Full text: Hessenland (10.1896)

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Aus alter und neuer Zeit. 
Verordnungen des Landgrafen Karl 
gegendie Höhe der Gerichtskosten. Wie 
aus mehreren Verordnungen in der Sammlung 
hessischer Landesordnungen, u. a. vom 26. Sep 
tember 1718, vom 9. November 1720 und vom 
Oktober 1722 (III. S. 802, 847 bezw. 887) 
bekannt ist, gehörte es zu den größten Verdiensten 
Landgraf KarPs um seine Unterthanen, daß er 
eifrig bemüht war, diesen möglichst beschleunigtes 
Gerichtsverfahren und billige und gerechte Rechts 
pflege zu sichern. 
Im Zusammenhang mit diesen Verordnungen ver 
dient eine bislang ungedruckte (in der Ständischen 
Landesbibliothek zu Kassel aufbewahrte), aus 
Kassel vom 12. Oktober 1722 datirte Verordnung 
des Landgrafen der Oeffentlichkeit zugänglich zu 
werden, an der Hand deren der Landgraf die Kasseler 
Regierung aufforderte, zu „überlegen und 
Vorschläge zu thun, wie die peinlichen 
Processe und deren Kosten zu moderiren". 
Sie lautet folgendermaßen: 
„Nachdem Wir in Erfahrung gebracht, daß 
an vielen Orten unserer Lande einestheils mit 
Erkennung des peinlichen Processus oft zu facil 
verfahren, anderntheils aber auch die daraus 
gehende Kosten, welche sowohl das peinliche Ge 
richt als auch der Amtsankläger und Vertheidiger 
nachgehends praetendiren, insgemein die Geld 
strafe selbsten, worin die Oondemnation ge 
schiehet, weit übersteigen, und obgleich solche 
Expensen alzu excessive oder auch nur obenhin 
specificiret, dennoch ohne einige vorgängige 
Moderation von denen Delinquenten beygetrieben 
zu werden pflegen, und aber ein solches zur 
mercklichen Betruckung unserer Unterthanen ge 
reichet, weswegen wir denn zwar in anno 1720 
bereits eine Verordnung, soviel ersagte Mode 
ration betrifft, gnädigst ergehen laßen, worin 
jedoch aber unserer mit der peinlichen Gerichts 
barkeit belehnten Va8a11en nicht gedacht, mithin 
ratione dieser Richter und lustitiarien erwehnte 
vorige Verordnung bis dahero unserer Gnädigsten 
Intention noch nicht zur Würcklichkeit gebracht 
worden; als befehlen wir Unserer hiesigen nach 
gesetzten Regierung Gnädigst wohl zu überlegen, 
folglich uns unterthänigst ohnmasgebige Vor 
schläge zu thun, welcher Gestalt 1. durchgehends 
in Unseren Landen die Gerichtskosten in pein 
lichen Sachen auf einen gleichförmigen sicheren 
und zugleich leidlichen Fues zu setzen, zumahl 
in der ^ccidentalordnung nicht alle peinlichen 
Handlungen und was an Gerichtsgebühren 
davon abzutragen specifice ausgedrucket; sodann 
2tens yh uttb welcher Gestalt die insgemein 
langjährigen peinliche Processus zu abbreviirm; 
nichtweniger 3 ten§ durch eine Generalverordnung 
allen denen, welche die Peinlichkeit zu exercmtt 
haben, es seyen dieselben, wer sie wollen, nie 
mand ausbeschieden, zu intimiren, daß selbige 
vor Anfang des peinlichen Processus den In- 
quisitionsacta zu unser hiesigen Regierung, da 
mit diese, ob die Sache zur Criminalitaet 
qualificmt exarniniren könne, einsenden; ingleichen 
4^ns durchgehends ohne Ausnahme alle pein 
liche Richter nicht nur die Urtheile ad con- vel 
reformandam, sondern daneben auch finito pro 
cessu eine Specification derer sämmtlichen pein 
lichen Gerichtskosten mit dem Endurtheil ad 
moderandum jedesmahlen punctatim einschicken 
müsse; sodann unserer darüber dem Befinden 
nach ferner zu ertheilenden Gnädigsten Resolution 
unterthänigst zu gewärtigen." 
Der Fuldaer Landsturm 1817. Im 
Jahre 1813 wurde im Gebiete des bisherigen 
Großherzogthums Frankfurt ein Land 
wehr-Regiment gebildet, das größtentheils aus 
Männern von 30 bis 40 Jahren bestand. Die 
Bataillone hatten ihre Standquartiere in Hanau, 
Aschasfenburg und Fulda. Sie wurden von 
ausgedienten Soldaten, die man zu Unteroffizieren 
machte, einexerzirt. 
Nachdem Fulda 1816 dem Kurfürstenthum 
Hessen einverleibt worden war, wurde das dortige 
Landwehrbataillon dem Landsturm zugetheilt und 
erhielt die hessische Dienstkleidung. Der als 
kurfürstlicher Oberlandforstmeister in Kassel ver 
storbene Landforstmeister H artig in Fulda war 
Inspekteur des Fuldaer Landsturms. In unserem 
Besitz befindet sich die Abschrift eines Erlasses 
des Generalkriegskollegiums zu Kassel an 
Hartig, die Kleidung des Landsturms betreffend, 
welche wir nachstehend wortgetreu mittheilen: 
„An den Herrn Inspecteur des Landsturms 
im Großherzogthum Fulda. 
Auf Ihre beim General Adjutanten, General- 
Major v. Thümmel unterm 2. d. gethane 
und von diesem anher abgegebene Anfrage, 
machen wir Ihnen bekannt, daß auf allerhöchsten 
Befehl, die Uniform für die Osficiers beim Land 
sturm aus einem dunkelblauen Rock mit schwarzem 
Kragen und Aufschlägen, nebst einer Reihe weißer 
Knöpfe mit dem Wappen des Großherzogthums 
' und weißer Weste und Unterkleider (!) bestehen 
soll, jedoch einem jeden Osficier die Anschaffung 
der Uniform überlassen bleibt, bemerken übrigens,
	        

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