Full text: Hessenland (10.1896)

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Um 3 Uhr begann das Festessen im „Adler", 
bei welchem eine Reihe zündender Ansprachen, sowie 
Musikvorträge — nicht zu vergessen die ausge 
zeichneten Darbietungen aus Küche und Keller — 
die Teilnehmer, deren Zahl 100 überstieg, in froheste 
Stimmung versetzten, welche durch den Jubel der 
umstehenden Volksmenge noch gesteigert wurde. 
Den weiteren Verlaus der Gersfelder Geschichts 
vereinstagung erzählt ein Freund unserer Zeit 
schrift, wie folgt: 
Nach dem Mahle entwickelte sich auf dem Fest 
platz ein fröhliches Treiben. Die wetterfesten 
Bewohner des freundlichen Städtchens blieben ihren 
Krügen und dem Tanz im Freien auch dann noch 
treu, als die rasch eintretende Abendkühle die meisten 
Festgäste in's Innere der Häuser trieb und weise 
Erwägung sie zu früher Stunde ihr Lager suchen ließ. 
Mit um so frischeren Kräften konnte man nun 
die Freuden der Nachfeier genießen. Während die 
Sonne noch ihren schließlich siegreich beendeten 
Kamps mit Dust und Nebelhüllen kämpfte, fuhr 
man aus leichten Wagen über Berg und Thal zur 
Ebersburg und von da hinab nach Poppen 
hausen. Der gute Hammelburger, den man dort 
schenkt, lockte auch die wanderfrohen Historiker 
dorthinab, die am frühen Morgen bereits aus 
Schusters Rappen der Wasserkuppe einen Besuch 
abgestattet hatten. Und weiter ging es zu Fuß 
und Wagen hinaus zur Milseburg, nach deren 
Ersteigung das im Gasthof an der Station unser 
harrende, schnell, aber trefflich bereitete Mahl*) 
prächtig mundete. Die meisten der Festtheilnehmer 
entführte der Mittagszug nach Kassel, die zurück 
bleibenden, etwa vierzig, suchten noch das halb 
vergessene, wenn auch historisch berühmteste Gasthaus 
der Rhön zu Kleinsas s en **) aus, um hier definitiv 
zum letzten Male den freundlichen und aufopfernden 
Gastfreunden aus Gersseld dankbar die Rechte zu 
schütteln. 
*) Bei demselben widmete Bibliothekar Dr. Brunner 
der Rhön und ihren gastlichen Bewohnern den poetischen 
Abschiedsgruß, den wir mit seiner gütigen Erlaubniß an 
die Spitze der heutigen Nummer stellen durften. 
**) S. Nr. 1 des laufenden Jahrgangs des „Hessenland". 
Keusche - 
lR. Matthias.^! Die Stadlkirche in Schmal 
kalden. Mit zwei Tafeln.^ 227 S. 8°. 
Der Verfasser der unter dem obigen Titel in 
der Zeitschrift des Vereins ¿für Hennebergische Ge 
schichte und Landeskunde in Schmalkalden, Heft XIII 
(Schmalkalden und Leipzig, Otto Lohberg L Co. 
Gründung eines Fuldaer Geschichts 
vereins. Auf Veranlassung des Oberbürger 
meisters Antoni zu Fulda traten am Abend des 
1. August 19 Herren im Gasthof zum Kurfürsten 
daselbst zu einer Besprechung über die Gründung 
eines Fuldaer Geschichtsvereins zusammen. Bei 
eingehender Erörterung der Ziele und Zwecke des 
neu zu gründenden Vereins sprachen sämmtliche 
Anwesende sich zu Gunsten der Gründung eines 
solchen aus und erklärten sich zum Anschluß und zur 
Mitwirkung für das Aufblühen des Vereins bereit. 
Daraus wurde behufs Ausarbeitung der Satzungen, 
Erledigung der sonstigen Vorarbeiten und vor 
läufiger Leitung des neuen Vereins ein Ausschuß 
bestellt, der aus den Herren Oberbürgermeister 
Antoni, Professor Dr. Leimbach, Professor Dr. 
Wesener, Baurath Hosmanu unb Kaufmann Joseph 
Schmitt besteht. 
Das „Marburger Wochenblatt" vom 2. d. M. 
bringt, als „Stoßseufzer einer durstigen 
Seele", die Verse, die ein lustiger Studio in 
einem Marburger Wellenbade angebracht hat. Sie 
lauten zum Schlüsse: 
Und würde gar des Lahnstroms Naß 
All zu Champagnerwein, 
So möcht' ich selbst darin ein Faß, 
Doch ohne Boden sein. 
Das hat nun unser Landsmann Fritz Horn 
seck schon vor vierzig Jahren in seinem „Schenken 
buche", in gleichem Versmaß, viel schöner gesagt 
in den Worten, die ich aus bem Gedächtniß 
zitire: 
Und flösse von Sankt Gotthards Höh' 
Als Rheinweinstrom der Rhein, 
So möchte ich der Bodensee, 
Doch — ohne Boden sein. 
E. 
Stiftungsfest. Die Verbindung Hasso- 
Borussin in Marburg feierte in den Tagen 
vorn 1.—3. August unter reger Betheiligung ihrer 
alten Herren, von denen an dem am. I. August 
stattgehabten Festzuge etwa 200 Theil nahmen, 
ihr vierzigjähriges Stiftungsfest. 
r!— 
Druck von F. Wilisch in Schmalkalden) er 
schienenen recht fleißigen und mit großer Liebe 
zur Sache gearbeiteten Schrift nennt sich in be 
scheidener Zurückhaltung lediglich am Schlüsse 
derselben, und doch wäre er vollauf berechtigt, 
seinen Namen dem Titelblatt nicht vorzuenthalten.
	        

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