schmelzbach wie Mülmisch, Michelbach 
ist Grvßbach, Leimbach und Schlierbach 
Lehmbach, Schorbach Felsbach, Treisbach 
Trieschbach. Brachbach. Die verschiedenen Ellen- 
bach können nach dem Elentiere (elaho) benannt 
sein, wie 1059 im Flußgebiete der Kinzig ein 
Elehenbach erwähnt wird, dessen Herkunft von 
elaho unzweifelhaft ist. Bernbach wird von 
Bären häufig aufgesucht sein, Heimbach, Ham 
bach, Heinebach lagen ursprünglich im Haine, 
im eingehegten Walde. Selten sind Verbindungen 
mit Personennamen, wie Dammersbach (von 
Dagamar), Halsbach (Hahold), Wattenbach
	        

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