Full text: Hessenland (10.1896)

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Leporello bot sich mir dar, einer, der in Wahr 
heit würdig erschien, der Diener seines Herrn 
zu sein! Welch' ein Spiel aus dem Vollen, Ganzen 
heraus! Welch' veredelte Niedertracht! Welche 
Schauer erregende Furchtsamkeit! Welcher em 
pörende und doch helle Freude hervorrufende Hohn! 
Dieser Leporello saug, nachdem er in Don Gio- 
vanui's Mantel und Federhut erwischt worden 
war, auch die große Arie, die sie sich sonst ge 
meiniglich schenken: „Gebt Pardon, großmüth'ge 
Seelen! Ich will alles euch erzählen! Doch das 
Verbrechen — das ist nicht mein!" Das ganze 
Wesen, das er dabei zur Schau trug, als ihn 
Masetto am Kragen und Zerlinchen am Ohre 
hielt, sowie die Unordnung in seiner Kleidung 
während dieser nächtlichen Scene lassen vermuthen, 
daß der Maler Ramberg ihn vor Augen gehabt 
hat, als er diesen köstlichen Vorgang für das 
Taschenbuch „Orphea" zeichnete. Ich war entzückt 
und eilte nach Schluß der Oper auf die Bühne, 
um Wildenberg's nähere Bekanntschaft zu machen. 
Stürmisch umarmte ich ihn und bat mir seine Ge 
sellschaft zu einer Flasche Wein aus, aber er lehnte 
höflich ab, da er bereits unwiderruflich versagt sei, 
lud mich jedoch für den andern Morgen zum 
Frühstück in seine Wohnung ein. lForts. folgt.» 
Auf Helgoland. 
So fah ich jüngst da# tiefe Weer 
In muudernosCer 
Wnd über: mir da# Sterrrenheer 
In lichter Sommernacht. 
Gin eig'ner Aanber, der mich bannt' 
Kier anf der Jetfcnhöh', 
Aa ich, ein stiller Gränmer, stand 
And blickte anf die See! — 
Aa lächelt' hold ein Weib mich an, 
Gin lieblich tränt Gesicht —, 
G# ist ein mnnderlützer Wahn, 
Aer an# den Wogen spricht! 
Aa# Wild drang ein mir tief in'# Kerz, 
Sie Alnth ranscht wie Wnsik, 
And alter Seiten milder Schmerz 
Kehrt mieder mir zurück. 
Gin Wahn ist e#, ein Granm ist'# nur 
Au# holder Jugendzeit, 
Wie folgt' tc£> gern der alten Spur — 
So meit, so meit, so meit! 
Ja, kehrt' da# einst'ge Winneglück 
Wir mit der Weere#fluth, 
Ach, einmal heute noch zurück, 
Aa# doch mein schönste# Gut —, 
Aann schied ich gern nom Wellenmeer, 
Wom grünen Kiland hier, 
Aa# höchste Gl'ück, gar hold und hehr. 
Ich nahm' e# fort mit mir! 
Max Müller. 
Arrs alter mt6 neuer Jeit. 
Der namhafte hessische Geschichtsschreiber Wil 
helm Schaffer (Schäfer, S ch e f f e r), genannt 
Wilhelm Dilich, wurde geboren zu Wabern 
als Sohn des dortigen Predigers Heinrich Dilich 
wahrscheinlich zwischen 1570 und 1580 und starb 
zu Dresden, wohin er im Jahre 1625 als 
Geographus, Historicus und Architectus des Kur 
fürsten von Sachsen aus ähnlicher Stellung im 
Dienste Landgraf Moritz' des Gelehrten von Hessen 
übergesiedelt war, 1655. Dilich's bedeutendstes 
Werk, die „Hessische Chronik", entstammt der 
Zeit seines Kasseler Aufenthalts. Die erste Aus 
gabe erschien daselbst 1605. In Kassel verfaßte 
er weiter sein „Kriegsbuch" (1607 und 1608) 
sowie seine „Urb« et Academia Marpurgensis 
succincte deseripta et typis efformata“ 
(vor 1625). Dilich's gesammte Thätigkeit bezeugte 
seinen gewissenhaften Fleiß und seine große Arbeits 
kraft. Da über seine nähere Lebensverhältnisse 
trotz seiner Bedeutung für das literarische Hessen 
des Landgrafen Moritz wenig überliefert ist, wird 
uns jeder auch noch so geringe Beitrag willkommen 
sein, der über Dilich mehr Licht verbreitet. 
Das älteste Kirchenbuch der Freiheiter Gemeinde 
zu Kassel enthält nach uns von Herrn stud. hist, 
Karl Knetsch zu Marburg gütigst zu Theil ge 
wordener Mittheilung verschiedene Einträge aus 
den Jahren 1602 bis 1620, die geeignet sind
	        

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