Full text: Hessenland (10.1896)

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des 17. Jahrhunderts erloschenen hessischen Adels- 
geschlechte dieses Namens auf Betzigesdorf, das er 
im Jahre 1653 der Familie von Löwenstein 
abkaufte, und zwar einen solchen über die Salzquellen 
zu Schmalkalden (betrifft dereu Ausnutzung durch 
Errichtung einer Saline), einen zweiten über Abhaltung 
eines Viehmarktes in Kassel und endlich einen brüten 
über die Anrichtung einer oder zweier allgemeinen 
Jahrmessen daselbst. Das Jahr, aus welchem diese 
Aufzeichnungen des Johann Heinrich Hund, die 
wohl völlig privaten Charakters sind, stammen, ist 
nicht mit Bestimmtheit anzugeben, doch steht 
fest, daß sie nicht allzulange nach dem Jahre 1645 
zu^ Papier gebracht fein müssen, da dieses Jahr 
in dem zweiten Aussatz erwähnt wird. Wir 
gelangen mithin aller Wahrscheinlichkeit nach in 
die Zeit Landgraf W i l h e l m' s VI. 
An der Spitze seiner Ausführungen, zu denen 
er sich wohl kaum veranlaßt gesehen habe würde, 
ohne daß die behandelten Fragen damals im 
Vordergründe der Erörterung gestanden hätten, 
stellte er den Satz: die Einführung der regelmäßig 
wiederkehrenden Messen könne unstreitig ein statt 
liches eintragen, wenn es in Schwang gebracht 
werden möchte. Dann beleuchtete er die Gründe, 
die etwa dagegen sprechen könnten. Als solche 
führt er deren vier an: 
1. Die Lage der Stadt Kassel wäre dafür nicht 
günstig genug, 2. es wären in Kassel nicht so 
reiche Kaufleute wie all anderen Orten, es mangele 
demnach 3. an dem bei solchen allgemeinen Messen 
nöthigen und unentbehrlichen „Wechsel", und 4. sei 
ein zu großer Widerstand von Seiten der Stadt 
Frankfurt zu befürchten. 
Gegenüber der ersten Einwendung sagt er: 
Kassel ist besser gelegen als Nürnberg, Leipzig, Erfurt 
und etliche andere Orte, es liegt gleichsam in der 
Mitte von Deutschland, besonders für Westfalen, 
Niedersachsen und vermuthlich auch Obersachseu. 
Der englische Tuchhandel wird sich zumal gern 
dahill ziehen, die Weser ist „sehr bequem". 
Was von Nürnberg auf Hamburg, Lübeck und 
Brauuschweig und von diesen Plätzen ans Nürnberg, 
Ulm und Augsburg geht, hat unterwegs feine rechte 
Abladestelle und geht jetzt bei Stadt Vacha oder 
noch mehr abwärts durch das Land. Die Er 
Aus Keirnuth 
Es dürfte die Leser des „Hessenlandes" wohl 
interessiren zu hören, daß von den im Jahre 1866 
in die preußische Armee übergetretenen kurhessischen 
Offizieren, in Folge der Verabschiedungen des 
richtung einer Abladestelle in Kassel kommt diesem 
Handel recht gelegen, vornehmlich wird dadurch 
der Seidenhandel hierher gezogen. Zu Punkt 2 
hebt er hervor: Nürnberg, Augsburg, Ulm, Braun 
schweig und andere Handelsstädte haben auch ihre 
Anfänge gehabt und zwar geringe, das heutige 
Kassel steht weit besser da als jene in ihren 
Anfängen. Außerdem „liegen deren Oerter einer 
oder ander gegen Kassel gänzlich in Wildnissen; 
als aber man daselbst die Kaushandel angefangen, 
finb solchem auch die Kaufleute als Adler dem 
Aas nachgegangen und haben sich gesunden, ja 
wenn man allhier in Kassel nur us 30 Jahre 
zurückgehen und den itzigen gegen derozeitigen 
Handel vergleichen wollte, würde sich schon im 
Werke fünden, was itzo gesagt worden und zwar 
also, daß nichts mehr mangele als daß man nur 
den ^anstellten Anlaß und zu handeln Gelegenheit 
gebe". Damit ist seiner Ansicht nach auch der 
dritte Einwurf hinfällig geworden, da dann der 
„Wechsel" mit den Kaufleuten von selbst kommen 
würde. In Bezug auf Punkt 4 giebt er freilich 
zu, daß Frankfurt mit der Zeit die Kasseler Messen 
etwas empfinden würde, gtanbt aber, daß es keine 
begründete Ursache haben könne deren Einführung 
zu verhindern; denn der Frankfurter Handel wird 
seiner Meinung nach dadurch nicht verboten, sondern 
nur genöthigt einen neuen Konkurrenten zu dulden, 
„wie denn der Kaufhandel keinem Orte also zur 
Ehre gegeben, daß er nicht sich auch an andere 
Orte ziehen möchte, gleich wie von Gent und 
Brügge ill Flandern der Kaufhandel gen Antors 
(Antwerpen), von da gell Amsterdam und Hamburg 
und also voll anderen Orten mehr auf anbere ge 
zogen und verwendet ist worden". 
Aus solchen Auszeichnungell geht hervor, daß es 
and) ül früheren Zeiten an Köpfen nicht fehlte, 
die, ohne sich in amtlichen Stellungen zu befinden, 
über die Tagesfragen nachdachtell. Einzelne Bruch 
theile der Bevölkerung haben eben von jeher für 
öffentliche Angelegenheiten Blick iinb Verständniß 
besessen und der Lösung der schwebenden Fragen 
Zeit llnd Interesse gewidmet, im Verhältniß zum 
Ganzen sind diese Bruchtheile aber wahrscheinlich 
gegen früher beständig in der Zunahme begriffen. 
und Iremöe. 
Monat Juni, heute, nach nunmehr 30 Jahren, 
gerade noch 12 im Dienste sind. Dieselben waren 
alle im Jahre 1866 noch Secondlieutenant und 
gehörten mit Ausnahme eines Artilleristen sämmtlich
	        

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