Full text: Hessenland (10.1896)

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bedeuten muß, also Dorfelden Wasserfeld und 
Dorheim Wasserheim. 
Noch einige andere Ortsnamen verrathen 
keltische Entstehung. Jedenfalls hatten aber die 
Kelten nur einen kleinen Theil des Landes an 
gebaut, im übrigen dehnte sich der von Sümpfen 
überreich getränkte Urwald aus. So unnahbar 
war die altdeutsche Baumwildniß, daß noch 
zwischen 800 und 900 n. Chr. der oberdeutsche 
Dichter Otfried und der niederdeutsche Heliand 
sänger unsern Heiland in den Wald statt in die 
Wüste entweichen lassen. Vom Walde und von 
den -Quellen und Sümpfen berichten darum auch die 
meisten der ältesten echt hessischen Ortsnamen. 
So hängt mar (Quell, Sumpf) zusammen mit 
Geismar (etwa Brausebach, Sprudel), Germar 
(Winkelgraben), Ober und Niedervelmar und 
Vilmar (Vielborn), Weimar (alt Winmare 
— Tristborn, Weidebrunn), Wolmar bei Wetter 
(alt Waltmare — Waldquell). 
Affa, später aha, ist ein alter deutscher 
Ausdruck für das fließende Wasser. Man be 
gegnet dem Worte affa in dem Ortsnamen 
Alraft bei Waldeck (1074 Alreffu), wohl 
Albaraffa, Espenwasser. Die Antreff, ein Zu 
fluß der Schwalm, ist vielleicht als das andere 
Wasser zu erklären. Nieder- und Ober 
au lo ff bei Idstein ist der Ur- (Auerochsen-) dach. 
Asch aff (Aschaffenburg) kommt offenbar von ask 
(Esche) her, Eifa von iwa (Taxus). Die zahl 
reichen Besucher Salzschlirfs mögen es mir 
nicht verargen, daß ich mit Arnold die zweite 
Silbe des Namens, der 812 etwa Slierofe und 
um 1090 Slyrepha lautet, als Lehmwasser deute. 
Das Wort aha zeigt sich in noch mehr Bach- 
und Ortsnamen, einfach und ohne Beiwort in 
dem Dorfe Ahe bei Rinteln und in den drei 
Flüßchen O h e. Die Fulda heißt in alter Zeit 
Fultaha (wahrscheinlich Erdwasser), die Beise 
Beisaha (Zischwasser), die Schwalm Sualmanaha 
(Schwalbenwasser, nach Arnold dagegen das 
schwellende Wasser), der S t e i n b a ch Steinaha, 
der Wahlebach Waldaha. Von bewohnten 
Orten sind hierher zu rechnen die verschiedenen 
Bebra und Bibra (alt Biberaha, Biberbach), 
Ober- und N i e d e r a u l a (alt Onlaho, Owilaha: 
Eulbach), Iba (1139 in Maho, Eibenbach), Elm 
(796 Elmaha, Ulmenwasser). 
Das Wort loh (Dativus Pluralis lohnn) er 
innert an den altdeutschen Wald. Lohne bei 
Gudensberg verdankt ihm den Namen, ebenso die 
Zusammensetzungen Buhlen bei Waldeck (850 
Buohloha, also Buchenwald), Lingenloh, ein 
Feldstück auf dem Kesselberge bei Melsungen 
(Lindenwald), Dorla bei Fritzlar (alt Thuris- 
loun, Riesenwald). Dagegen heißt Dorla bei 
Mühlhausen um 860 Thurniloum, es wird von 
einem mittelalterlichen Schriftsteller zweifellos 
richtig nemus spinarum (Dornhain) übersetzt. 
Singlis bei Borken (1123 Sungeslon) führt 
seinen Namen von einen: versengten oder ver 
brannten Walde, Harle bei Felsberg (früher 
Harlon) von einem Heere, das dort gelagert. 
Das uralte tar oder tra (englisch tree) giebt 
uns Kunde von einzelnen Bäumen und Sträuchern, 
welche Ansiedlungen den Namen gaben. As fol 
tern bei Waldeck bedeutet Apfelbaum; die Ulster, 
die sich in die Werra ergießt (1016 Hnlstraha), 
müßte genau mit Hülsebaumwasser, Stechpalmen 
bach übersetzt werden, Schlüchtern (alt Sluoh- 
derin) mit Kichererbsensträucher, Mandern bei 
Fritzlar (ehemals Mandrnn) Fichtenbäume, Cal 
dern bei Marburg kahle Bäume. 
lForsetzung folgt.) 
Amelia Elisabeth, 
Landgräfin zu Hessen, geborene Gräfin zn Hanau. 
Vortrag, gehalten zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des Hanauer Geschichtsvereins und der sechzigsten Jahres 
versammlung des Hessischen Geschichtsvereins zu Hanau am 28. August 1894 
von 
Or. Otto Brandt. 
(Fortsetzung.) 
^ustav Adolph landet 1630 an der pom 
merischen Küste. Er war dem Hause Hessen- 
Kassel verwandt. Schon Landgraf Moritz 
hatte mit ihm in Unterhandlungen gestanden, 
Wilhelm erneuert jetzt diese; bei der noch ab 
lehnenden Haltung der größeren Reichsstände aber 
kommt es zunächst nicht zu einem Abschluß. 
Kursachsen beruft Anfang 1631 den Leipziger 
Konvent, der von Lutheranern und Reformirten 
beschickt wird; auch Landgraf Wilhelm findet sich 
ein. Es wird noch kein entscheidender Beschluß 
gegen den Kaiser gefaßt, aber die Herstellung 
der Kriegsbereitschaft gegen einen Angriff, woher 
er kommen möge, wird beschlossen und gegen das
	        

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