Full text: Hessenland (10.1896)

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einigen hessischen Ortsnamen ihr Gepräge anf- 
gedrttckt. Ober- n»d Niedergränzebach bei 
Ziegenhain (1142 Grinzenbach) verdanken dem 
slavischen graniza ihren Namen. Denn Grenze 
ist kein dentsches Wort, unsere Vorfahren sagten 
statt dessen Mark. Ein Wenden befand sich 
südlich von Oberbeisheim, dieses ist aber mit 
anderthalb Dntzend anderen wendischen Orten 
wieder ansgegangen, erhalten hat sich nnr neben 
den beiden Gränzebach der Hof Siegwinden 
(Sicxo's wendische Niederlassung?) bei Hersseld. 
Die wendischen und thüringischen Ortsnamen 
und ein großer Theil der sächsischen gehören nicht 
zu den ältesten in Hessen. Hier sollten nur alle 
fremden Einflüsse im Zusammenhange besprochen 
werden. 
iFortsetzuug folgt.. 
Autt'lia Elisabeth. 
Laudgräfiu zu Hessen, geborene Gräfin zu Hanau. 
Vortrag, gehalten zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des Hanauer Geschichtsvereins und der sechzigsten Jahres 
versammlung des Hessischen Geschichtsvereins zu Hanau am 28. August 1894 
von 
Dr. Otto Brandt. 
(Fortsetzung.) 
^Milhelm war durch die ablehnende Haltung 
Ws des Kaisers anfänglich doch erschüttert. Seine 
z Lage wird dadurch erschwert, daß die meisten 
protestantischen Stände die gemeinsame Sache 
verlassen und sich einzeln dem Pragischen Frieden 
unterwerfen, daß auch das schwedische Heer weit 
nach Norden zurückgedrängt wird. Der Land 
graf, ganz allein stehend, hofft, durch gütliche Ver- 
gleichnng doch noch etwa zu einem erträglichen 
Frieden zu gelangen, und tritt, mit Kenntniß 
und Bewilligung der verbündeten Schweden, in 
Unterhandlungen ein, die ans Seiten des Kaisers 
dessen Sohn Ferdinand leitet. Es sind keine zu 
hohen Forderungen, die Wilhelm jetzt stellt. 
Seine westfälischen Eroberungen ist er bereit 
herauszugeben, er wagt auch jetzt nicht, das zu 
beanspruchen, was doch gleich darauf von Hessen- 
Kassel aufgestellt und dann unentwegt festgehalten 
wird, ebenjene allgemeine reichsrechtliche An 
erkennung des reformirten Bekenntnisses, aber er 
fordert freie Uebung seiner Religion für sich und 
sein Land und den Besitz von Hersfeld. Hersfeld 
will der Kaiser nicht lassen und auch im Religions- 
Punkt hat er Bedenken. Es kommt zu harten 
Auseinandersetzungen, Wilhelm bleibt fest. „Es 
hat sich aber hart gestoßen," heißt es in einem 
gleichzeitigen Bericht, „theils von wegen der 
Religion, theils wegen des Stifts Hirschfeld, 
darüber beiderseits Ihre Fürstliche Gnaden sehr 
geeyfert, und hart gehalten, und sich der keines 
gantz nicht begeben wollen." Bei diesem Stand 
der Dinge erhebt sich der Landgraf zu einem 
energischen, freilich aber für ihn und sein Land 
die bittersten Folgen nach sich ziehenden Schritt. 
Hanau war seit 1631 von den Schweden be 
setzt, Graf Philipp Moritz hatte sich, nicht ohne 
anfängliches Widerstreben, dem Bunde gegen den 
Kaiser angeschlossen. Im Herbst 1634, unmittelbar 
nach der unglücklichen Schlacht bei Nördlingen, 
übernimmt, ans Befehl Bernhard's von Weimar, 
der Generalmajor Ramsah den Oberbefehl über 
die Besatzung. Die Truppen des Kaisers über 
schwemmen Franken und das Mainland, zu einer 
Belagerung der wohlbefestigten Stadt kommt es 
jedoch zunächst nicht. Doch nach zahlreichen 
Scharmützeln und Gefechten zwischen der Besatzung 
und vorüberstreifenden Kaiserlichen wird vom 
September 1635 an Hanau enger umschlossen. 
Der kaiserliche Generalwachtmeister Lamboy zieht 
heran, nimmt Steinheim und schreitet zur regel 
rechten Belagerung, die Stadt wird mit zahl 
reichen Schanzwerken rings umgeben. Eine große 
Menge von Landlenten ans der Umgebung hatte 
sich in die Festung geflüchtet, in der zusammen 
gedrängten Bevölkerung entsteht Mangel und 
Hungersuoth, Seuchen brechen ans und fordern 
große Opfer. Ramsah hält tapfer Stand, aber 
die Noth der Bevölkerung steigt auf's Höchste. 
Graf Philipp Moritz hatte, ein wenig rühmlicher 
Entschluß, bald nach der Nördlinger Schlacht 
beim Herannahen der Kaiserlichen sein Land ver 
lassen. Von der muthvolleren Schwester in 
Kassel und ihrem Gemahl kommt jetzt die Hilfe. 
Schon seit Anfang 1636 hatte Amelia Elisabeth 
durch waghalsige Boten mit dem Hanauer 
Magistrat in brieflicher Verbindung gestanden; 
sie vertröstete die Bürgerschaft, ohne zunächst Ver 
sprechungen machen zu können. Als aber im
	        

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