Full text: Hessenland (10.1896)

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int Hunsrück liegt auf dürren Sand- und Kies 
lagern. Bei dem böhmischen Soor, das durch 
ben Sieg Friedrich's des Großeit berühmt gewordeit 
ist, wird man vermuthlich ähnliche Wahrnehmungen 
machen können. — Die alte Form für Meißner 
ist Wisener (etwa Wiesenbesitzer), für Ouiller 
Kuwiller (Quellenberg?). Knüll (Gipfel, alt 
hochdeutsch hnol, oder Knoten) scheint erst eine 
neuere Bezeichnung zu sein statt Rechberg — starrer 
Berg. 
Von den Bächen und Flüssen ist die Pfiese 
(alt Phiphe) die Pfeife, das pfeifende Wasser, 
Druse die Rinne mit starkem Gefälle, Flieden 
(vergl. das hessische Flete und Fleude statt Fluth) 
und Floh das stießende, fluthende Gewässer. 
T w i st e kommt von zwei, bedeutet also Gabelbach. 
Die Elbe mag, wie der gleichnamige große 
deutsche Strom, mit den Elfen in Verbindung 
stehen und die Eder eine Wasserader bezeichnen; 
schon Tacitus nennt die letztere Adrana, 778 
kommt sie als Adarna und Aderna vor. 
Von der heidnischen Religion, der die Chatten 
in dieser ältesten Zeit anhingen, zeigen die Orts 
namen nur wenige deutliche Spuren. Am be 
kanntesten ist Gndensberg (1154 Wuodenes- 
berch), die dem höchsten Gotte Wodait geheiligte 
Opferstütte nicht weit von dem Haupt- und Ver 
sammlungsorte Maden. Ernte lo bei Zütphen 
(855 Jrminlo) bezeichnet den Hain der alt 
germanischen Gottheit Jrmin, das 831 im Hessen 
gaue erwähnte Alahstat eine heilige Stätte 
überhaupt. Blvtzgraben, Blotzgarten, Plotz- 
hof hängen mit blozan (opfern) zusammen. Wenn 
man aber Metzebach bei Spangenberg, Metz- 
tz erg bei Walburg und verwandte Bezeichnungen 
auf meizan (schlachten) und Nick bei Melsungen 
auf den heidnischen Dämon Nihhus (vergl. Neck 
und Nixe) zurückführt, so habeit diese Erklärungen 
nur dcit Werth der Wahrscheinlichkeit. 
Einige Jahrhunderte nach dem Beginne unserer 
Zeitrechnung drangen andere Völkerschaften in 
Hessen eitt uitd gewannen durch Gründung von 
Niederlassungen mehr oder weniger Einfluß auf 
die Benennung von Oertlichkeiten. Das waren 
die Alemanneit in Nassau und der Wetterau, die 
Sachsen in der Diemelgegend und die Thüringer 
und Wendeit im Osten, von der Werra bis über 
die Fulda hinaus. 
Die Alemannen gründeten in der Wetterau 
einige Ortschaften und verwendeten zu deren Be 
nennung auch das Wort Weiler, das sonst nur 
in der Schweiz, im Elsaß, am Rheine, also in 
echt alemannischen Gegenden, vorkommt. Rendel 
bei Windecken hieß in alter Zeit Rantwilre, 
Ranto's Wohnstätte; so mögen auch Echzel an 
der Horloff (alt Achizwila) und Griedel bei 
Butzbach (alt Gredewilre) nach alemannischen 
Führern oder Kriegern benannt sein. 
Die Sachsen verwendeten in der Diemelgegend 
bei der Benennung fließender Gewässer ape für 
das hessische affa und später beck oder beke für 
bach. Daher findet sich dort eine Holz ape 
(Waldbach), eine Lempe (Lehmbach), eine Erpe 
(Dunkelbach?); ferner Beberbeck (Biberbach), 
Fischbeck bei Oldendorf (892 Viscbike) und 
Viesebeck bei Wolfhagen (Fischbach), Möllen 
beck bei Rinteln (896 Mulinpeche, also Mühlen 
bach). Dem hessischeir Hausen entsprechen die säch 
sischen Endungen sen und essen in Bründersen 
bei Wolfhagen (1074 Brunkerishusun), Hom 
bressen (1273 Humbrechtessen), Berlepsch (alt 
Berleivessen, die ersten beiden Silben zeigen eilten 
auch sonst vorkommenden Personennamen), Roth- 
westen (1151 Rotwardessen), Wülmersen 
(Willimar's Haus) tmd anderen. 
Schwieriger ist es, den Spuren der Thüringer 
zu folgen. Drei Endungen sieht man in den 
thüringischen Ortsnamen bevorzugt: leben, stüdt 
und nngen. In größerer Zahl finden sich in 
Hessen nur Namen mit der letzten Endung. 
Bezeichnender Weise herrscht ungen nur in den 
Namen Niederhessens, während in den südlichen 
Landestheilen der thüringische Einfluß zurücktrat 
und daruni auch die oberdeutsche Bildungssilbe 
ingen alleinige Geltung behielt. In manchen 
Namen wechseln die Endungen ingen und ungen 
mit einander ab, so in Elsungen (die Nach 
kommen Eliso's), Hasungen (Haso's Nach 
kommen), Gensungen (Genze's Nachkommen). 
Dagegen wird man bei Alb ungen (vom Per 
sonennamen Albung) und bei Melsungen selten 
oder nie eine Form auf ingeit antreffen. Eilt 
Melsungen findet sich auch im thüringischen 
Helmegaue, während derselbe Name im Lüne 
burgischen, der ältesten Heimat der Langobarden, 
Melsingen lautet. Arnold leitet Melsungen 
(früher meist Milsungen) von dem Personen 
namen Miliz ab, der in den Schenkungsverzeich- 
nissen des Klosters Lorsch vorkoiumt. Jedoch ist 
eine Anlehnung an das Hauptwort milzi und 
das Eigeitschaftswort malz nicht unmöglich; dann 
würde Melsungen die Bewohiter des schmelzenden, 
leicht zerfließenden Bodens bezeichnen. Nur so 
erklärt sich die Reihe folgender Ortsnamen in 
dieser Gegend: Malsfeld (alt Malzfeld), Ober 
melsungen, Melsungen, Berg itttb Bach Mülmisch 
(alt Milzasa, oder Milzaha?), die trockene Mül 
misch. 
Neben den deutschen Stämmen der Alemannen, 
Sachsen und Thüringer haben auch Slaven
	        

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