Full text: Hessenland (10.1896)

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unsere Kenntnisse über Dilich's Kasseler Thätigkeit, 
sowie seine Familienverhältnisse und die Kreise, in 
denen er verkehrte, ein wenig zu erweitern. 
Zunächst erfahren wir den bislang unbekannten 
Vornamen seines Vaters, Heinrich, und als Tag 
seiner Bestattung den 30. Dezember 1615, sodann 
daß Wilhelm Dilich von Amtswegen als Ban 
beflissener bezw. Zeichner angesehen wurde; in Ein 
trägen in das Kirchenbuch aus den Jahren 1609 
und 1611 wurde er nämlich im Tausregister als 
„Abreißer" bezeichnet. Ferner sehen wir, daß 
Dilich mit seiner Gattin sich eines reichen Kinder 
segens zu erfreuen gehabt hat, ohne daß es dem 
Ehepaare vergönnt gewesen wäre, sie insgesammt 
groß zu ziehen. Nach den Einträgen wurden ihm 
Kinder geboren: am 29. Mai 1602, am 28. Oktober 
1605, am 22. April 1607 (Tochter), am 15. 
Oktober 1609 (Tochter), am 28. Juni 1611 (Sohn), 
am 14. März 1613 (Sohn), am 9. April 1616 
(Zwillinge, .Sohn und Tochter, von denen der 
Aus Keimcrth 
6 2. Jahresversammlung des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
zu Gersfeld. Wenn auch — wir verweisen 
aus den am Eingang der vorigen Nummer ge 
brachten Aufsatz — die Geschichte Gersfelds mit 
der hessischen nicht zusammenfällt, so gehört der 
Kreis doch ethnographisch und wirthschaftlich nach 
dem Hessenlande. Und das rechtfertigt es voll- 
kommen, wie auch der Vorsitzende des Geschichts 
vereins, Bibliothekar Dr. B r u n n e r, bei Eröffnung 
der Hauptversammlung in Erwiderung aus die 
Begrüßnngsworte des Stadtvorstehers hervorhob, 
daß der Verein in diesem Jahre zum ersten Male 
bei Wahl des Versammlungsortes die kurhessischen 
Grenzen überschritten hat. Zu Ehren der Gäste 
hatte die freundliche Rhönstadt schönsten Festschmuck 
angelegt, und herzliches Entgegenkommen ward 
ihnen von Seiteil der Einwohnerschaft zu Theil. 
Am Abend des 3. August fand eine Sitzung 
des Gesammtvorstandes und geselliges Beisammen 
sein im Schüßler'schen Garten statt. Der Morgen 
des 4. war der Besichtigung der Stadt, besonders 
der Pfarrkirche und der Friedhofskapelle, gewidmet. 
Um 10 J /4 Uhr nahm die Hauptversamm 
lung mit den bereits erwähnten Begrüßungs 
ansprachen des Stadtvorstehers und des Vereins 
vorsitzenden in dem sehr gut besetzten Mischen 
Saal ihren Anfang. Anschließend an dieselben er 
stattete der Schriftführer, Bibliothekar Dr. Scherer, 
den Jahresbericht, der im Allgemeinen von er- 
Knabe indeß am 8. Mai d. I. bereits wieder starb) 
und schließlich am 6. September 1620 (Tochter), 
also im Ganzen nenn Kinder. Von diesen starben 
aber abgesehen von dein Zwilling noch vier andere 
recht früh wieder, so am 9. Dezember 1606, am 
4. Januar 1607, am 13. Januar 1607 und am 
8. Oktober 1615 (Heinrich). Die Konfirmation 
erlebten nach unserer Quelle vier von Dilich's 
Kindern, so um Pfingsten 1611 Johann und 
Johann Wilhelm, Pfingsten 1617 Heinrich (13 
Jahre alt) und Ostern 1620 Anna Katharina 
(13 Jahre alt). Dilich selbst scheint ein gutes An 
sehen genossen zu haben, sonst würden nicht Männer, 
die unstreitig zu den ersten im damaligen Kassel 
zählten, wie der Bürgermeister Dr. Johann 
Kleinschmidt, Dr. Hieronymus Jungmann 
und Magister Nikolaus Krug (Crugius), scholae 
rector, in den Jahren 1605 bezw. 1613 und 
1616 bei Dilich's Kindern Gevatter gestanden haben. 
& 
Iremöe. 
freulicher Fortentwicklung der Vereinsthätigkeit 
zeugte. Dem Kassenführer, Professor Lenz, wurde 
nach Vortrag des Kassenberichts Entlastung ertheilt. 
Nachdem Konservator Dr. Bickell über die Marburger 
Sammlungen berichtet, wurde der seitherige Vor 
stand durch Zuruf auf ein weiteres Jahr bestätigt. 
Zum nächstjährigen Versammlungsort wurde das 
ursprünglich für dieses Jahr in Aussicht genommene 
Gudensberg bestimmt. Von näherer Erörterung 
des vom Vorstand vorgelegten neuen Statuten- 
Entwurfs, der nach eingehender Berathung die 
einstimmige Billigung des Gesammtvorstandes ge 
funden hatte, wurde abgesehen und derselbe im 
Ganzen angenommen. Nunmehr hielt der als 
genauer Kenner uub trefflicher Schilderer der Rhön 
iinb ihrer Geschichte weit bekannte und hochgeschätzte 
Sanitätsrath Dr. Schneider aus Fulda den 
angekündigten Vortrag über die Geschichte des 
Ebersberges und der Herrschaft Gersfeld und 
erwarb sich durch seine ebenso gründlichen als 
anschaulichen Ausführungen den wärmsten Dank 
der Anwesenden. 
Nach Schluß der Versammlung um 12 Uhr- 
sand ein froh verlaufener Frühschoppen statt, und 
um Va3 Uhr bewegte sich ein glanzvoller Festzug 
durch die Straßen, in dem namentlich die charakteristi 
schen Volkstrachten der Bewohner der Umgegend 
(Oberweißenbrunn, Ulsterthal), die auf einem 
Brautwagen zur Darstellung gebracht waren, Auf 
sehen erregten.
	        

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