Full text: Hessenland (10.1896)

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Eröffnung an, setzte sich darauf wegen baldiger 
Annahme der zugesagten Summe und Stellung 
der begehrten Sicherheit mit demselben in Brief 
wechsel und benachrichtigte auch in aller Eile den 
Prinzen von Oranien von der seitens des Kur 
fürsten ertheilten Zusage. 
Wie betroffen aber ward er, als er nach Kassel 
zurückgekehrt durch das Antwortschreiben des Grafen 
und auf anderen Wegen erfuhr, daß dieser weder 
geneigt noch im Stande war, die vorbehaltene 
Bürgschaft zu leisten. Er schrieb dem Kammer 
meister, er sei ein armer, unbegüterter Graf, dessen 
Vermögen den Wechslern, die vollständige Sicher 
heit ans gemachte Anfrage begehrten, kein hin 
reichendes Unterpfand für die zu zahlende große 
Summe darbiete, auch würden seine Brüder in 
die Verpfändung des Amtes Frankershausen (des 
einzigen Grundbesitzes, den er gehabt zu haben 
scheint) nicht einwilligen. Auch benachrichtigte 
Oranien den Kammermeister, daß der Graf bereits 
mehr, als sein Vermögen erlaube, für ihn gethan 
habe, und er, der Prinz, bei den Ausgaben, die 
er schon aufgewendet, und den Konfiskationen, 
die über sein Vermögen verhängt worden, die 
erforderliche Rückbürgschaft keineswegs würde auf 
bringen können. 
Da die gehoffte Vorschußleistung des Kurfürsten 
somit sich zu zerschlagen schien, so würde nunmehr 
auch der Landgraf sich einer Unterstützung des 
Prinzen, ohne Verletzung der Rücksichten, die er 
für diesen zu nehmen hatte, sich haben entschlagen 
können, und würde, wäre er so furchtsam und unbe 
ständig wie andere seiner Glaubensgenossen gewesen, 
dies um so sicherer gethan haben, als der Ausgang 
der Jemgumer Schlacht inzwischen noch begründetere 
Zweifel an dem Gelingen des Unternehmens des 
Prinzen hervorgerufen hatte. Der Landgraf mußte 
den Spaniern schon durch den bevorstehenden 
Uebertritt seines Obersten von Rolshausen in den 
Dienst des Prinzen noch mehr verdächtig werden, 
zudem war es nicht unwahrscheinlich, daß Alba 
schon damals von Friesland aus mit Angriffen auf 
die evangelischen Fürsten, welche er für Anhänger 
des Prinzen hielt, namentlich auch die Grafen 
von Oldenburg und Schaumburg, von 
denen der letztere ein Vasall des Landgrafen war, 
den Anfang machen konnte, und Landgraf Wilhelm 
fürchtete in der That diesen Angriff.*) 
Da er sich indessen durch nichts in der Ansicht 
von der Wichtigkeit des Feldzugs für die Sache 
der Evangelischen in Deutschland irre machen 
ließ, gleichzeitig auch neue Bittschriften des Prinzen 
*) Groen van Prinsterer, Archives ou correspondance 
inedite de la maison d’Orange-Nassau, III, S. 275, 
eingingen, der am 8. August auf dem Muster- 
platz einzutreffen fortdauernd gesonnen war, so 
entschloß der Landgraf sich schnell, auch ohne 
Mitwirkung des Kurfürsten nunmehr dem Prinzen 
in der Art zu Hilfe zu kommen, daß er ihm 
eiligst die Summe von 30000 fl. insgeheim 
unter fremdem Namen zustellen ließ. Bing er 
hielt nämlich Auftrag, die Summe aus des Land 
grafen Privatkasse zu entnehmen und dem Obristen 
von Rolshausen, der am 2. August desselben 
Jahres von Kassel zu dem Prinzen abzog, für 
letzteren mitzugeben, dem Prinzen aber, welchen 
der Landgraf seinerseits benachrichtigte, daß er 
in das unternommene Kriegswerk sich nicht ein 
lassen könne, zu eröffnen, daß er, Bing, mit noch 
eiüigen anderen Freunden zur Unterstützung des 
begonnenen christlichen Werks sich zusammengethan 
habe, um die gewünschten 30000 fl. aus ihrem 
eigenen Vermögen ihm zukommen zu lassen. 
An Rückerstattung nebst Zinsen, wegen deren man 
sich hiernächst schon verständigen wolle, brauche 
er erst nach Beendigung des Krieges, wenn er in 
dessen Folge wieder zu dem abgedrungenen Land 
und Leuten gelangt sein sollte, zu denken und 
auch Sicherheit nur durch allgemeine Ver 
pfändung seines Vermögens nach dem mit bei 
gelegten Scheine zu leisten. Was ganz besonders 
vorbehalten werde, sei die höchste Geheimhaltung, 
nicht einmal seiner Gattin möge er etwas davon 
mittheilen, denn „wenn davon etwas laut werde, 
so würde es ihm (Bing) bei seinem gnädigen 
Fürsten und Herrn eine große Ungnade zu Wege 
bringen, indem seine fürstliche Gnaden mit diesen 
Dingen nichts zu thun haben wollten, dessen seine 
hochfürstliche Gnaden stattliche Motive trügen". 
Rolshausen überbrachte dem Prinzen Wilhelm 
von Oranien bei seiner Ankunft die Summe 
wirklich, und dieser stellte bereits am 4. August 
eine Schuldverschreibung aus, die nach dem zu 
gestellten Formular auf Friedrich von Rolshausen, 
Simon Bing, Hans Diegel zu Oberkaufungen 
und Georg Geercke, Salzgrafen zu Allendorf, als 
Gläubiger lautete; versehen mit einem Revers 
Rolshausen's und Bing's von demselben Tage, 
daß solche dem Landgrafen zustehe und dieser der 
eigentliche Gläubiger sei und nicht sie und die 
übrigen in der Obligation genannten Diener, 
wurde die Schuldverschreibung zum Kabinette 
abgegeben und später noch aus Vorsorge vom 
Prinzen Wilhelm von Oranien, neben Rück 
sendung des mitgetheilten Entwurfs, durch eine 
weitere Erklärung vervollständigt, daß die von 
ihm und seinem Bruder übernommene Verpflich 
tung für jeden sonstigen rechtlichen Inhaber der 
Obligation Gültigkeit haben sollte.
	        

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