Full text: Hessenland (10.1896)

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Uun kehrst du lvreder, mild und krredensLwLI, 
Du Tröster meiner nnruhbollen Seele, 
Der du den Tod so liedeboll öerkündest 
Und hold berklarst mit Loundersumer Schönheit, 
O sel'ger Herbst! 
Vom langen Aeben müde — 
Da Gott mich doch kür einst'ges Sterben schuk — 
Orüss ich dich keierlich und still ergeben. 
Du LoecKst der purpurrothen Hlatter Zier 
Auk Gräbern, die ich liebe, und berklarst 
Zu hell'rem Golde meines Kindes Haar. 
Du bringst die Farbe, und du bringst die Frucht. 
Die Aster bringst du und die Sonnenblume. 
Du hegst die Herbstzeitlose tret im Gras, 
Die Todesblume, die so schLoeigsam blüht. 
O sel'ger Herbst, du ziehst einher so strahlend 
Und karbenkroh und singst bacchantisch 
Dein Uied bom Wein —, bom lauten Rausch des Jebens, 
Auk den des Winters tiekes Schtveigen kolgt, 
Des Todes Achtungen. — Sel'ger Herbst, du streichst 
Mit Jacheln mild das Uaub bon deinen ZLoeigen, 
Dass es harmonisch — ein gesung'ner Ton — 
Hernieder sinkt in den smaragd'nen Käsen. 
Du giebst der Sonne ein behängtes Iicht 
Und LoecKst den Geist des todten Frühlings auk. 
Du LoecKst das HeimLoeh in des Fremdlings Seele 
Und sprichst ihm bon der Schönheit, die jetzt ruht 
Auk kernen Hügeln. Von der Webe sprichst dn —, 
Dicht bon der Lvilden Keidenschakt der Iiebe, 
Dein, bon der Iiebe, die da lächelnd segnet 
Und gnadenboll und rückhaltlos berzeiht. 
Therese Keiler - Kellner. 
Me Kermessäute 
Novellette von 
^b^räulein Linchen wollte sich eben noch einmal 
<är in wichtige Stellen des letzten kulturhistorischen 
Werkes ihres Bruders vertiefen, als es leise an 
die Thüre ihres behaglichen Zimmers klopfte. 
Schnell legte sie die Blätter in die Mappe zurück, 
rief „Herein!" und beugte den bereits stark er 
grauten Kopf etwas vor, um sogleich zu sehen, 
wer denn noch nach Ablauf der nachmittäglichen 
Besuchsstunde zu ihr kommen würde. Die Damen 
der kleinen mitteldeutschen Universität pflegten sich 
stets streng an die Besuchszeit zu halten und nur 
bei den nächsten Freundinnen Ausnahmen von 
der Regel zu machen. Eine Freundin besaß 
Fräulein Linchen aber nicht, weil der Umgang 
mit ihrem geistig bedeutenden Bruder das Be 
dürfniß nach einer solchen gar nicht in ihr auf 
kommen ließ. Er vereinigte für sie alles Gute, 
Schöne und Beglückende und ersetzte ihr schon 
seit Jahren Eltern, Geschwister, Freunde und 
sonstige Beziehungen, die anderen Frauen das 
Leben werthvoll machen und verschönen. 
Fräulein Linchen hatte sich bereits erhoben, da 
trat eine alte Dame in's Zimmer und streckte 
ihr in sichtlicher Bewegung beide Hände entgegen. 
Nachdruck verboten. 
Einen Augenblick ruhten die Blicke der Anderen 
forschend auf dem bleichen, abgehärmten Gesicht, 
dann stieß sie einen leisen Freudenlaut aus 
und rief, die Angekommene herzlich umarmend: 
„Ach, Sie sind es, Frau Doktor! An Sie hätte 
ich aber wirklich nicht gedacht! Wie lange ist's 
aber auch her, seit wir uns nicht gesehen haben!" 
„Ueber zwanzig Jahre, Fräulein Dernholz," 
erklärte die Angeredete und ließ sich von der 
Anderen zum nahen Sopha geleiten. „Es war 
kurz vor Bernhard's Tod. Sie traten damals 
gerade Ihre Stelle als Erzieherin bei der Fürstin 
Wengern an." 
Als Frau Doktor Braun ihren verstorbenen 
Bruder erwähnte, huschte es wie ein Schatten 
über Fräulein Linchens Gesicht. Sie antwortete 
nicht gleich, erst nach einer Weile sagte sie etwas 
beklommen. „Sie waren damals böse auf mich 
und konnten mich nicht begreifen, Frau Doktor." 
„Damals, ja", gab die Angeredete ehrlich zu. 
„Konnte ich doch nicht ahnen, wie bald ein Un 
glücksfall dem guten Bernhard das Leben rauben 
sollte! Und wenn ich es um meines Bruders 
willen nicht zu fassen vermochte und auch für 
unnatürlich hielt, daß ein gereiftes Mädchen sein
	        

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