Full text: Hessenland (10.1896)

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der Infanterie an, und zwar zwei dem Leibgarde 
regiment, vier dem 1. Infanterieregiment (Kur 
fürst), vier dem Jäger- und einer dem Schützen- 
bataillon. Von allen anderen Truppentheilen be 
findet sich niemand mehr im Dienste. Die noch 
in der Armee befindlichen sind uach ihrer kur 
hessischen Anciennetät geordnet: Oberst Fischer 
(Jägerbataillon), Vorstand des Bekleidungsamtes 
des XVI. Armeecorps; Generalmajor von Bar 
de leben (Karl, Leibgarderegiment), Kommandeur 
der 41. Jnfanteriebrigade; Oberst von Roques 
(1. Infanterieregiment), Kommandeur des In 
fanterieregiments Prinz Moritz von Anhalt-Dessau 
(5. Pommersches) Nr. 42; Generalmajor von 
Apell (Jägerbataillon), Kommandant der Feste 
Boyen; Oberst Schmidt (1. Infanterieregiment), 
Kommandeur des Infanterieregiments voll Horn 
(3. Rheinisches) Nr. 29; Oberst von Ende 
(Leibgarderegiment), Kommalldeur des Grenadier 
regiments König Friedrich III. (1. Ostpreußisches) 
Nr. 1; Oberstlieutenant Freiherr von Uslar- 
Gleichen (1. Infanterieregiment), Distriktsossizier 
bei der 8. Gendarmeriebrigade; Oberstlieutenant 
Sch eff er (Artillerieregiment), Stabsoffizier beim 
Bezirkskommando I. Berlin; Oberstlieutenant 
Stamm (Schützenbataillon), etatsmäßiger Stabs 
offizier beim Infanterieregiment Graf Werder 
(4. Rheinisches) Nr. 30; Oberstlieutenant Fischer 
(Jägerbataillon), Kommandeur des Landwehrbezirks 
Montjoie; Oberstlieutenant von Kaltenborn 
(1. Infanterieregiment), etntsmäßiger Stabsoffizier 
beim Infanterieregiment Graf Tauentziell von 
Wittenberg (3. Brandenburgisches) Nr. 20 und 
Oberst Wiederhold (Jägerbataillon), Komman 
deur des 2. Pommerschen Feldartillerieregiments 
Nr. 17. —I. 
Ausflug des Geschichtsvereins. Am 
1. Juli Nachmittags unternahmen etwa 40 Mit 
glieder des V e r e i n s für h e s s i s ch e G e s ch i ch t e 
und Landeskunde, darunter auch mehrere 
Damen, unter Leitung des stellvertretendell Vor 
sitzenden, Direktors der Landesbrandkasse Dr. Knorz 
den seit längerer Zeit geplanten Ausflug nach 
Grebenstein. Nachdem unter liebenswürdiger 
Führung des Gutsbesitzers Fehrenberg des 
Aelteren (Kressenbrunn) bezw. des Amtsrichters 
G e s i n g zunächst die Sehenswürdigkeiten des 
Ortes, bestehend in der aus dem 14. Jahrhundert 
stammenden Pfarrkirche und der noch zum großen 
Theile erhaltenen alten Ringmauer mit ihren an 
sehnlichen Thürmen in Augenscheill genommen 
waren, begaben sich die Teilnehmer des Ausflugs 
auf den Burgberg in die Burgruine. Hier 
hielt Br. med. Schwarzkopf dann einen 
Vortrag über die Geschichte von Burg 
und Stadt Grebenstein, der durch seinen 
Inhalt im Verein mit seiner poetischen Form und 
dem warmen, patriotischen Geiste, der den Hörern 
daraus entgegenwehte, allgemein fesselte und dem 
beliebten Redner jubelnden Beisall einbrachte. 
Vollständig neu waren die hochinteressanten Aus 
führungen des Vortragenden über die alte Burg, 
wie seine Erläuterung ihrer Einrichtungen und 
Verhältnisse, die von sorgsamen Studien an Ort 
und Stelle Zeugniß ablegten. Der Dank des Vor 
sitzenden für die treffliche Leistung des Redners 
klang in ein begeistertes Hoch aus denselben aus. 
Während Jupiter pluvius sich bis dahin auf die 
Spendung vorübergehender Güsse beschränkte hatte, 
strömte gegen 7 Uhr der Regen gar zu reichlich 
herab, weshalb beschlossen wurde sich in die gast 
lichen Räume des „Reichskanzlers" zurückzuziehen. 
Hier blieb man noch bei fröhlicher Runde bis 
zum Abgang des Zuges versammelt. 
Neuer Kirchen bau. Am 1. Juli erfolgte 
die feierliche Einweihung der evangelischen 
Kirche zu Fulda. 
Als sich in oranischer Zeit in Fulda eine evan 
gelische Gemeinde gebildet hatte, wurde derselben 
im Jahre 1803 zu ihren Gottesdiensten das sog. 
Oratorium Marianum, der mittlere Theil 
des Gymnasiums, übergeben, welches dem Bedürfniß 
der Gemeinde schon längst nicht mehr entsprach. 
Wegen des niedrigen Rundbogenstils konnte es 
aber weder mit Emporen versehen, noch erweitert 
werden. Die Mittel für einen Neubau, dem näher 
zu treten im Anschluß an das Lutherjubiläum in's 
Auge gefaßt wurde, sind beschafft worden, wenn 
es auch Mühe gekostet hat. Völlig gesichert wurde 
der Bau erst durch ein königliches Gnadengeschenk 
im Betrage von 52 000 Mark. Nachdem am 
14. Juli 1894 feierlich der Grundstein gelegt 
war, ist die Vollendung des Gotteshauses in kaum 
zwei Jahren, also recht schnell, erreicht worden. 
Die Weihe der Kirche vollzog sich nach dem 
Berichte der Tageszeitungen in äußerst würdiger 
und erhebender Weise, wozu die Schönheit des 
1000 Sitzplätze enthaltenden Gotteshauses wesent 
lich beitrug. Die Kirche gereicht der Stadt 
zur Zierde, was bei der stattlichen Zahl schöner 
Kirchen in Fulda viel sagen will. Sie erhebt sich 
in gothischem Stjl aus Sandstein aus dem der 
Gemeinde von der Stadt bereitwilligst verkauften 
Platz am Bahnhöfe und entspricht, nach dem System 
Hase-Hannover mit verkürztem Schiff und ge 
räumigen Kreuzarmen konstruirt, namentlich in 
Betreff der Akustik den an eine evangelische Predigt 
kirche zu stellenden Anforderungen in hohem Maße.
	        

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