Full text: Hessenland (10.1896)

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anstatt zu zahlen. Wie weise diese unsere Be 
stimmung übrigens ist, lehrt die nachfolgende 
kleine Illustration. Ein älterer Kunstfreund 
von auswärts ist bei einem Bekannten hier zu 
Besuch und wird mit demselben von einem kunst 
verständigen Herrn zum Diner eingeladen. ,Ent 
schuldigen Sie/ sagte der Fremde unterwegs zu 
seinem Gastfreund, ,aber ich muß mir die Frage 
erlauben: Ist der Herr, zu welchem wir gehen, 
Wagnerianer? Man muß das wissen, um in 
der Unterhaltung keinen Streit herbeizuführen?" 
„So ist's recht!" rief der eigensinnige Herr. 
„So ist's recht! Ueber Hondekoeter und Donizetti 
kann man sich unterhalten, ohne in Harnisch zu 
kommen, spricht man aber von Makart oder 
Wagner, da muß es biegen oder brechen, da müssen 
die Geister ans einander platzen, da muß Farbe 
bekannt werden, und wenn der beste Freund dabei 
verloren geht. Das kann alles nichts helfen! 
Richard Wagner —" 
„Halt!" rief Archimedes. 
„Was da —", schrie der Eigensinnige, „und 
wenn ich auch 999 Mark und 99 Pfennige für 
die Kleinkinderbewahranstalt berappen muß, so 
will ich doch Richard Wagner auch bei Euch nicht 
verleugnen, damit nicht der hämische Robert der 
Teufel da etwa glaubt, weil er ungestraft von 
seinem Beercnmeyer faseln darf, ich strich vor 
ihm die Segel." 
Das Haus auf Abbruch sing vor Acrger an 
in allen Fugen zu knacken. 
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Hundhessen. Mit diesem Schimpfworte pflegte 
vormals bei nachbarlichen Streitigkeiten an der 
Grenze zwischen dem braunschweigischen und hes 
sischen Gebiet der gemeine Mann seinen Nachbar 
zu belegen, und es ist möglich, daß diese Be 
nennung bis auf den heutigen Tag noch nicht ganz 
vergessen ist. Die Entstehung erzählt Letzn er in 
der Dasselischen Chronik: Im Jahre 1518, bei 
einer Fehde zwischen Bischof Johann von Hildes 
heim und Herzog Erich von Braunschweig, befanden 
sich 1800 Mann hessischer Hilssvölker unter dem 
Hauptmann Hermann von der Malsburg auf 
Braunschweiger Seite. Die Stadt Dassel wurde 
erobert, und bei der Einnahme machten die Hessen 
viele Beute und kamen im Plündern den Braun 
schweigern zuvor. Dieses erregte Neid, welcher in 
öffentlichen Zwiespalt überging, und dabei soll 
das Schimpfwort, das uns hier beschäftigt, zuerst 
„Wissen Sie was?" kam es dann zuckend über 
seine feinen Lippen, „der leibhaftige Ratten 
fänger redivivus ist ihr gerühmter Maestro, 
weiter nichts! Seine faszinirende Tonzusammen 
stellung lockt selbst die armen blassen Dinger, die 
Nähmädchen, mit unwiderstehlichem Drang auf's 
Amphitheater und geht ihnen wie spanischer Pfeffer 
in's Blut, daß ihre Augen noch größer werden, 
als sie schon sind, und selbst die Buchbinderlehrlinge 
hat er schon am Wickel —" 
„Triumph!" schrie der Eigensinnige, „diese Ihre 
Zugeständnisse beweisen ja mehr, als ich selbst 
nur vorzubringen vermöchte, denn Nähmädchen 
und Buchbinderlehrjnngen sind Volksrepräseu- 
tanten, wie man sie nicht besser wünschen kann." 
„Nur Geduld!" sagte das Haus ans Abbruch. 
„Der Buchbinderlehrling sagte neulich, als er 
Sachen bei mir ablieferte: ,Heute Abend wird 
aber in den Lohengrin gegangen! den versäume 
ich nie!' ,Verstehst du denn etwas davon?' fragte 
ich den Knirps. ,Das macht nichts', entgegnete 
er mit leuchtenden Augen. ,Aber der Radau, 
der darin ist!' Sehen sie, das ist es: der Radau! 
der Radau!" 
Der eigensinnige Herr schien große Lust zu 
haben, über das Haus auf Abbruch herzufallen 
und es gänzlich niederzureißen, aber Archimedes 
läutete so lange mit zwei Gläsern, bis die Gemüther 
beim Klang dieser neuen Präsidentenklingel sich 
beruhigt hatten. 
(Fortsetzung folgt.) 
— 
6 neuer Ieit. 
gefallen sein. Die Veranlassung dazu gab das 
hessische Panier, aus welchem der Löwe von 
einem ungeschickten Btaler verfertigt sein mochte. 
Die Braunschweiger erklärten denselben für einen 
Hund, und es entstand darüber großer Auslaus 
und Streit, sodaß es die Anführer für das 
Rüthlichste hielten, die Hessen nach Hause ziehen 
zu lassen. Diese Verspottung ihrer Bundesgenossen 
mußten die Braunschweiger schmerzlich empfinden, 
denn bald darauf gewann der kriegerische Bischof 
von Hildesheim ein Treffen auf der Lüneburger 
Haide und nahm zwei braunschweigische Prinzen 
gefangen. J. 8. 
Gleiches Recht für Alle. Als Landgraf 
Wilhelm IV. einstmals vernahm, daß ein Amt 
mann einen Edelmann, der sich eines peinlichen Ver 
gehens schuldig gemacht, aus freiem Fuße gelassen habe.
	        

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