Full text: Hessenland (10.1896)

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aufgewachsenen großen Schulden hatte tilgen 
können rind daß auch sonst schon von jener Zeit ab 
trotz noch wiederholter Kriegsheiinsuchungen ihr 
Land sich wenigstens in den Anfängen einer besseren 
Zukunft befand. 
Die Landgräfin war erst sechsundvierzig Jahre 
alt, als der westfälische Friede zum Abschluß kam. 
Man hätte erwarten dürfen, daß sie noch lange 
Jahre der Früchte des Friedens sich würde er 
freuen können. Aber auch Amelia erlag dem 
Geschick ihres Hauses. Auch sie war von Jugend 
auf von schwacher Gesundheit; seit ihrer Ver 
heiratung kränkelte sie; ihr schwerer Lebensgang 
hatte ihre Kräfte aufgezehrt. Im Herbst 1650 
legt sie in feierlicher Versammlung der Stände 
im Schloß zu Kassel die Regierung in die Hände 
ihres nun großjährigen Sohnes, Wilhelm's VI., 
nieder. Im Frühjahr 1651 begiebt sie sich nach 
Heidelberg zu ihrer Tochter Charlotte, die sie 
ihrem pfälzischen Steffen Karl Ludwig vermählt 
hatte, dem Sohn des geächteten Friedrich V., der 
in die geschmälerten Länder seines Vaters und 
die Kurwürde wieder eingesetzt worden war. Sie 
will von dort aus die Bäder in Ems aufsuchen, 
die ihr schon früher Linderung gebracht hatten. 
Aber ihre Leiden steigern sich. Nach längerem 
Krankenlager und schmerzhaften, mit gewohnter 
Kraft ertragenen Operationen ist sie soweit her 
gestellt, um zu Schiff den Neckar hinunter, den 
Main herauf und von Höchst aus im Tragsesscl 
nach Kassel zurückverbracht zu werden. Dort 
schließt sie am 8. August 1651 ihr großes, 
ruhmwürdiges Leben. 
Ich bin am Schlüsse meiner Ausführungen. 
Aber ich bin mir bewußt, einer im Eingang 
meines Vortrages gegebenen Zusage nicht hin 
reichend gerecht geworden zu sein. Was ich Ihnen 
vorgeführt habe, waren an erster Stelle die ge 
waltigen Ereignisse der Zeit, in der Beschränkung 
freilich, die durch meine Aufgabe geboten war. 
Aus ihnen heraus trat dann vor unser Auge 
die Person der großen Amelia Elisabeth, wie sie 
der Geschichte angehört. Nur wenige Lichtblicke 
dagegen fielen auf die rein menschlichen Züge 
ihres Charakters. Ich hätte Ihnen wohl noch 
näher, soweit auch darüber uns Nachrichten er 
halten sind, schildern sollen das schöne häusliche 
Leben der liebevollen Gattin und Mutter mit 
seinen Freuden und freilich auch schweren Kümmer 
nissen, denn von vierzehn Kindern, die ihr ge 
schenkt wurden, wuchsen vier nur heran; ich Hütte 
ihr warmes, sicheres Gottvertrauen hervorheben 
sollen, mit dem oft sie allein ihre zagende Hin 
gebung aufrecht erhielt; es hätte betont werden 
müssen die bezaubernde und dabei echte, weil von 
Herzen kommende Liebenswürdigkeit, mit der 
Amelia alle, die mit ihr in Berührung kamen, 
für sich gewann, und in welcher ohne Zweifel 
insbesondere die fast wunderbaren diplomatischen 
Erfolge dieser Frau zu nicht geringem Theil ihre 
Erklärung finden; und unerwähnt darf schließlich 
nicht bleiben die schlichte und doch vornehme 
Herzlichkeit, in der die Fürstin mit den ihr be 
freundeten Personen geringeren Standes zu ver 
kehren pflegte, wie sie ihrem treuen Diener 
Oberstlieutenant May für seine großen und 
kleinen Dienste so freundlich dankt, wie sie nicht 
Worte, und herzliche Worte genug finden kann, 
um ihrer Freundin, der lieben Fraw Oberstin 
Wiedtmürkerin zu Vacha, ihren Dank zu sagen 
für deren guten Wünsche bei Familienercignisscn 
und ihre kleinen Präsente, von indianischen 
Hühnern und anderen dergleichen Dingen. Doch 
ich muß mich auf diese wenigen Andeutungen 
beschränken. Wenn aber Sie, meine geehrten 
Anwesenden, die Güte haben wollen, mit diesen 
wenigen Andeutungen das Bild, das ich Ihnen 
vorführen mußte, zu ergänzen, seine ernsten und 
strengen Linien durch die milden und zarten Züge 
zu erwärmen, die auch der starken Frauenseele 
wohl nicht fehlen, dann werden, so hoffe ich, doch 
auch Sie zum Schluß noch mit mir sagen können: 
Sie war eine große und gute deutsche Frau, 
unsere Amelia Elisabeth! 
A it f t x H t t n. 
Herr O5ott, ist's einstens aus mit mir, 
So hab' ich noch die Sitte Dir 
Uns LDaidmannsherzen vorzutragen: 
Send' mir in meinen engen Saum 
Dann einen Traum, dann einen Traum. 
Dom Maid beim ersten Drostrlschlagcn. 
Denn schnitt gar oft mir auch in's Herz 
Die scharfe Pflugschar, die der Schmerz 
Ans Streben meiner Seele fetzte, 
So mar vergessen doch das Leid, 
Mcnn zwischen Lenz und Mintcrzcit 
Im Mnld der Th an die Spitzen netzte. 
Dann sah ich droben von den Söhn 
Die Snsrrstehung beim Getön 
Don Drossel-Psalmen in der Sunde, 
Und schöner sah ich nie die IDelt, 
Sls wenn ste selbst znm Himmelszelt 
Wächtersbach. Hintrug die Anferstehungstzunde. tzart Areser.
	        

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