Full text: Hessenland (10.1896)

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Egloffstein (1400—1411), Bischof Johannes 
von Brunn (1411—1440), der das Bisthnm 
durch jetneu üppigen Hofhält in immer tiefere 
Schulden und Mißhelligkeiten stürzte. U. a. 
schuldete der Bischof Heinrich von Ebersberg 
und seiner Gattin Else 1200 Gulden. Hatte er 
diesen am 6. Dezember 1423 über die Summe 
bereits einen Schuldschein ausgestellt *), so sah 
er sich am 8. März 1428 genöthigt, seinen 
Gläubigern noch greifbarere Sicherstellung zu geben 
und Heinrich von Ebersberg zum Amtmann auf 
Schloß Gersfeld zu bestellen, bis die Schuld nebst 
Zinsen völlig beglichen wäre.**) Darüber entstand, 
wie ohne weiteres einleuchten wird, Zwist mit 
Karl von Steinau, dem Sohne und Ver 
treter der nach wie vor unbefriedigten Ansprüche 
des vorher erwähnten Hans von Steinau, dem 
dadurch ein Ziel gesetzt wurde, daß Heinrich das 
Schloß unter der Bedingung wieder herausgab, 
daß er es nach Begleichung der Forderung Karl's 
von Steinau zurückerhalten würde, auch wurde 
sein Guthaben auf den Betrag von 1550 Gulden 
erhöht. ***) 
Wie der Bischof seine Schulden bezahlte 
und seine Gläubiger befriedigte, erfahren wir 
nicht, wohl aber ist aus den Quellen zu er 
sehen, daß die Brüder Hans und Ekarins von 
Ebersberg, als sie am 1. Februar 1435 die 
rechtmäßigen Ansprüche Wilhelm's von Schneeberg, 
des Sohnes vom verstorbenen Hermann, auf die 
Herrschaft Gersfeld gegen dessen völlige Verzicht 
leistung um 900 Gulden abkauften, im Einver- 
ständniß mit Bischof Johann handelten und von 
diesem in üblicher Weise belehnt wurden, doch 
vorbehaltlich des Wiedereinlösungsrechtes für 
1000 Mark nach des Bischofs Belieben, ch) 
Von Wilhelm von Schneeberg ist fortan nicht 
mehr die Rede. Er hatte es vorgezogen aus den 
schwierig gewordenen Verhältnissen den am leich 
testen gangbaren Ausweg zu suchen. Am 
14. Februar 1438 erstand dann Heinrich von 
Ebersberg, der Vetter der obengenannten 
Brüder, von ihnen die Herrschaft um 640 Gulden. 
Die Differenz von 260 Gulden erklärt sich daraus, 
daß in deir 900 Mark Güter des Wilhelm von 
Schneeberg in Niederlütter im Werthe von 
260 Gulden mit inbegriffen waren, die nicht zu 
Gersfeld gehörten, und über die deshalb ein be 
sonderer Lehnbrief auszufertigen war-fffi) Bischof 
*) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 98—100. 
**) Daselbst S. 101—103. 
***) Ebendaselbst ©.101—105. 
t) Ebendaselbst S. 105—110. 
tt) Ebendaselbst S. 20, 112. 
Johann sprach unter dem 10. Mai 1438 seine 
Billigung des Geschehenen aus und belehnte 
Heinrich von Ebersberg, den Stamnlvater der 
heutigen Besitzer der Herrschaft Gersfeld, doch 
unter Aufrechthaltung der Wiedereinlösungs 
klausel*), von der freilich niemals Gebrauch ge 
macht worden ist. Wie in der Belehnungsurkunde 
ausdrücklich hervorgehoben wurde, sollte die Klausel 
nur für den Fall Platz greifen können, daß in 
Zukunft einmal lediglich Töchter und keine Söhne 
als Erbberechtigte vorhanden wären, sie ist also 
als Korrelat der vom Lehnsherrn zugestandenen 
Vererblichkeit des Lehens auf weibliche Geschlechts 
angehörige zu betrachten, die gewiß von Bedeutung 
war. Und es hat in der That im vorigen Jahr 
hundert, als die Frage praktisch wurde, nicht 
geringe Mühe gekostet, die weibliche Erbfolge 
zu' sichern. 
Für die Familie von Ebersberg war es von 
erheblichem Werth, nunmehr auch die Herrschaft 
Gersfeld, die nach einem Lehnbrief des Bischofs 
Gottfried von Würzburg aus dem Jahre 1451 
vom Ort Gersseld selbst die Hälfte umfaßte**), fest in 
Händen zu haben, da ihr älterer Besitz in und um 
Gersfeld unter fuldischer Lehnshoheit sich mit 
derselben zu einem harmonischen Ganzen vereinigte, 
um so harmonischer, als in Fulda die weiblichen 
Erbfolge an und für sich rechtens war. Die 
lehnsrechtlichen Ansprüche des Abtes von Fulda, 
derentwegen es freilich an mehrfachen Streitigkeiten 
zwischen Fulda und Würzburg, so besonders um 
das Jahr 1660 bezüglich des Haderwaldes nicht 
gefehlt hat, haben den Herren von Ebersberg 
vermuthlich zwar manchen Verdruß bereitet, ihren 
Besitzstand aber nicht beeinträchtigt. — 
Die hoffentlich recht zahlreichen Theilnehmer 
der Jahresversammlung des Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde in 
Gersfeld, einem der schönsten Punkte der kuppen 
reichen Rhön, dem freundlichen Ort, den Heller 
in seinen Rhönreisen „sauber, doch züchtig angethan 
und wohlhabend wie eine Gersfelderin am Bei 
lage" nennt, werden in Hinblick aus die land 
schaftlichen Reize des Grenzbezirks des Buchen- 
und Frankenlandes die mit der Begründung der 
Herrschaft Gersfeld verknüpft gewesenen Schwierig 
keiten, namentlich die mit einander in Widerstreit 
befindlichen Ansprüche verschiedener Geschlechter 
begreiflich finden und die Besitzer dieses Fleckchens 
Erde glücklich schützen. 
*) Karl Ludwig Müller a. a. O. S. 42, 110—114. 
**) Ebendaselbst S. 28. 
W. chrotefend.
	        

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